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Kriterien und Kategorien der 3. Fassung der Roten Liste Biotoptypen Deutschlands (2017)


Binnendünenkomplex auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz
Binnendünenkomplex auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz

Das überarbeitete Kriteriensystem zur 3. Fassung der Roten Liste der gefährdeten Biotoptypen Deutschlands orientierte sich an folgenden Maßgaben:

Die neuen Kriterien und Kategorien sollen sich einerseits stark an die bisherigen anlehnen und somit auch Vergleiche zu den vorherigen Roten Listen (RIECKEN et al. 1994 und 2006) ermöglichen, sowie andererseits möglichst viele Aspekte aus der Konzeption der IUCN zu einer Roten Liste gefährdeter Ökosysteme (KEITH et al. 2013) und den Ansätzen, wie sie aktuell für die Roten Listen der Arten (LUDWIG et al. 2009) Verwendung finden, aufgreifen.



Zur Ermittlung der „nationale Langfrist-Gefährdung“ (nG) wird zunächst für jeden Biotoptyp der Flächenverlust (FL) als Maß der direkten Vernichtung basierend auf der Analyse der Entwicklung über die letzten 50 - 150 Jahre und zusätzlich der Qualitätsverlust (QU) als Maß einer allmählichen Degradierung für den gleichen Bezugszeitraum beurteilt. Beide Kriterien werden dann für jede der acht unterschiedenen Großregionen zu einer regionalen Gefährdung (rG) aggregiert. Diese hat jeweils den gleichen Wert wie die höchste Einstufung eines der Einzelkriterien. Der Mittelwert der regionalen Gefährdungen ergibt dann schließlich die „nationale Langfrist-Gefährdung“ (nG).

In einem weiteren Schritt wird die „nationale Langfrist-Gefährdung“ (nG) mit der „aktuellen Entwicklungstendenz“ (TE) und der „Seltenheit“ (SE) in einer Bewertungsmatrix zu einem einheitlichen Wert, dem „Rote Liste-Status“ (RLD) (in Anlehnung an LUDWIG et al. 2009), zusammengeführt.

Schematischer Ablauf der Ermittlung des "Rote Liste-Status" (RLD) aus Finck et al. 2017
Schematischer Ablauf der Ermittlung des "Rote Liste-Status" (RLD)

Die „aktuelle Entwicklungstendenz“ beurteilt in diesem Verfahren die Gefährdung eines Biotoptyps basierend auf der Entwicklung etwa der letzten 10 Jahre und stellt eine Prognose für die nähere Zukunft (max. 10 Jahre) auf. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die künftige Entwicklung bei sich oft kurzfristig verändernden Rahmenbedingungen (z. B. Novellierungen der EU-Agrarförderung) oder aber auf Grund längerfristig wirksamer Entwicklungen (z. B. Klimawandel), deren Auswirkungen erst ungenügend bekannt sind, durchaus negativer verlaufen kann als hier prognostiziert. Umgekehrt ist es auch möglich, dass in bestimmten Bereichen Naturschutzbemühungen und -regelungen (FFH -Richtlinie, Wasserrahmenrichtlinie) zu einer günstigeren Entwicklung führen können.

In der Fassung der Roten Liste gefährdeter Biotoptypen von 2006 (RIECKEN et al. 2006), entsprach die Rote Liste-Einstufung für Deutschland der „nationalen Langfrist-Gefährdung“, die Entwicklungstendenz wurde als Zusatzinformation und die „Seltenheit“ als Rote Liste-Kategorie „R“ angegeben.


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Kriterien und Kategorien

Gefährdung durch Flächenverlust (FL)

0 vollständig vernichtet
1 von vollständiger Vernichtung bedroht
2 stark gefährdet
3 gefährdet
V Vorwarnliste
* derzeit keine Gefährdung erkennbar
? Daten defizitär/Einstufung nicht möglich


Gefährdung durch qualitative Veränderungen (QU)

0 vernichtet
1 von vollständiger Vernichtung bedroht
2 stark gefährdet
3 gefährdet
* derzeit keine Gefährdung erkennbar
? Daten defizitär/Einstufung nicht möglich


Regionale (rG) und nationale Langfrist-Gefährdung (nG)

 0 vollständig vernichtet
 1 von vollständiger Vernichtung bedroht
 2 stark gefährdet
 3 gefährdet
 V Vorwarnliste
 * derzeit keine Gefährdung erkennbar
 # Gefährdungseinstufung nicht sinnvoll
 ? Daten defizitär/Einstufung nicht möglich


Aktuelle Entwicklungstendenz (TE)

- Bestandsentwicklung negativ
+/- Bestandsentwicklung weitgehend stabil
+ Bestandsentwicklung positiv
? Entwicklungstendenz unbekannt/nicht abschätzbar
# Einstufung nicht sinnvoll


Seltenheit (SE)

Es erfolgt eine Einstufung in die Kategorien "sehr selten" und "nicht sehr selten".


Rote Liste-Status (RLD)

  •  0    vollständig vernichtet
     1!   akut von vollständiger Vernichtung bedroht
     1    von vollständiger Vernichtung bedroht
     1-2 stark gefährdet bis von vollständiger Vernichtung bedroht
     2    stark gefährdet
     2-3 gefährdet bis stark gefährdet
     3    gefährdet
     3-V akute Vorwarnliste
     V    Vorwarnliste
     *    aktuell kein Verlustrisiko


Ergänzend zu der Gefährdungsbeurteilung und der Prognose der aktuellen Tendenz wird für jeden Biotoptyp die Regenerationsfähigkeit bzw.Regenerierbarkeit (RE) abgeschätzt. Durch die Regenerationsfähigkeit wird ein bedeutender Teilaspekt der "Empfindlichkeit" von Biotopen abgebildet, um damit eine Schutzpriorität bei gleicher Gefährdungseinstufung begründen zu können. Darüber hinaus sind diese Angaben für die Abschätzung der Ausgleichbarkeit von Eingriffen in Natur und Landschaft geeignet.

Einstufung der Regenerierbarkeit (RE)

N      nicht regenerierbar 
K      kaum regenerierbar (> 150 Jahre) 
S      schwer regenerierbar (ca. 15-150 Jahre) 
B      bedingt regenerierbar (bis 15 Jahre) 
X      keine Einstufung sinnvoll


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Letzte Änderung: 31.05.2017

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