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Das FFH-Gebiet Adlergrund – Bereich II


Sägetang (Fucus serratus) bildet mitunter dichte Bestände auf den Blocksteinen des Adlergrunds. Foto: BfN
Sägetang (Fucus serratus)

Der 234 km² umfassende Bereich II entspricht dem FFH-Schutzgebiet Adlergrund. Es befindet sich im Seegebiet zwischen Rügen und Bornholm am östlichen Rand des Arkonabeckens. Es wird von mehreren Endmoränen gebildet und setzt sich aus einer großen Sandplatte mit zentral gelegenen, flachen, oft kiesbedeckten und blocksteinreichen Erhebungen aus Geschiebemergel zusammen. Diese Verzahnung der Lebensraumtypen Sandbank mit Riffen aus wallartigen Blocksteinen, Miesmuschelbänken auf großen Steinen und auf den Sandflächen sowie starken Makrophytenbeständen sind charakteristisch für dieses einzigartige Schutzgebiet in der Ostsee und sorgen für einen hohen Artenreichtum.


Die Anzahl von Rotalgen (Rhodophyceae) nimmt mit dem Salzgehalt von der Nordsee zur Ostsee ab: leben im Kattegat rund 125 Rotalgen-Arten, kommen um Bornholm nur noch etwa 25 Arten vor. Auch am Adlergrund sind Rotalgen auf den Blocksteinen zu finden. Foto: Markus Brand (BfN)
Rotalgen (Rhodophyceae)

Fakten zum Adlergrund (FFH-Gebiet) – Bereich II des Komplexgebietes
Steckbrief FFH-Gebiet FFH-Gebiet Adlergrund
EU-Code: DE 1251-301
Lebensraumtypen Sandbänke ca. 87 km²
Riffe ca. 65 km²
Arten/Anzahl Schweinswal
(Phocoena phocoena)          
> 10
Kegelrobbe
(Halichoerus grypus)
nachgewiesen

Artenreiche und sehr vielfältige Lebens-gemeinschaften

Miesmuscheln (Mytilus edulis) auf Blocksteinen in den Sandflächen. Foto: Hübner, Krause (BfN)
Miesmuscheln (Mytilus edulis) auf Blocksteinen
Ein Seehase (Cyclopterus lumpus) zwischen Meersaite (Chorda filum) und Rotalgen. Foto: Hübner, Krause (BfN)
Seehase (Cyclopterus lumpus) zwischen Meersaite (Chorda filum) und Rotalgen

In den flachen Bereichen bis etwa 10 m Wassertiefe besiedeln Großalgen wie Sägetang (Fucus serratus), Meersaite (Chorda filum) und Gabeltang (Furcellaria lumbricalis) die Riffe.

An den tiefer gelegenen Flanken (10 m bis 20 m Tiefe) dominiert die Miesmuschel (Mytilus edulis). Sie siedelt dort auf den Blocksteinen und kann ganze Miesmuschelbänke auf den Sandflächen bilden. Miesmuscheln sind wahre Wunderwerke der Natur. Über ihre feinen Kiemenblätter entnehmen sie dem Atemwasserstrom nicht nur den lebensnotwendigen Sauerstoff, sondern auch Planktonorganismen und Detritus zur Ernährung. Von einer 3 cm langen Miesmuschel wird pro Stunde etwa 1 Liter Wasser durch die Kiemen geleitet. Dabei werden die mitgeführten Partikel von kleinen Sperrwimpern zurückgehalten. Nahrungspartikel werden dem Mund zugeleitet und anorganische Schwebstoffe werden am hinteren, oberen Winkel der Einströmöffnung wieder ausgeschieden.

Auch die Bodentiergemeinschaften in den Arealen des Lebensraumtyps „Sandbänke“ werden von verschiedenen Muschelarten geprägt. Charakteristische Arten der sandigen Zone tiefer als 20 m sind zum Beispiel die Baltische Tellmuschel (Rote Bohne, Macoma balthica), die Sandklaffmuschel (Mya arenaria) und die Herzmuscheln (Cardiidae) sowie verschiedene seltene Asseln und Flohkrebs-Arten (Bathyporeia pilosa, Pontoporeia femorata, Saduria entomon).

Das Gebiet hat aufgrund seiner geringen Wassertiefen und der dadurch ganzjährig guten Sauerstoffversorgung eine wichtige Funktion als Ausgangspunkt für eine Wiederbesiedlung der tieferen Umgebung mit Benthosarten nach episodisch auftretenden Massensterben infolge von Sauerstoffmangelerscheinungen.


Miesmuschelgemeinschaften am Adlergrund mit Seepocken (Balanidae). Foto: Markus Brand (BfN)
Miesmuschelgemeinschaften mit Seepocken (Balanidae)
Miesmuschelgemeinschaften am Adlergrund mit einer Felsgarnele (Palaemon elegans). Foto: Hübner, Krause (BfN)
Felsgarnele (Palaemon elegans)
Die lebendgebärende Aalmutter (Zoarces viviparus) findet ideale Lebensbedingungen zwischen den bewachsenen Blocksteinen. Foto: Lisa Spotowitz (BfN)
Aalmutter (Zoarces viviparus)
Der in Europa als gefährdet eingestufte Steinbutt (Psetta maxima oder Scophthalmus maximus) kann bis zu 25 Jahre alt werden. Foto: Markus Brand (BfN)
Steinbutt (Psetta maxima oder Scophthalmus maximus)

Vielfalt im Nahrungsnetz

Eisenten (Clangula hyemalis) ernähren sich in den Wintermonaten vor allem von Muscheln. Foto: Sven-Erik Arndt
Eisenten (Clangula hyemalis)

Die individuenreiche Bodenfauna bietet Fischen eine reichhaltige Nahrungsgrundlage. Die Verzahnung der verschiedenen Lebensraumtypen bietet Rückzugs- und Versteckmöglichkeiten für viele verschiedene Fischarten. Diese artenreiche Fischfauna dient wiederum Schweinswalen, Seevögeln und Kegelrobben als Nahrungsgrundlage. Vor allem in den Wintermonaten ziehen die Meeressäugetiere und Rastvögel aus eisbedeckten Regionen der Ostsee hierher in die eisfreien und nahrungsreichen Gebiete am Adlergrund.

Die Muschelgemeinschaften der Riffe und Sandbänke bilden eine wichtige Nahrungsgrundlage für Meeresenten wie beispielsweise Eisenten. Aufgrund des geringen Salzgehaltes können die Muscheln auf dem Adlergrund nur sehr dünne Kalkschalen ausbilden und sind daher eine relativ komfortable und energiereiche Nahrung für Meeresenten.

Seehase am Adlergrund


 

Downloads zum FFH-Gebiet Adlergrund – Bereich II

Standard-Datenbogen
1251-301-Adlergrund-2015_06_11.pdf