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Transformativer Wandel

Transformativer Wandel für den Schutz der Biologischen Vielfalt

Teilnehmende des Seminars "Transformative Change for Biodiversity Conservation"
Teilnehmende des Seminars "Transformative Change for Biodiversity Conservation"

Putbus/Insel Vilm, 4. Februar 2021: Der Weltbiodiversitätsrats IPBES (engl. Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) kam in seinem globalen Bericht 2019 zu dem Schluss, dass die derzeitigen internationalen Aktivitäten, um dem Rückgang der Biodiversität zu begegnen, nicht ausreichen. Ein grundlegender „transformativer Wandel" sei erforderlich, um die biologische Vielfalt wiederherzustellen und die Natur zu schützen. Die Internationale Naturschutzakademie Insel Vilm (INA) des Bundesamtes für Naturschutz, die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ GmbH) und die KfW Entwicklungsbank haben vom 25. Januar bis 3. Februar 2021 zu diesem Thema ein Fortbildungsseminar für Fachkräfte der deutschen Entwicklungszusammenarbeit veranstaltet.

Beim Seminar „Transformative Change for Biodiversity Conservation: Challenges, Concepts and Implementation“ haben rund 30 Teilnehmende erarbeitet, was sich hinter dem Konzept des transformativen Wandels im Kontext der biologischen Vielfalt verbirgt und welche Ansatzpunkte es in der deutschen Entwicklungszusammenarbeit gibt, um einen solchen Wandel anzustoßen. Der transformative Wandel – gemeint ist eine grundlegende Neuorganisation technologischer, wirtschaftlicher und sozialer Systeme – wird von den Expertinnen und Experten des Weltbiodiversitätsrats als Stoßrichtung gesehen, um den drohenden ökologischen Kollaps und verheerende Folgen für Mensch und Natur zu verhindern. Er ist notwendig, um einerseits die Ursachen für den Rückgang der biologischen Vielfalt zu bekämpfen und andererseits vermehrt naturbasierte Lösungen zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen, wie beispielsweise dem Klimawandel, zu nutzen.

Mehrere Hauptredner beleuchteten verschiedene Perspektiven des Themas. Josef Settele, Co-Chair des IPBES Global Assessment Reports, machte die Dringlichkeit für einen transformativen Wandel deutlich und zeigte am Beispiel der COVID-19-Pandemie, wie sehr in unserer globalisierten Welt das gesellschaftliche Wohlergehen von intakten Ökosystemen abhängt. Ashish Kothari, Naturschützer aus Indien, betonte, dass transformativer Wandel nur aus lokalen Initiativen entstehen kann, wenn dafür Spielräume geschaffen werden. Er misst traditionellen und indigenen Gemeinschaften, eine besondere Rolle bei der gesellschaftlichen Erneuerung von Werten und Strukturen zu. Gleichzeitig fordert er von den Ländern des globalen Nordens eine radikale Umkehr ihrer Lebensstile. Marco Fritz von der Generaldirektion Forschung und Innovation der Europäischen Kommission erläuterte den transformativen Charakter des EU Green Deal und hob die Bedeutung von Forschung, Gerechtigkeit und Finanzierung hervor. Neben den Maßnahmen zum Klimaschutz und naturbasierten Klimawandelanpassungsmaßnahmen stellte er beispielhaft das angestrebte Ziel entwaldungsfreier Lieferketten und eine neue EU Waldpolitik vor.

Die Teilnehmenden untersuchten an Fallbeispielen, den transformativen Charakter von verschiedenen Interventionen sowie Barrieren und Ansatzpunkte für einen transformativen Wandel. So entwickelten sie auch Ideen, wie das verpflichtende Instrument der Nationalen Biodiversitätsstrategien und Aktionspläne (engl. NBSAPs) besser genutzt werden kann, um einen transformativen Wandel anzustoßen und stärker in andere Sektoren hinein zu wirken. Schließlich diskutierten sie Empfehlungen für die deutsche Entwicklungszusammenarbeit, um den transformativen Wandel in diesem Bereich voran zu treiben.

„Es muss ein Dialog darüber stattfinden, was ein transformativer Wandel, wie vom Weltbiodiversitätsrat gefordert, in der Praxis für verschiedene Sektoren und Akteure bedeutet. Mit unserem Seminar haben wir neue Perspektiven und Ansätze zusammengebracht, sowie Wege aufgezeigt, wie ein transformativer Wandel im Naturschutz angestoßen werden kann“, sagte Andrea Höing von der INA. INA, GIZ und KfW planen weitere Seminare zu diesem Thema.

Letzte Änderung: 21.09.2020

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