Bundesamt für Naturschutz

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Forscher identifizieren Ostsee-Kegelrobben Video Transkript


Kegelrobben galten im 20. Jahrhundert ostseeweit als stark gefährdet. An den Küsten Mecklenburg-Vorpommerns waren sie für viele Jahrzehnte nahezu vollständig verschwunden. Schutzmaßnahmen führten zur langsamen Erholung der Art in der gesamten Ostsee. Nach und nach kehren diese großen Robben an die deutsche Ostseeküste zurück, vor allem im Winter und Frühjahr auch in die Gewässer rund um Rügen. Hier führen inzwischen das Bundesamt für Naturschutz, das Biosphärenreservat Südost-Rügen und Naturschutzverbände im Greifswalder Bodden abgestimmte Zählungen durch.

Zitat Mähler: Als ich vor etwa 7 Jahren hier auf die Insel Greifswalder Oie gekommen bin, waren Kegelrobben-Sichtungen eine absolute Seltenheit, also das war schon wirklich etwas Besonderes. Aber in den letzten Jahren hat sich das immer weiter nach oben entwickelt, und wir haben mittlerweile zunehmende Bestände, so dass wir regelmäßig Kegelrobben hier auch in größeren Zahlen haben.

2016 starteten das Deutsche Meeresmuseum und die Universität Rostock in Kooperation mit dem Bundesamt für Naturschutz nun erstmalig an der deutschen Ostseeküste ein Forschungsprojekt zur Foto-Identifikation der Kegelrobben in den Boddengewässern. Grundlage hierfür ist die individuelle Fellzeichnung jeder Robbe, ihre hellen und dunklen Flecken.

Die Forscher fotografieren bei den Zählungen alle Robben, möglichst von vorn und seitlich. Die Fotos werden dann mit Datum und genauem Sichtungsort in eine Datenbank eingegeben. Der Bearbeiter markiert wichtige Eckpunkte, z.B. Augen oder Ohr, und den Umriss. Eine speziell entwickelte Software entzerrt das Foto. Vordefinierte Bereiche, z.B. an der Halsseite mit besonders markanten Fellzeichnungen werden für die Auswertung ausgewählt. Die Software vergleicht nun das Bild mit vorhandenen Aufnahmen in der Datenbank. Die größte Übereinstimmung wird dem Bearbeiter als „Treffer“ vorgeschlagen. Handelt es sich tatsächlich um das gleiche Tier, wird die Identifikations-Nummer übernommen.

Diese Methode erlaubt Rückschlüsse auf die Standorttreue einzelner Tiere und ihre saisonalen Wanderungen. Im Vergleich mit Daten anderer Ostseeanrainerstaaten können die Forscher auch auf die Herkunft der Kegelrobben schließen. Die Ergebnisse des Projektes, das auch zukünftig von der Abteilung Meeresnaturschutz des BfN auf der Insel Vilm unterstützt wird, sind wichtig für gezielte Schutzmaßnahmen. Damit der Bestand dieser Art auch langfristig in der deutschen Ostsee gesichert wird.