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Grünes Band, Biotopverbund

30 Jahre Grünes Band – Lücken im Verbund noch schließen

  • Gemeinsame Pressemitteilung des Bundesamtes für Naturschutz und des Bundes für Umwelt und Naturschutz e.V.
  • Fachtagung am Geburtsort der Idee des Grünen Bandes zieht Bilanz
Das Grüne Band, hier zwischen Thüringen-Hessen, ist in Agrarlandschaften oft die letzte verbliebene Biotopstruktur. (Foto: Klaus Leidorf)

Das Grüne Band, hier zwischen Thüringen-Hessen, ist in Agrarlandschaften oft die letzte verbliebene Biotopstruktur. (Foto: Klaus Leidorf)

Nürnberg/Bonn/Mitwitz, 03. April 2019: Das Grüne Band ist heute mit knapp 1400 km Länge der längste länderübergreifende Biotopverbund in Deutschland. Dennoch, auch dieser wertvolle Lebensraumkorridor entlang der einstigen innerdeutschen Grenze verzeichnet immer noch Lücken, die es zu schließen gilt. Zu solchen Herausforderungen sowie zu den erreichten Erfolgen tauschen sich die Hauptakteure am Grünen Band seit gestern, 2. April 2019, auf einer Fachtagung aus. Als Rückzugsgebiet für zahlreiche gefährdete Tiere und Pflanzen hat sich das Grüne Band zu einer wertvollen Schatzkammer der Artenvielfalt entwickelt.

 „Aktuell ist das Grüne Band auf 170 Kilometer Länge noch immer zerstört, insbesondere durch intensive landwirtschaftliche Nutzung. Das Schließen der Lücken ist die große Herausforderung, erschwert durch kleinräumige Besitzverhältnisse, Nutzungsdruck von benachbarten Flächen und den derzeitigen massiven Flächenhunger“, betont Prof. Dr. Kai Frobel, Initiator des Grünen Bandes und Artenschutzreferent des BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN). „Ein unvollständiger Biotopverbund ist wie eine Hängebrücke, bei der manche Bohle fehlt oder auch mal zwei oder drei hintereinander. Man geht da zwar drüber, aber eben nicht allzu gerne“.

„Trotz erzielter Erfolge dürfen die Bemühungen zum Schutz und zur Entwicklung des Grünen Bandes als übergreifender Lebensraumverbund nicht nachlassen. Weitere Lücken müssen geschlossen, Defizite bei der Pflege der Lebensräume angegangen und nicht naturschutzkonforme Nutzungen beendet werden“, so Dr. Uwe Riecken, Abteilungsleiter im Bundesamt für Naturschutz (BfN) und dort zuständig für das Nationale Naturerbe. „Dafür sind ein länderübergreifender Austausch und die Vernetzung untereinander von großer Bedeutung. Über die gerade stattfindende Fachtagung mit den bundesweiten Hauptakteuren zum Grünen Band hinaus unterstützt das Bundesamt für Naturschutz diese Aktivitäten mit erheblichen Finanzmitteln, z.B. in Form von Projekten wie dem ‚Lückenschluss Grünes Band‘ im Bundesprogramm Biologische Vielfalt oder als Naturschutzgroßvorhaben.“

Seitdem der Bund die bundeseigenen Flächen im Grünen Band als Nationales Naturerbe an die Länder und deren Naturschutzstiftungen übertragen hat, sind letztere für über die Hälfte der Fläche des Grünen Bandes verantwortlich. Auf diesen Flächen sollen ausschließlich Naturschutzziele verfolgt werden.

Auf Einladung des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) und des Bundesamtes für Naturschutz treffen sich vom 2. bis 4. April 2019 rund 40 Vertreterinnen und Vertreter von Behörden und Verbänden aus den Bundesländern am Grünen Band zur vom BfN geförderten Fachtagung „Management des Nationalen Naturerbes Grünes Band“ in der Ökologischen Bildungsstätte Oberfranken im oberfränkischen Mitwitz. Der unweit vom Grünen Band gelegene Ort gilt als Geburtsort der Grüne-Band-Idee: In der Umgebung wurden bereits seit Mitte der 1970er Jahre Kartierungen des damaligen Grenzbereichs von ehrenamtlichen Naturschützerinnen und Naturschützern durchgeführt, die den herausragenden ökologischen Wert dokumentierten. Auf deren Grundlage wurde am 9.12.1989 die erste gesamtdeutsche Naturschutzinitiative federführend vom BUND Naturschutz zusammen mit weiteren ost- und westdeutschen Naturschützerinnen und Naturschützern unter dem Namen „Grünes Band“ in Hof ins Leben gerufen. Heute hat das Grüne Band nicht nur in Europa, sondern auch darüber hinaus Vorbildfunktion für weitere noch zu schaffende Biotopverbundkorridore.

Hintergrund

Das Grüne Band gilt seit 30 Jahren als ein Symbol für die Überwindung von Grenzen und für die länderübergreifende Zusammenarbeit im Naturschutz. Als einzigartige Erinnerungslandschaft verbindet es Natur, Kultur und Geschichte entlang von 1.393 Kilometern mitten durch Deutschland. In Europa verbindet es auf einer Länge von über 12.500 Kilometern nahezu alle vorkommenden biogeographischen Regionen.

Der BUND kauft mit Hilfe von Spenden- und Fördermitteln seit dem Jahr 2000 Flächen im Grünen Band an. In neun Pilotregionen sind bereits über 1.000 Hektar langfristig gesichert und es werden erfolgreich Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen in Kooperation mit lokalen Akteuren und Landwirten durchgeführt.

Das BfN hat in den letzten 30 Jahren die Sicherung und Entwicklung des innerdeutschen Grünen Bandes durch eine Vielzahl von Projekten mit über 56 Millionen € unterstützt. Im Projekt „Lückenschluss Grünes Band“, das im Bundesprogramm Biologische Vielfalt vom BfN mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert wird, werden Lücken im Biotopverbund seit 2012 modellhaft geschlossen.

Im Herbst 2018 wurde das 763 Kilometer lange Grüne Band Thüringen als Nationales Naturmonument ausgewiesen. Die Entscheidung aus Thüringen war ein Meilenstein auf dem Weg zur Erhaltung des einmaligen Lebensraumverbundes und lebendigen Denkmals der jüngeren deutschen und europäischen Geschichte. Der Freistaat nimmt hiermit eine Vorreiterrolle bei der Weiterentwicklung des Grünen Bandes ein. In Sachsen-Anhalt soll die Ausweisung als Nationales Naturmonument noch diesen Herbst zum 30-jährigen Jubiläum des Mauerfalls erfolgen.



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Letzte Änderung: 19.09.2019

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