Bundesamt für Naturschutz

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Tagungsdokumentation

13. Vilmer Sommerakademie: Naturschutz in der demokratischen Gesellschaft

07. bis 11. Juli 2013 am Bundesamt für Naturschutz-Internationale Naturschutzakademie Insel Vilm gemeinsam mit der Universität Kiel (Philosophisches Seminar) und dem Internationalen Zentrum für Ethik in den Wissenschaften der Eberhard-Karls-Universität Tübingen.

Informationen zur Tagung

Gesetze des Bundes und der Länder stecken den rechtlichen Rahmen ab und bestimmen zugleich die Mitwirkungsmöglichkeiten bei Eingriffen in Natur und Landschaft. Staatliche Institutionen und Naturschutzverbände nehmen dabei ihre jeweilige Verantwortung im demokratischen System der Bundesrepublik wahr.

Über die Umsetzung konkreter Maßnahmen und die Erreichung ehrgeiziger naturschutzpolitischer Ziele ist damit noch wenig gesagt. Viele im Naturschutz Engagierte beklagen, dass schon die Durchsetzung des Ordnungsrechtes ein Alltagsproblem ist. Bei größeren Eingriffen, Investitionen oder Schutzgebietsausweisungen zieht der Naturschutz oft genug den Kürzeren. Mittel- und langfristige Ziele werden eher verfehlt als erreicht. Als Beispiel sei hier das 2010-Ziel (stop the loss) der Biodiversitätsstrategie genannt.

Die gleiche Feststellung ließe sich für die Nachhaltigkeitsstrategie von 2002 treffen, sobald man den heutigen Stand mit den Zielen für die Jahre 2010 -2020 vergleicht, ob beim Ökolandbau oder dem Flächenverbrauch, um nur zwei zu nennen. Diese Fakten nähren bisweilen Zweifel bei der eigenen Zunft, ob Demokratie und Naturschutz immer gut zusammengehen. Sie legen die begründete Vermutung nahe, dass zwischen unserem heutigen Politik- und Ökonomiemodell und einer zukunftsfähigen Nachhaltigkeits- und Naturschutzpolitik noch eine ziemliche Lücke klafft.

Eine moderne, auf Weiterentwicklung ausgerichtete Naturschutzpolitik muss über die Einhaltung und Durchsetzung des Ordnungsrechtes hinausgehen. Sie wird sich aktiv in den gesellschaftlichen Diskurs einbringen müssen, der eine Schließung der oben genannten Lücke für notwendig hält und die heute gern bemühte Alternativlosigkeit bei den Handlungsoptionen nicht gelten lässt. Sie wird daher streitbar für mehr Demokratie und Nachhaltigkeit ein-treten.

Zugleich muss sie antidemokratischen Rezepten entschieden entgegentreten. Angesichts der Dringlichkeit und des Handlungsdrucks– z.B. beim Klimawandel oder der Energiewende– gibt es durchaus Stimmen, die Mitbestimmungsrechte einschränken wollen, eine „Öko-Diktatur“ für unumgänglich halten oder „braune Grüne“ die mit einfachen aber völkisch-rassistischen Antworten auf Stimmenfang gehen.

 



Programm

Vilmer Thesen
(Veröffentlichung in Natur und Landschaft (NuL) ist in Vorbereitung. Nach Erscheinen können die Thesen gegen Gebühr beim Kohlhammerverlag heruntergeladen werden)


Präsentationen

I Naturschutz und Demokratie – historischer Rückblick und aktuelle Perspektiven

Demokratie und Naturschutz - Ein historischer Rückblick
Hans Werner Frohn, Stiftung Naturschutzgeschichte, Königswinter

Aktuelle Herausforderungen für die Umwelt- und Naturschutzpolitik
Barbara Unmüßig, Heinrich Böll Stiftung, Berlin

Demokratie und/oder Naturschutz!? - Eine viel-schichtige Debatte
Thomas Potthast, Universität Tübingen

II Das herrschende Politik- und Ökonomiemodell versus Nachhaltigkeit

Wider die Übermacht des Ökonomischen -Elemente einer (nachhaltigen) anderen Ökonomie
Ulrich Thielemann, MeM - Berliner Denkfabrik für Wirtschaftsethik e.V.

Demokratie in der naturschutzpolitischen Praxis
Max Krott, Universität Göttingen

Über politische Klugheit im Naturschutz
Hubert Weiger, Bundesvorsitzender des BUND, Berlin

Naturschutz und Allmende­ eine regressive Utopie? 
Ludwig Fischer, Universität Hamburg

III Zukunftsfähigkeit und Gemeinwohlinteressen zwischen „verordneter Nachhaltigkeit“, „Ökokratie“ und „Öko-Diktatur“

Wie lernen Gesellschaften mehr Nachhaltigkeit?
Manfred Linz, Wuppertalinstitut, Berlin

Zukunftsfähigkeit ohne "Öko-Diktatur"
Harald Welzer, FUTURZWEI, Stiftung Zukunftsfähigkeit, Berlin

Konturen einer deliberativen, demokratischen Umweltpolitik
Konrad Ott, Universität Kiel

IV Die Feinde der Demokratie – braune Ökologen im Naturschutz

Projekte und Positionen völkischer Ökologie
Andreas Speit, Journalist und Autor, Hamburg

Ziemlich strategisch: Warum sind den "Braunen" grüne Themen so wichtig?
Gudrun Heinrich, Universität Rostock


Ansprechpartner

Bundesamt für Naturschutz
Dr. Norbert Wiersbinski
Dr. Reinhard Piechocki

Universität Tübingen - Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften
Prof. Dr. Thomas Potthast

Universität Kiel - Professur für 
Prof. Dr. Konrad Ott

alte Eiche auf der Insel Vilm