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20. Vilmer Sommerakademie

20. Vilmer Sommerakademie: Grüne Städte? Naturschutz im urbanen Bereich zwischen Nutzungskonkurrenz und Synergien

Foto: Jens Schiller
Stadt von oben

Putbus/Insel Vilm, 23. August 2021: Bei der Jubiläumsveranstaltung der Vilmer Sommerakademie vom 16. bis 19. August 2021 tauschten sich Interessierte über die Rolle des Naturschutzes in der Stadt aus. Bedingt durch Corona wurde die Sommerakademie als Online-Veranstaltung durchgeführt.

Rund 50 Vertreter*innen von Behörden und Verbänden, Umwelt- und Kommunalpolitiker*innen sowie Naturschützer*innen und Natur-, Sozial und Geisteswissenschaftler*innen folgten der Einladung der internationalen Naturschutzakademie Insel Vilm (INA) des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), der Universität Tübingen und der Universität Kiel zur 20. Sommerakademie im August 2021. Bei Vorträgen, moderierten Gruppenarbeiten und intensiven Diskussionen tauschten sich die Teilnehmenden darüber aus, wie sich die Perspektiven des Naturschutzes auf die Stadt sowie die Perspektiven der Städter*innen auf Natur und Naturschutz im Laufe der Zeit verändert haben. Ebenso wurde mit dem Thema "Umweltgerechtigkeit" der aktuellen Frage nachgegangen, wie Zugang zu Grünflächen in der Stadt gefördert und gerechter angelegt werden kann.

Im Naturschutz galten Städte lange als Gegenpol zu Natur. Dieses Bild hat sich seit einiger Zeit deutlich gewandelt. So umfasst die 2007 verabschiedete deutsche Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt auch den Schutz urbaner Bereiche. Auf internationaler Ebene bestätigt die Annahme der Entscheidung IX/28 - 'Förderung der Einbindung von Städten und lokalen Behörden' - auf der 9. Vertragsstaatenkonferenz (COP 9) der Konvention über die biologische Vielfalt (CBD) die Bedeutung von Städten bei der Erreichung der Ziele der CBD. Allerdings bleibt das Verhältnis zwischen biologischer Vielfalt und urbanen Räumen weiterhin ambivalent. Einerseits bieten urbane Räume vielen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Andererseits sind Flächenversiegelung und das ungebremste Wachstum von Städten eine der Hauptgefährdungsursachen für die biologische Vielfalt.

Bei der Sommerakademie beleuchteten die Referent*innen das Verhältnis zwischen Stadt und Natur und stellten verschiedene Projekte vor, wie biologische Vielfalt in der Stadt gefördert werden kann und wie gerechte Zugangsmöglichkeiten zu Natur in der Stadt aussehen können. Ein weiteres Thema war das Zusammenspiel von Stadtnatur und Gesundheit, auch vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie. In verschiedenen Gesprächsrunden tauschten sich die Teilnehmenden dazu aus, wie Naturschutz und die Teilhabe an Natur in der Stadt mittels innovativer Ansätze gefördert werden können. Immer wieder wurde die Multifunktionalität von Natur in der Stadt hervorgehoben. So bieten Stadtgrün und Gewässer in der Stadt nicht nur Raum für Erholung und Freizeitgestaltung, Spiel- und Entwicklungsmöglichkeiten für Kinder sondern erbringen eine Reihe weiterer Nutzen für die Gesellschaft: wie zum Beispiel Temperaturminderung und Wasserretention als Anpassung an den Klimawandel, CO2 Speicherung zum Klimaschutz sowie Minderung der Luftverschmutzung und der Lärmbelastung und Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

Wie bei allen Sommerakademien werden auf der Basis der Vorträge und Diskussionen die "Vilmer Thesen" formuliert, die voraussichtlich im Jahr 2022 in der Zeitschrift Natur und Landschaft veröffentlicht werden und zur weiteren Beschäftigung mit dem Tagungsthema einladen. Die Vilmer Sommerakademie hat sich in den letzten 20 Jahren als festes Format etabliert. Die erste Tagung fand 2001 zum Thema "Heimat und Naturschutz" statt. Mit der Reihe bietet die INA Interessierten jährlich die Möglichkeit, grundsätzliche Fragen des Naturschutzes interdisziplinär aus natur, sozial-, geistes- und kulturwissenschaftlicher Perspektive zu erörtern und mit Expert*innen aus Politik, Praxis und Wissenschaft in den Austausch zu kommen.

Letzte Änderung: 21.09.2020

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