Bundesamt für Naturschutz

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Praxistests einiger nachhaltiger Fischereimethoden, Video Transkript


Ein gemeinsames Forschungsprojekt von BfN und NABU mit schleswig-holsteinischen Fischern brachte in den letzten Monaten neue Ergebnisse zur Optimierung von einigen alternativen Fanggeräten.

So wurden einzelne Abschnitte von Langleinen mit Schwimmerkugeln ausgerüstet, damit die Haken nicht mehr vollständig auf den Boden absinken und der Köder dort von bodenlebenden Tieren gefressen wird. Um die genaue Schwimmerkonfiguration festlegen zu können, wurden Forschungstaucher eingesetzt. Sie untersuchten auch die optimale Höhe über Grund, in der die Leinen stehen sollen.

Inzwischen werden die Schwimmerkugeln an Bord beim Aussetzen und Einholen der Leinen an- und abmontiert.

Mit dem Einsatz der Schwimmer und nach dem Test unterschiedlicher Hakengrößen konnten die Fischer mehr Dorsche fangen. Denn durch die im Wasser schwebend gehaltenen Leinen und Haken wurde der Wegfraß der Köder durch Strandkrabben und andere bodenlebende Krebse deutlich verringert.

Solche Anpassungen der Geräte in der Praxis ermöglichen, die Erträge alternativer Fanggeräte zu steigern. Erst dann kann deren Konkurrenzfähigkeit gegenüber standardmäßig eingesetzten Stellnetzen verbessert werden.

Kim Detloff sagt: Wir testen in diesem Forschungsvorhaben zwei alternative Gerätetypen, die international im Einsatz sind, aber in der deutschen Ostsee noch nicht angewendet  wurden. Das sind automatisierte Langleinen, die beköderte Haken über Grund stellen und dort insbesondere auf Dorsche oder Plattfische fischen, und wir testen sogenannte Jigging-Reels, das ist ein automatisiertes Pilken, wie wir es von der Sportangelei kennen

Die Jigging-Reels werden seit Frühjahr 2014 erprobt. Die automatisierten Systeme bewegen die Haken mit Köder im Wasser ruckartig hoch und runter, um Fische anzulocken. Auch mit diesem Fanggerät werden überwiegend Dorsche gefangen.

Im Rahmen des Forschungsprojektes untersuchen Wissenschaftler, die auf dem Kutter mitfahren, den Fang gleich an Bord. Sie bestimmen zunächst die Art und dann wiegen und vermessen sie die Fische. Mit Hilfe der gesammelten Daten lassen sich Rückschlüsse auf die Erträge und die Effektivität der Methode ziehen.

Die Untersuchungen haben gezeigt, dass die neuen Geräte unter Praxisbedingungen in der Ostseefischerei einsetzbar sind. Allerdings liegt deren Fangeffizienz bisher deutlich unterhalb der Erträge in der Stellnetzfischerei, das gilt sowohl für die Testfischerei mit den Jigging-Reels als auch für die Versuche mit der Langleine.

Kim Detloff: Hier in Burgstaaken ist die Langleine seit Juli 2014 im Einsatz. Wir haben 1 Jahr Testfischerei fast hinter uns und wenn wir eine Zwischenbilanz ziehen wollen, dann sagen wir: wir haben wichtige Erkenntnisse erlangt. Wir haben heute aber leider noch kein System, welches in der Lage ist, Stellnetze zu ersetzen.

Das BfN möchte mit diesem Projekt ökosystemvertägliche und nachhaltige Fangmethoden entwickeln, die für Natur und Fischerei gleichermaßen lohnend sind. Hierfür sind weitere Forschung und Praxistests erforderlich. Mit diesem BfN/NABU-Projekt wurde ein wichtiger Schritt in der Zusammenarbeit von Fischerei, Fischereiforschung und Naturschutz gemacht.