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Naturschutz, Artenschutz, Biologische Vielfalt, Monitoring, Insekten

Insektenrückgang: Bundesweites Monitoring soll Antworten liefern

  • Neues Forschungsprojekt entwickelt Grundlagen für bundesweites Insek-tenmonitoring
  • Zustand und Entwicklung der Insektenfauna Deutschlands sollen künftig standardisiert erfasst werden
Furchenbiene auf Blüte

Furchenbiene (Halictus scabiosae), Foto: Thomas Fartmann

Bonn, 3. September 2018: Noch sind viele Fragen zum Insektenrückgang in Deutschland offen: In welchem Umfang sind Regionen, Lebensräume und Artengruppen betroffen? Welche Ursachen liegen den mittlerweile eindeutig nachgewiesenen Trends zugrunde und welche Schutzstrategien sind erfolgreich? Ein jetzt vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) bewilligtes Vorhaben an der Universität Osnabrück soll ein bundesweit einheitliches Verfahren entwickeln, das künftig Antworten liefert. Das Vorhaben wird vom BfN mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert.

„Wir brauchen dringend eine wissenschaftlich belastbare Datenbasis zum Zustand und zur Entwicklung der Insektenfauna in Deutschland, die auf bundesweit repräsentativen, systematischen Erhebungen anhand von standardisierten Methoden basiert. Das geplante Insektenmonitoring soll eine solche Basis liefern“, erläutert BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel. Das Projekt baut auf den bereits etablierten Monitoringprogrammen und Erfahrungen des BfN im Biodiversitätsmonitoring auf und soll zugleich das „Aktionsprogramm Insektenschutz“ der Bundesregierung unterstützen, das zurzeit erarbeitet wird.

In dem neuen Forschungs- und Entwicklungsvorhaben entwickeln Ökologen und Ökologinnen der Universität Osnabrück die konzeptionellen Grundlagen für das geplante bundesweite Insektenmonitoring. Dafür werden zunächst die Anforderungen an das Monitoring analysiert, die Eignung einzelner Insektengruppen überprüft sowie geeignete Erfassungsmethoden ausgewählt. Projektpartner sind das Planungsbüro für angewandten Naturschutz in München, der Entomologische Verein Krefeld, die Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden sowie die Libellenkundler und -kundlerinnen der Gesellschaft deutschsprachiger Odonatologen. In dem Forschungsvorhaben wird intensiv mit den Naturschutzbehörden der Länder, Forschungsinstitutionen und Verbänden zusammengearbeitet. Ziel ist es, anhand des Konzeptes ein bundesweites Insektenmonitoring schrittweise aufzubauen.

„Um die ambitionierten Ziele des Forschungsprojektes zu erreichen, werden wir die Aktivitäten von Bund und Ländern miteinander verknüpfen und im Rahmen der Erstellung eines standardisierten Methodenleitfadens ‚Insektenmonitoring‘ eng mit den Fachbehörden zusammenarbeiten“, sagt der Projektleiter Prof. Thomas Fartmann von der Universität Osnabrück und ergänzt: „Es ist wichtig ein Konzept zu entwickeln, das die ehrenamtlichen Aktivitäten einbezieht und gleichzeitig den Rahmen für die Arbeiten absteckt, die von Hauptamtlichen übernommen werden müssen.“ Gerade die Fachverbände und entomologischen Vereine stellen mit ihrer Expertise und langfristigem Engagement schon bei der Konzeptentwicklung eine entscheidende Grundlage für das Monitoring dar.


Hintergrund Insektenmonitoring

Das BfN betreibt bereits ein Monitoring zu Vögeln, Arten und Lebensraumtypen der FFH-Richtlinie sowie zu Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert, den sogenannten HNV-Flächen. Ein bundesweites Monitoring von Ökosystemen wird zurzeit entwickelt und befindet sich in der Erprobung. Dabei arbeitet das BfN eng mit ehrenamtlich getragenen Fachverbänden und den Ländern zusammen und unterstützt entsprechende Forschungsarbeiten.
Das Insektenmonitoring bildet einen weiteren wichtigen Baustein auf dem Weg zu einem umfassenden bundesweiten Biodiversitätsmonitoring. Über die verschiedenen Monitoringprogramme hinweg ergeben sich daraus Synergien für eine vertiefte Auswertung und Ursachenanalyse. So können wichtige Erkenntnisse über Veränderungen der biologischen Vielfalt, deren Ursachen und über die Wirksamkeit von Schutzmaßnahmen erzielt werden.
Von den ca. 48.000 Tierarten in Deutschland zählen mehr als 33.000 Arten – rund 70 Prozent – zu den Insekten. Gerade ihre Artenvielfalt sowie die erheblichen jährlichen Bestandsschwankungen und die großen Herausforderungen bei der Erfassung vieler Gruppen erfordern einen wissenschaftlich tragfähigen Ansatz für den schrittweisen Aufbau eines Insektenmonitorings, das auf die wichtigsten Fragestellungen des Naturschutzes fokussiert ist. Insekten bilden die Grundlage eines komplexen Nahrungsnetzes und dienen beispielsweise Vögeln, Reptilien, Amphibien oder Säugetieren als wichtige Nahrungsquelle. Blütenbestäubende Insekten erhalten die Biodiversität und sichern wesentliche Anteile unserer Welternährung. Am und im Boden sind Insekten an der Zersetzung von Pflanzen und Aas beteiligt, wodurch sie den Nährstoffkreislauf und die Humusbildung fördern.

Das BfN wurde vor diesem Hintergrund im Rahmen eines Beschlusses der Umweltministerkonferenz mit der Erarbeitung eines einheitlichen Methodenleitfadens zum bundesweiten Insektenmonitoring beauftragt. Das geplante Insektenmonitoring soll auch das „Aktionsprogramm Insektenschutz“ der Bundesregierung unterstützen, mit dem die Bundesregierung die Lebensbedingungen für Insekten und die biologische Vielfalt in Deutschland verbessern will, um dem Insektensterben entgegenzuwirken.

Weitere Informationen: www.bfn.de/themen/insektenrueckgang.html


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Letzte Änderung: 06.12.2018

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