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Naturparke

Naturparke (NRP) sind gemäß § 27 Abs. 1 BNatSchG "einheitlich zu entwickelnde und zu pflegende Gebiete, die

  1. großräumig sind,
  2. überwiegend Landschaftsschutzgebiete oder Naturschutzgebiete sind,
  3. sich wegen ihrer landschaftlichen Voraussetzungen für die Erholung besonders eignen und in denen ein nachhaltiger Tourismus angestrebt wird,
  4. nach den Erfordernissen der Raumordnung für die Erholung vorgesehen sind,
  5. der Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung einer durch vielfältige Nutzung geprägten Landschaft und ihrer Arten- und Biotopvielfalt dienen und in denen zu diesem Zweck eine dauerhaft umweltgerechte Landnutzung angestrebt wird,
  6. besonders dazu geeignet sind, eine nachhaltige Regionalentwicklung zu fördern."

Naturparke dienen sowohl dem Schutz und Erhalt der Kulturlandschaften mit ihrer Biotop- und Artenvielfalt - dies wird v.a. über Landschaftsschutzgebiete und Naturschutzgebiete gewährleistet - als auch der Erholung, dem natur- und umweltverträglichen Tourismus und einer dauerhaft natur- und umweltverträglichen Landnutzung.


Naturparke in Deutschland

Karte Naturparke

In Deutschland gibt es gemäß den Ländermeldungen derzeit 104 Naturparke. Darüber hinaus befindet sich der Naturpark Muldenland (Sachsen) in Gründung. Mit einer Gesamtfläche von über 9,5 Mio. ha decken die Naturparke etwa 27 % der Landesfläche Deutschlands ab.

Der Flächenanteil an Naturparken hat von 1998 bis Ende 2011 um ein Drittel (dies entspricht ca. 2,4 Mio. ha) zugenommen. Innerhalb der Naturparke liegt der Flächenanteil der Schutzgebiete bei ca. 56 %. Der Naturschutzgebiets-Flächenanteil in den Naturparken beträgt deutschlandweit knapp 5 %, wobei bundesweit Unterschiede bestehen.

 Karte Naturparke in Deutschland, pdf-Datei

 Tabelle Naturparke in Deutschland, pdf-Datei


Usedom

Nach wie vor besteht eine große Heterogenität unter den deutschen Naturparken: Das gesetzlich vorgegebene Ziel der Pflege und Entwicklung wird in den einzelnen Naturparken und Bundesländern sehr unterschiedlich verfolgt. Ursachen hierfür liegen u.a. in den von Trägern und Ländern geschaffenen strukturellen Rahmenbedingungen, an je nach Land unterschiedlichen Gesetzesvorgaben und Schwerpunktsetzungen in den Naturpark-Konzepten und Naturparksatzungen oder auch an den unterschiedlichen Ausrichtungen der Naturpark-Trägerorganisationen. Teilweise sind die Naturparkverwaltungen Bestandteil der Landesumweltverwaltung, teilweise haben Vereine und Zweckverbände die Naturparkträgerschaft übernommen. In einigen Bundesländern ist die Erstellung von Naturparkplänen vorgeschrieben. Eine ausreichende finanzielle und personelle Ausstattung möglichst eigenständiger Verwaltungen sollte ebenso gewährleistet werden wie die Erstellung regelmäßig fortzuschreibender Naturparkpläne (vgl. FORST & SCHERFOSE 2010 a). Für die Aufstellung und Fortschreibung von Naturparkplänen wurde über ein Forschungs- und Entwicklungsvorhaben "Optimierte Umsetzung von Naturparkplänen", das vom Bundesamt für Naturschutz initiiert und mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gefördert wurde, ein Leitfaden für die Praxis (vgl. VDN 2008) erstellt.


Steinhuder Meer

Aufgrund ihrer Zielsetzung, den Schutz und die Nutzung der Kulturlandschaften miteinander zu verbinden, sollen Naturparke verstärkt Funktionen im Rahmen einer integrierten nachhaltigen Entwicklung von Regionen wahrnehmen. Die  "Europäische Charta für nachhaltigen Tourismus in Schutzgebieten" bietet Orientierungsgrundlagen für die zukünftigen Entwicklungsmöglichkeiten der Naturparke im Hinblick auf die Naturerlebnis- und Erholungsfunktion und die nachhaltige Regionalentwicklung. Durch die genannten Maßnahmen werden die Naturparke ihren Zielen und Aufgaben, insbesondere dem Leitbild "Entwicklung zu großräumigen Vorbildlandschaften", in vollem Umfang gerecht werden können (vgl. VDN 2009).

Vor diesem Hintergrund startete der Verband Deutscher Naturparke e.V. (VDN) in Kooperation mit EUROPARC Deutschland e.V. im Sommer 2005 die "Qualitätsoffensive Naturparke". Im Rahmen eines vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit geförderten Forschungs- und Entwicklungsvorhabens wurde ein  bundesweit einheitlicher Kriterienkatalog zur Evaluierung der deutschen Naturparke erarbeitet. Zentrales Ziel der Qualitätsoffensive, welche auch einen herausragenden Bestandteil bei den zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen anlässlich des Jahres der Naturparke 2006 (50 Jahre Naturparke in Deutschland) darstellte, ist dabei eine kontinuierliche Verbesserung der Arbeit der Naturparke. Bis Mai 2010 haben sich bereits 65 Naturparke an der Qualitätsoffensive Naturparke beteiligt (FORST 2010, VDN 2010 b). Best practice-Beispiele aus der deutschen Naturparkearbeit finden sich in der neben stehenden Neuerscheinung (FORST & SCHERFOSE 2010).



FORST, R. (2010): Die Qualitätsoffensive in den Nationalen Naturlandschaften. Naturparks - die Qualitätsoffensive wird fortgesetzt. - In: EUROPARC Deutschland e.V. (Hrsg.). - Fortschrittsbericht 2009/2010 Nationale Naturlandschaften. - Berlin: 45-48.

FORST, R. & SCHERFOSE, V. (2010 a): Entwicklungen und Perspektiven deutscher Naturparke. - Naturschutz und Biologische Vielfalt 104: 189-195.

VDN - VERBAND DEUTSCHER NATURPARKE E.V. (Hrsg.) (2008): Optimierte Umsetzung von Naturparkplänen - Ein Leitfaden für die Praxis. - Bonn (VDN), 31 S.

VDN - VERBAND DEUTSCHER NATURPARKE E.V. (Hrsg.) (2009): Naturparke in Deutschland - Aufgaben und Ziele. - Bonn (VDN), 32 S.

VDN - VERBAND DEUTSCHER NATURPARKE E.V. (Hrsg.) (2010 a): Naturparke in Deutschland - Starke Partner für biologische Vielfalt - Bonn (VDN), 51 S.

VDN - VERBAND DEUTSCHER NATURPARKE E.V. (Hrsg.) (2010 b): Qualitätsoffensive Naturparke. - Bonn (VDN), 96 S.

Veröffentlichungen

Titelblatt der Broschüre

FORST, R. und SCHERFOSE, V. (Bearb.) (2010): Naturschutzmaßnahmen und -aktivitäten in den deutschen Naturparken,

Schr.R. Naturschutz und Biologische Vielfalt, Heft 104, 195 Seiten, 18 €, ISBN 978-3-7843-4004-3

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Letzte Änderung: 25.07.2012

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