Bundesamt für Naturschutz

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Offshore-Windparks

Offshore-Windenergie in der AWZ - Ausbauziele und aktueller Stand

Für eine umweltschonende Energieversorgung plant die Bundesregierung den naturverträglichen Ausbau der Nutzung von Offshore-Windenergie bis 2020 mit 6,5 GW und 2030 mit 15 GW Leistung.

Mit Stand vom Mai 2018 sind in den deutschen Meeresbereichen von Nord- und Ostsee (Küstenmeer und AWZ) 18 Offshore-Windparks mit 1098 Turbinen und rund 5000 MW (5 GW) installierter Leistung am Netz. 6 weitere Projekte mit über 329 Windenergieanlagen und zusammen über 2 GW sind im Bau.

Darüber hinaus sind weitere 6 Windparks mit mehr als 270 Turbinen und fast 1,5 GW Leistung genehmigt. Zusätzlich sind zurzeit noch 4 Windparks beantragt, die zusammen über 1,1 GW Leistung bringen sollen. In der Summe sind damit 41 Offshore-Projekte mit einer installierten Gesamtleistung von mehr als 9,5 GW (vgl. Tab. Aktueller Stand des Ausbaus) in Betrieb, im Bau, genehmigt oder geplant.

Der aktuelle Verfahrensstand sowie die Übersichtskarten zu den geplanten und genehmigten Offshore-Windparks in der AWZ der Nord- und Ostsee (ohne Küstenmeer) sind auf der Internetseite des BSH abrufbar.


Darstellung der Anzahl Offshore-Windparks (geplant, im Bau, in Betrieb) sowie der Windkraftanlagen, in Ost- und Nordsee, in der AWZ und 12 Seemeilen-Zone. Schwerpunkt des Ausbaus ist in der AWZ der Nordsee (16 Windparks in Betrieb, weitere 5 im Bau).

Für den Bereich der AWZ ist das BSH die zuständige Genehmigungs- bzw. Planfeststellungsbehörde. Das BfN als die für diesen Meeresbereich zuständige Naturschutzbehörde nimmt im Rahmen der Zulassungsverfahren für Offshore-Windparks in der AWZ Stellung. Innerhalb der 12 sm-Zone, d. h. im Bereich der Küstengewässer, liegt die Zuständigkeit für die Zulassung von Anlagen bei den jeweiligen Landesbehörden.

Die Bundesregierung hat in ihrer Strategie zur Windenergienutzung auf See 2002 als einen der strategischen Eckpunkte festgelegt, dass diese Energieform umwelt- und naturverträglich gestaltet werden soll. U. a. dazu wurden potenzielle Eignungsgebiete für Windkraftanlagen in der AWZ von Nord- und Ostsee identifiziert.  Auch um angesichts der großen Zahl an Verfahren innerhalb der deutschen Meeresgebiete vorausschauende Planung zu betreiben und dabei bereits im Vorfeld mögliche Nutzungskonflikte zu entschärfen, hat der Gesetzgeber mit der Novellierung des Raumordnungsgesetzes (ROG) zum 20. Juli 2004 die Grundlage für eine Raumordnung in der AWZ geschaffen und in der Folge Vorranggebiete für Windenergie in der AWZ ausgewiesen.

Im Hinblick auf den künftigen Ausbau der Windkraftnutzung auf See enthält das am 01.01.2017 in Kraft getretene WindSeeG mit dem Flächenentwicklungsplan nunmehr das zentrale fachplanerische Steuerungsinstrument.

Der Flächenentwicklungsplan trifft fachplanerische Festlegungen für den Ausbau der Offshore-Windenergie ab 2026 bis mindestens 2030. Neben der Festlegung von Gebieten für den Ausbau wird im Flächenentwicklungsplan die zeitliche Reihenfolge, in der diese Flächen zur Ausschreibung kommen sollen, geregelt. Ein erster Plan muss bis zum 30.06.2019 durch das BSH bekannt gemacht werden. Das BfN ist als Träger öffentlicher Belange (TÖB) in die Beteiligung einbezogen.

Der Flächenentwicklungsplan führt die bisher über den Bundesfachplan Offshore etablierte räumlich systematische Planung fort. Zusätzlich fließt auch teilweise der Offshore-Netzentwicklungsplan (O-NEP) ein (s. auch Seite des BfN zu den Zulassungsverfahren). Projekte mit Inbetriebnahme vor 2020 sind nicht von den Maßgaben des WindSeeG umfasst.

Auswirkungen der Offshore-Windkraft

Durch den Bau und Betrieb von OWP sind über die unmittelbare Flächenbeanspruchung hinaus, die ggf. auch gesetzlich geschützte Biotope betrifft, weitere Auswirkungen zu beachten, die das marine Ökosystem z. T. erheblich beeinträchtigen können. Neben dem Verlust von Rast- und Nahrungshabitaten bestimmter Seevögel, der Kollisionsgefahr mit und Barrierewirkungen von Anlagen für den Vogelzug sind weitreichende Störungen mariner Säugetiere (bspw. des Schweinswals) durch Hydroschallemissionen, die bei der Installation der Gründungsstrukturen entstehen, möglich.

Einen Überblick über die besonders relevanten Auswirkungen aus Sicht des Naturschutzes gibt folgende Tabelle:


Dargestellt sind die wesentlichen Auswirkungen von Offshore- Windkraftanlagen aus Sicht des Naturschutzes. Unterschieden wird zwischen Bau- und Betriebsphase, Ursachen, den damit verbundenen Auswirkungen sowie Beeinträchtigungen.

Weitergehende Informationen zum Thema sind auf der Seite des BfN zum Meeresnaturschutz zusammengestellt.

Position des BfN

Ziel des BfN ist es, den Ausbau der Offshore-Windkraftnutzung möglichst naturverträglich zu gestalten. Um erhebliche Beeinträchtigungen der marinen Arten und Lebensräume sowie des Vogelzugs zu vermeiden, sind nach Ansicht des BfN zur Nutzung der Offshore-Windenergie geeignete Vermeidungs- und Verminderungsmaßnahmen beim Bau von Offshore-Windparks durchzuführen. Hierzu zählen unter anderem:

  • Wahl geeigneter Standorte für die Windenergieanlagen,
  • Wahl möglichst geräuscharmer Gründungsvarianten (z. B. Schwergewichts- oder Bucketfundamente) oder Einsatz schallminimierender Maßnahmen bei der Rammung von Fundamenten  (z. B. Blasenschleier), um die Lärmbelastung und dadurch auftretende Gehörschädigungen von marinen Säugetieren und Fischen zu vermeiden,
  • in besonders wichtigen Fortpflanzungsgebieten für Schweinswale Durchführung lärmintensiver Bauarbeiten außerhalb der sensiblen Paarungs- und Kalbungszeiten,
  • Festsetzung geeigneter Minderungs- oder Vermeidungsmaßnahmen, um bspw. Seevögel vor Kollisionen mit den Rotoren und den Anlagenmasten zu schützen (z. B. Wahl einer Anlagenbeleuchtung mit möglichst geringen Anlockeffekten bzw. Abschaltung der Anlagen bei besonders intensiven Vogelzugaufkommen)

Bewertungsgrundlagen des BfN

Positionspapier zur Bewertung des Seetaucherhabitatverlustes
Stern- und Prachttaucher zeigen nach derzeitigem Kenntnisstand aufgrund der von den Anlagen ausgehenden Scheuchwirkung ein starkes Meidungsverhalten gegenüber Offshore-Windparks. Eine störungsbedingte Vertreibung stellt einen direkten Verlust von Nahrungs- und Rasthabitaten dar. Daher wurde auf der Basis der aktuellen Erkenntnisse zu Seetaucherdichten ein sogenanntes „Hauptkonzentrationsgebiet von Seetauchern“ in der dt. AWZ der Nordsee identifiziert. Damit liegt ein qualitatives Kriterium bei der Bewertung der kumulativen Auswirkungen hinsichtlich des Habitatverlusts für Seetaucher vor.

Fachkonvention zur Bewertung der Erheblichkeit bei § 30-Biotopen in der AWZ
Die Methodik zur Bewertung der Erheblichkeit von Beeinträchtigungen gesetzlich geschützter Biotope in der AWZ lehnt sich eng an die inzwischen verwaltungsgerichtlich anerkannten BfN-Fachkonventionen von LAMBRECHT & TRAUTNER (2007) zur FFH-Verträglichkeitsprüfung an. Da es, anders als bei der für FFH-Gebieten entwickelten Fachkonvention, für den Biotopschutz gem. § 30 BNatSchG keinen „Schutzgebietsbestand“ gibt, ist das jeweils abgrenzbare betroffene Biotop (Vorkommen) der Bezugsgegenstand für die Bewertung. Eine Beeinträchtigung kann im Einzelfall als nicht erheblich eingestuft werden, wenn Kriterien zu verschiedenen qualitativ-funktionalen, quantitativ absoluten und relativen sowie kumulativen Aspekten erfüllt sind und alle Wirkfaktoren berücksichtigt werden.

Weitergehende Hinweise zur Definition und Abgrenzung der Biotope können auch den BfN-Kartieranleitungen und Hinweisen für § 30-Biotope in der deutschen AWZ (sowie dem Interpretation Manual der EU-Kommission (2007)) entnommen werden

Schallschutzkonzept für die deutsche Nordsee und Anwendungshinweise 
Rammungen von Fundamenten ohne aktiven Schallschutz sind unzulässig. Die Einhaltung der vom UBA empfohlenen und durch BSH verbindlich etablierten Lärmschutzwerte (160 dB (SEL5) und 190 dB (SPL) in 750 m Entfernung zur Schallquelle) ist jahreszeitenunabhängig zu gewährleisten, um zu verhindern, dass es zu einer Tötung oder Verletzung von marinen Säugetieren wie dem Schweinswal als einzige in deutschen Gewässern vorkommende Walart kommt. Des Weiteren enthält das Schallschutzkonzept Maßgaben für die Bewertung schallintensiver Rammarbeiten in bestimmten Bereichen zu besonders sensiblen Zeiten.

[Um Unsicherheiten bei der Anwendung des Schallschutzkonzeptes zu vermeiden, sind bei der Umsetzung folgende Hinweise anzuwenden. So wird eine einheitliche Operationalisierung der Leitlinien des Schallschutzkonzeptes (BMUB 2013) sichergestellt. 

Artenschutz

Zur Ermittlung der Auswirkungen des Gesamtvorhabens nach den Leitlinien zum Artenschutz werden die einzelnen Windenergieanlagen des Vorhabens nicht separat bewertet. Zur Vereinfachung des Berechnungsverfahrens wird stattdessen der Störmittelpunkt aus allen Standortkoordinaten der Windenergieanlagen des gesamten OWP und der Umspannplattform gebildet (Medianwert für d. Mittelpunkt). Der Störmittelpunkt dient als Ausgangspunkt für den Störradius und als Bezugsbasis für die Berechnung der durch störungsauslösenden Schall beeinträchtigten Fläche.

Bei zwei oder mehreren Schallquellen innerhalb eines OWP ist die kumulative Belastung zu berücksichtigen.

Hilfsweise ist zur vorläufigen Ermittlung des Störmittelpunktes die Berechnung über das Polygon der Windparkfläche (Medianwert für d. Mittelpunkt) durchführbar, wenn die Standorte der einzelnen Windenergieanlagen und der Umspannstation noch nicht festgelegt sind. In diesem Fall ist die Berechnung des Störmittelpunktes und der durch störungsauslösenden Schall beeinträchtigten Fläche auf Basis der konkreten Anlagenstandorte der WEA und der OSS unverzüglich nachzuholen, sobald die Festlegung erfolgt ist.

Gebietsschutz

Zur Vereinfachung des Bewertungsverfahrens werden bei der Anwendung der Leitlinien zum Gebietsschutz nur diejenige Windenergieanlagen in der (Teil)-Fläche eines Offshore-Windparks betrachtet, die sich in einem Abstand von weniger als 8 km zu Schutzgebiet befindet. Diese Teilfläche wird jeweils bestimmt, indem eine Pufferzone von 8 km um das Schutzgebiet angelegt wird.

Aus den Standortkoordinaten dieser Windenergieanlagen und ggf. der Umspannstation, die sich innerhalb der 8 km-Pufferzone befinden, ist für jedes Schutzgebiet ein spezifischer Störmittelpunkt (Medianwert für d. Mittelpunkt) zu bilden.

Dieser ist die Bezugsbasis für die Berechnung der vom störungsauslösenden Schall betroffenen Schutzgebietsanteile. Es kann somit auf eine Betrachtung jeder einzelnen Windenergieanlage verzichtet werden, da alle relevanten Windenergieanlagen in ihrer Gesamtheit repräsentativ bewertet werden.

Bei der Anwendung der Leitlinien zum Gebietsschutz ist der Anteil an dem von den Störradien erfassten Bereich für jedes Schutzgebiet separat zu berechnen.

Bei zwei oder mehreren Schallquellen innerhalb eines OWP ist die kumulative Belastung zu berücksichtigen.

Hilfsweise ist zur vorläufigen Ermittlung des spezifischen Störmittelpunkts (Medianwert für d. Mittelpunkt) die Berechnung über die Schnittmenge des Polygons der Windparkfläche und der 8 km-Pufferzone durchführbar, wenn die Standorte der einzelnen Windenergieanlagen und der Umspannstation noch nicht festgelegt sind. In diesem Fall ist die Berechnung des spezifischen Störmittelpunkts und der durch störungsauslösenden Schall beeinträchtigten Fläche auf Basis der konkreten Anlagenstandorte der WEA und ggf. der OSS unverzüglich nachzuholen, sobald eine Festlegung erfolgt ist.

Technische Umsetzung und Koordinatensystem

Die Ermittlung der relevanten Flächen erfolgt über ein Geografisches Informationssystem (GIS). Als Lagereferenzsystem ist das European Terrestrial Reference System 1989 in der Projektion Lambert_Azimuthal_Equal_Area (ETRS 1989 LAEA) zu verwenden.]

Letzte Änderung: 29.10.2018

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