Bundesamt für Naturschutz

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Nationalparke

Nationalparke repräsentieren in Deutschland ein nationales Naturerbe. Sie sind gemäß § 24 Abs. 1 BNatSchG "einheitlich zu schützende Gebiete, die

  1. großräumig, weitgehend unzerschnitten und von besonderer Eigenart sind,
  2. in einem überwiegenden Teil ihres Gebiets die Voraussetzungen eines Naturschutzgebiets erfüllen und
  3. sich in einem überwiegenden Teil ihres Gebiets in einem vom Menschen nicht oder wenig beeinflussten Zustand befinden oder geeignet sind, sich in einen Zustand zu entwickeln oder in einen Zustand entwickelt zu werden, der einen möglichst ungestörten Ablauf der Naturvorgänge in ihrer natürlichen Dynamik gewährleistet."

Soweit es der Schutzzweck erlaubt, sollen Nationalparke auch der wissenschaftlichen Umweltbeobachtung, der naturkundlichen Bildung und dem Naturerlebnis der Bevölkerung dienen. Wirtschaftliche Nutzungen der natürlichen Ressourcen durch Land-, Forst-, Wasserwirtschaft, Jagd oder Fischerei sind folglich weitgehend auszuschließen bzw. nur unter strikten Vorgaben der Naturschutzbehörden möglich. Nationalparkregionen stehen bei den Deutschen hoch im Kurs und tragen nachweislich zum Tourismusaufkommen bei. Die Mehrzahl von Befragten akzeptiert dabei Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit in sensiblen Gebieten.


Nationalparke in Deutschland

Quelle: Bundesamt für Naturschutz (BfN), 2015 nach Angaben der Länder, Geobasisdaten: © GeoBasis-DE/BKG 2015
Karte Nationalparke in Deutschland

Die Ausweisung von Nationalparken erfolgt durch die Bundesländer im Benehmen mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit und dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (§ 22 Abs. 5 BNatSchG).

Derzeit gibt es in Deutschland 16 Nationalparke mit einer Gesamtfläche von 1.047.859 ha. Bezogen auf die terrestrische Fläche Deutschlands, bei der die marinen Gebiete unberücksichtigt bleiben, beträgt die Gesamtfläche der Nationalparke 214.588 ha, dies entspricht einem Flächenanteil von 0,60 % des Bundesgebietes.

Nationalparke in Deutschland (Stand: Juli 2016)
Nationalpark
Gründungs- jahr
Gesamtfläche [ha]
vorrangig geschützte Lebensräume
Bayerischer Wald (BY) 1970 24.217 Buchen-Bergmischwälder mit Tanne, Hochlagen-Fichtenwälder, Moore, Bergbäche, Blockhalden
Berchtesgaden (BY) 1978 20.804 Alpine Felsschuttfluren, Rasengesellschaften und Latschen-Gebüsche, subalpine, montane und submontane Wälder, Almweiden, Seen
Schleswig- Holsteinisches Wattenmeer (SH) 1985 441.500
davon ca. 97,7% Wasserfläche*
Wattenmeerökosysteme, Salzwiesen des Vorlandes, Sandbänke und Dünen
Niedersächsisches Wattenmeer (NI) 1986 345.000
davon ca. 93% Wasserfläche*
Wattenmeerökosysteme, Salzwiesen und Dünen der Ostfriesischen Inseln
Hamburgisches Wattenmeer (HH) 1990 13.750
davon ca. 97,1% Wasserfläche*
Wattenmeer im Mündungsgebiet der Elbe mit starkem Gezeiten- und Brackwassereinfluss
Jasmund (MV) 1990 3.070
davon ca. 22% Wasserfläche
Buchenwälder auf Kreidestandorten, Moore, Kreidesteilküste, küstennahe Ostsee
Harz (ST/NI) 1990/1994 24.732 Hochlagen-Fichtenwälder, Buchenwälder, Moore, Bergwiesen, Blockhalden und Felsformationen, Fließgewässer
Sächsische Schweiz (SN) 1990 9.350 Sandsteinfelsen, submontane wärme- und trockenheitsliebende Wälder, Schlucht- und Schatthangwälder
Müritz- Nationalpark (MV) 1990 32.200 Kiefern- und Buchenwälder, Erlen- und Birkenbruch, Seen, Röhrichte, Moore
Vorpommersche Boddenlandschaft (MV) 1990 78.600
davon ca. 83% Wasserfläche*
Boddengewässer, Salzwiesen, Dünen und Röhrichte, Kiefern- und Buchenwälder, Trockenrasen
Unteres Odertal (BB) 1995 10.323 Flussauenlandschaft, Altarme und -wasser, Ried- und Röhrichtbestände, Feuchtgrünland, Hangwälder, Steppenrasen
Hainich (TH) 1997 7.513 Laubmisch- und Buchenwälder mittlerer und reicherer Standorte in unterschiedlichen Sukzessionsstadien
Eifel (NW) 2004 10.770 Atlantisch geprägte, bodensaure Buchenmischwälder (kollin bis submontan), Magerweiden, Felsen, Urft-Stausee
Kellerwald-Edersee (HE) 2004 5.738 Submontane, bodensaure Buchenwälder, felsig-trockene Steilhänge, Waldwiesen
Schwarzwald (BW) 2014 10.062 montane fichtenreiche Buchen-Tannen-Mischwälder, Hochheiden
Hunsrück-Hochwald (RP/SL) 2015 10.230 bodensaure Buchen- und Eichenwälder, Fichtenforste, Blockschutthalden und Hangmoore

*) betrifft nur den Wasseranteil, der nicht zur statistisch erfassten Landfläche gehört


Die meisten der bestehenden deutschen Nationalparke sind derzeit noch "Entwicklungs-Nationalparke", d.h. sie erfüllen erst in Teilen die Kriterien für eine großflächige, ungestörte Naturentwicklung. Durch weitere geeignete, in Managementplänen festgelegte Steuerungsmaßnahmen sollen innerhalb von 20 bis 30 Jahren nach Ausweisung der Parke die Voraussetzungen geschaffen werden, damit künftig in einem überwiegenden Flächenanteil der Gebiete den natürlichen und dynamischen Abläufen in der Natur Vorrang eingeräumt werden kann.

Zonierung der deutschen Nationalparke (Stand: August 2016)
Nationalpark Größe (ha) Naturdynamikzone (in %) Entwicklungszone (in %) Pflegezone (in %)
Hainich 7.513 94 - 6
Hamburgisches Wattenmeer 13.750 91,5 8,5*
Kellerwald-Edersee 5.738 91 6 3
Jasmund 3.070 87 12,5 0,5
Niedersächsisches Wattenmeer 345.000 68,5 31*
Berchtesgaden 20.804 67 10 23
Bayerischer Wald 24.217 66 10 24
Müritz 32.200 61 36 3
Harz 24.732 60 39 1
Eifel 10.770 57 25 18
Sächsische Schweiz 9.350 53 41 5
Vorpommersche Boddenlandschaft 78.600 38 62*
Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer 441.500 36 64*
Schwarzwald 10.062 33 43 24
Unteres Odertal 10.323 31 19 50
Hunsrück-Hochwald 10.230 24 52 24

*In den Wattenmeer-Nationalparken sowie im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft sind die Entwicklungs- und Pflegezone in einer Zone zusammengeführt.

Drei Nationalparke verfügen auch noch über eine sehr kleinflächige sog. Erholungszone mit folgendem Umfang: Bayerischer Wald = 2 %, Niedersächsisches Wattenmeer = 0,5 %, Jasmund = 0,3 %


Durch die Novellierung des BNatSchG Anfang 2002 wurde die Ausweisung von sogenannten "Entwicklungs-Nationalparken" gesetzlich abgesichert. Dadurch wird die Ausweisung neuer Nationalparke in Deutschland erleichtert.

Nach den internationalen Management-Kategorien der IUCN ist ein Nationalpark ein Schutzgebiet, das hauptsächlich zur Sicherung großflächiger natürlicher und naturnaher Gebiete und großräumiger ökologischer Prozesse etabliert wird (Kategorie II). Es soll die ökologische Unversehrtheit eines oder mehrerer Ökosysteme sichern, diesem Ziel abträgliche Nutzungen ausschließen und Naturerfahrungs-, Forschungs-, Bildungs- und Erholungsangebote fördern.

Um die internationalen Richtlinien der IUCN zu erfüllen, müssen mindestens drei Viertel der Fläche eines Schutzgebietes seinem Hauptziel entsprechend verwaltet werden. Das bedeutet nach EUROPARC und IUCN für Nationalparke, dass sie auf 75% ihrer Fläche einem weitgehend naturnahen Zustand entsprechen müssen und keiner dem Schutzzweck entgegenstehenden Nutzung unterliegen dürfen. Das Gebiet muss außerdem großflächig genug sein, um eines oder mehrere vollständige Ökosysteme zu umfassen. Für Nationalparke in Deutschland wird eine Mindestgröße von 10.000 ha empfohlen.

Im Januar 2014 wurde der Nationalpark Schwarzwald (BW) ausgewiesen. Er besteht aus den zwei Teilgebieten Ruhestein (7.615 ha) und Hoher Ochsenkopf (2.447 ha). Geprägt wird der Park durch montane fichtenreiche Buchen-Tannen-Mischwälder.

Im März 2015 wurde der Bundesländer übergreifende Nationalpark Hunsrück-Hochwald (RP/SL) neu ausgewiesen. Damit konnten Lücken im Südwesten des bundesweiten Großschutzgebietssystems geschlossen werden.

Die Zonierung in den verschiedenen Nationalparken variiert sowohl in ihrer Bezeichnung als auch in der Anzahl; sie wurde hier vereinheitlicht. Nutzungen und Beeinträchtigungen durch Küstenschutz, Fischerei, Forstwirtschaft, Jagd, Freizeitnutzung sowie z. T. Verkehr und Landwirtschaft erschweren es in einem so dicht besiedelten Land wie der Bundesrepublik Deutschland, die weltweit geltenden Standards einzuhalten und somit die definierten Ziele zu erreichen.

In Deutschland gibt es noch weitere Gebiete, die sich als Nationalpark eignen, z.B. mit Blick auf Deutschlands Verantwortung für den Schutz von Buchenwaldökosystemen. Durch die zukünftige Nutzungsaufgabe von großflächigen militärischen Übungsplätzen eröffnen sich hier zusätzliche Möglichkeiten.

Literatur

Europarc-Deutschland (2008): Qualitätskriterien und -standards für deutsche Nationalparke. - 92 S.

Europarc-Deutschland (2011): Nationalparks in Deutschland - Wild und schön. -72 S. (auch in Englisch verfügbar)

Europarc-Deutschland (2013): Managementqualität deutscher Nationalparks. - 86 S.

National Geographic Traveller (2013): Deutsche Nationalparks. 272 S.
ISBN 978-3955590024.

Scherfose, V. (Bearb., 2009): Nationalparkarbeit in Deutschland - Beispiele aus Monitoring, Gebietsmanagement und Umweltbildung. - Schr.-R. Naturschutz und Biol. Vielfalt Heft 72, 208 Seiten.
ISBN 978-3-7843-3972-6.

Zeitschrift "Nationalpark" - erscheint 4 x jährlich. ISSN 0342 - 9806

Veröffentlichungen

Informationsflyer der Veröffentlichung

Scherfose, V. (Hrsg.) (2014): Nationalparkmanagement in Deutschland,
Schr.-R.  Naturschutz und Biologische Vielfalt, Heft 136, 261 Seiten, 24 €, ISBN 978-3-7843-4036-4

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Titelblatt der Broschüre

EUROPARC Deutschland e.V. (Hrsg.) (2012): Evaluation of German National Parks
 Download Broschüre, pdf-Datei

Letzte Änderung: 10.08.2016

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