Bundesamt für Naturschutz

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Das Naturschutzgebiet Pommersche Bucht – Rönnebank


Das 2.092 km² umfassende Naturschutzgebiet (NSG) Pommersche Bucht – Rönnebank liegt rund 20 km östlich der Insel Rügen. Es reicht von den Riffen des Adlergrunds und der Rönnebank im Norden und Nordwesten bis zur seewärtigen Grenze des deutschen Küstenmeeres und schließt dort die Oderbank als größte Sandbank der deutschen Ostsee mit ein. Der Nahrungsreichtum dieses großen Schutzgebiets und die Eisfreiheit auch in kalten Wintern zieht jedes Jahr bis zu einer halben Million Meeresenten an, die hier rasten und sich Fettreserven für die anstrengenden Zugzeiten anfressen. In einmaliger Weise lässt sich hier das Zusammenspiel im Nahrungsnetz der Ostsee erkennen. Das NSG sichert unzähligen bedrohten Arten, von den kleinsten Bodenlebewesen über Wanderfische bis zu gefährdeten Seevogelarten und Meeressäugetieren wichtige Nahrungs-, Rast-, Fortpflanzungs- und Aufzuchtgebiete.


Eisenten (hier ein Erpel im Prachtkleid, Clangula hyemalis) überwintern zu Zehntausenden in der Pommschern Bucht. Foto: Stefan Pfützke, green-lens.de
Eisente (Clangula hyemalis)
Trauerenten (Melanitta nigra) halten sich sowohl für die Überwinterung als auch zur sommerlichen Mauser in der Pommerschen Bucht auf. Foto: Stefan Pfützke, green-lens.de
Trauerente (Melanitta nigra)

Das NSG Pommersche Bucht – Rönnebank stellt ein Komplexgebiet dar, in dem verschiedene Schutzregime aneinander angrenzen oder sich räumlich überlagern. Es vereint damit die europäischen Natura 2000-Gebiete, die nach Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-RL) und Vogelschutzrichtlinie (VRL) geschützt werden. Die einzelnen Teile, die einem FFH- oder Vogelschutzgebiet entsprechen, werden in der Schutzgebietsverordnung des Komplexgebietes als Bereiche bezeichnet.

Das FFH-Teilgebiet Westliche Rönnebank wird als Bereich I, das FFH-Gebiet Adlergrund als Bereich II und das FFH-Gebiet Pommersche Bucht mit Oderbank als Bereich III benannt. Der Teil des Vogelschutzgebiets Pommersche Bucht entspricht dem Bereich IV. Es überlagert sich mit den Bereichen II und III.


Fakten zum
Naturschutzgebiet Pommersche Bucht – Rönnebank
2017 als NSG national unter Schutz gestelltes Natura 2000-Gebiet
Steckbriefe FFH-Gebiet Westliche Rönnebank
EU-Code: DE 1249-301
FFH-Gebiet Adlergrund
EU-Code: DE 1251-301
FFH-Gebiet Pommersche Bucht mit Oderbank
EU-Code: DE 1652-301
FFH-Gebiet SPA Pommersche Bucht
EU-Code: DE 1552-401
Lebensraumtypen Sandbänke ca. 567 km²
Riffe ca. 175 km²
Arten/Anzahl Schweinswal
(Phocoena phocoena)
Population der zentralen Ostsee
Überwinterungs- und Migrationshabitat (Gesamtpopulation zentrale Ostsee nur rund 500 Tiere)
Kegelrobben
(Halichoerus grypus)
Nutzung als Migrations- und Nahrungshabitat
Finte
(Alosa fallax)
nachgewiesen
Baltischer Stör
(Acipenser oxyrinchus)
nachgewiesen; Wiederansiedlung möglich. Siehe: Der Stör – ein bedrohter Wanderfisch
Eisenten
(Clangula hyemalis)
Im Winter: 100.000 (2013)
Stern- und Prachttaucher
(Gavia stellata, Gavia arctica)
Im Frühjahr: 3.000 (2013)

Aktuelle Zahlen und Trends finden sich in der interaktiven Kartenanwendung des BfN, sowohl zum Schweinswal als auch für die verschiedenen Seevogelarten.

 


Die Blocksteine am Adlergrund sind dicht mit Miesmuscheln bewachsen. Foto: Hübner, Krause (BfN)
Foto: Hübner, Krause (BfN)
Der dichte Bewuchs bietet vielen Krebs- und Fischarten Lebensraum und Nahrung. Foto: Markus Brand (BfN)
Foto: Markus Brand (BfN)

Heringe (Clupea harengus) ziehen zu Beginn des Frühjahrs durch das NSG in ihre Laichgebiete, z. B. in den Greifswalder Bodden aufgrund der dort vorkommenden Seegraswiesen. Foto: Sven Gust
Heringe (Clupea harengus)

 

Schutzziele und Schutzzweck

Die Schutz- und Erhaltungsziele für das NSG Pommersche Bucht - Rönnebank ergeben sich aus §3 der Schutzgebietsverordnung (NSGPBRV). Hierzu gehören die Erhaltung und Wiederherstellung:

  • der spezifischen ökologischen Funktionen des Gebietes und seiner biologischen Vielfalt sowie der natürlichen Hydrodynamik des Gebietes;
  • eines günstigen Erhaltungszustands der Lebensraumtypen „Sandbänke mit nur schwacher ständiger Überspülung durch Meerwasser“ Code 1110 und „Riffe“ Code 1170 mit ihren charakteristischen und gefährdeten Lebensgemeinschaften und Arten;
  • einer naturnahen Ausprägung mariner Makrophytenbestände (Algen und Tange);
  • der Vernetzung der benthischen Lebensgemeinschaften in der südlichen Ostsee;
  • der Naturnähe der durch frühere Sedimententnahmen überformten Gebiete;
  • eines günstigen Erhaltungszustands folgender FFH-Arten und ihrer Habitate: Schweinswal (u.a. durch ASCOBANS Recovery Plan of Harbour Porpoise in the Central Baltic) und Kegelrobbe;
  • eines günstigen Erhaltungszustands der FFH-Arten Finte und Baltischer Stör (hier insbesondere geeignetes Habitatmanagement für dessen Wiederansiedlung);
  • eines günstigen Erhaltungszustands der besonders schützenswerten Seevogelarten (Anhang I - Arten der VRL sowie weiterer Zugvogelarten) einschließlich ihrer Rast-, Überwinterungs-, Nahrungs- und Mausergebiete.

Bedeutende Nutzungen und deren Regelungen

In der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) der Ostsee gibt es derzeit keine Bereiche ohne menschliche Nutzung. Im NSG Pommersche Bucht – Rönnebank findet eine intensive Stellnetzfischerei statt, vor allem in den nördlichen Bereichen mit Schwerpunkt im Bereich des Adlergrunds. Der Beifang von Vögeln und Meeressäugetieren in Stellnetzen stellt ein gravierendes ökologisches Problem in diesem Gebiet dar.

Regelungen für die Berufsfischerei können jedoch ausschließlich im Rahmen der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) der Europäischen Union getroffen werden. Die Maßnahmenvorschläge für die Ostsee befinden sich derzeit in einem komplizierten nationalen und europäischen Abstimmungsprozess.

Im zentral-östlichen Teil der Pommerschen Bucht befindet sich eine mit den Schutzgebietsverordnungen umgesetzte Regulierungszone für die Freizeitfischerei. Das 1.395 km² große Areal ist ganzjährig für die Freizeitfischerei geschlossen, u. a. wegen der hier über das ganze Jahr hinweg rastenden und/oder mausernden Seevögel und des Vorkommens bedrohter Schweinswale.


Ein im Stellnetz gefangener Seehase (Cyclopterus lumpus). Foto: Uwe Lippek
Ein im Stellnetz gefangener Seehase (Cyclopterus lumpus)
Eine verendete Gryllteiste (Cepphus grylle) im eingeholten Stellnetz. Foto: Markus Veteema
Eine verendete Gryllteiste (Cepphus grylle) im eingeholten Stellnetz.

Seehase am Adlergrund