Bundesamt für Naturschutz

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Tagungsdokumentation

12. Vilmer Sommerakademie: Zurück zur Natur? Renaturierung als Naturschutz

08. bis 12. Juli 2011 am Bundesamt für Naturschutz-Internationale Naturschutzakademie Insel Vilm gemeinsam mit der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald (Professur für Umweltethik) und dem Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften der Eberhard-Karls-Universität Tübingen.

Informationen zur Tagung

Die "Renaturierung" spielt eine sehr bedeutsame Rolle für die Naturschutzpraxis. Sie umfasst fast selbstverständlich wirkende, aber auch zuweilen umstrittene Maßnahmen. Für Renaturierungsmaßnahmen gibt es eine Reihe von Gründen. Sie reichen von der Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes und der ästhetisch - kulturellen Qualität von Landschaft über die Bewahrung der Biodiversität bis zur Schaffung neuer, "künstlicher" Lebensräume.
Die diesjährige Sommerakademie wird den Stand der heutigen Renaturierungsökologie und Beispiele von ökologisch interessanten sowie ökonomisch erfolgreichen Renaturierungsprojekten vorstellen und diskutieren. Doch was genau sind die angestrebten Ziele: Zum einen sollen frühere (vermeintlich ursprüngliche oder intakte) Naturzustände wiederhergestellt werden. Schäden und Eingriffe durch Nutzungsansprüche sollen geheilt oder kompensiert werden. Bisweilen kommen sogar Ideen von einer neuen, gestalteten, "menschengemachten" Natur ins Spiel, die besser und vielfältiger sein soll als das Original.

Die Frage nach Zielen und Maßnahmen ist in den Kontext historischer, ethischer und kulturgeschichtlicher Perspektiven zu stellen, denn Renaturierung ist zugleich Rekultivierung: Sie beinhaltet eine Vielzahl von Bildern und Wertsetzungen des Menschen im Umgang mit Natur und Landschaft. Welche Vorstellungen von Natur und Landschaft liegen dem zugrunde? Welche Spannungsbögen zwischen Natürlichkeit und Künstlichkeit, Tun und Lassen, Gestaltung und Selbstheilungskräften der Natur werden daran sichtbar und bedürfen der kritischen Reflexion? Zurück zur Natur (aber welcher?) und zugleich vorwärts zu neuer, gestalteter Natur. Sehr schön ließe sich diese Paradoxie in der Aufforderung eines Schaffners an die Fahrgäste einer überfüllten Warschauer Straßenbahn zusammenfassen, die der polnische Philosoph Leszek Kolakowski mit einem Augenzwinkern zitiert hat: "Bitte Vorwärts Zurücktreten!"


Programm

Vilmer Thesen (Veröffentlichung in Natur und Landschaft (NuL) ist in Vorbereitung)


Präsentationen

I Renaturierung in der Ökologie- und Naturschutzgeschichte

Renaturierung - Rekultivierung - Revitalisierung. Zur Geschichte und Ambivalenz der Begriffe
Reinhard Piechocki, Insel Vilm

Wiederherstellung naturnaher und halbnatürlicher Ökosysteme - Konzepte und Methoden
Kathrin Kiehl, Osnabrück

 

III Renaturierung aus anderen Perspektiven

Renaturierung von Ökosystemen, Landschaften und Wildnis - zur kulturbedingten Vieldeutigkeit von Naturauffassungen
Ludwig Trepl, München

Renaturierung und narrative Identität
Martin Drenthen, Nijmegen

Zur ethischen Dimension von Renaturierungsökologie und  Ökosystemrenaturierung
Konrad Ott, Greifswald (erscheint in Kürze)

Eingriffskorrektur statt Idealnatur. Das Konzept der Renaturierung aus einer nicht-anthropozentrischen Perspektive
Martin Gorke, Greifswald (der Vortrag wird zur Zeit als Beitrag für NuL vorbereitet )

"Der Natur zurück geben" Kulturgeschichtliche Anmerkungen zu einer Denkfigur
Ludwig Fischer, Hamburg

Kosten der Renaturierung
Michael Rühs, Greifswald

 


Ansprechpartner

Bundesamt für Naturschutz
Dr. Norbert Wiersbinski, Telefon: 038301/86-111
Dr. Reinhard Piechocki, Telefon: 038301/86-132

Universität Tübingen - Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften
Prof. Dr. Thomas Potthast

Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald - Professur für Umweltethik
Prof. Dr. Konrad Ott

alte Eiche auf der Insel Vilm