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Naturschutzgebiete

Gemäß § 23 Absatz 1 BNatSchG sind Naturschutzgebiete (NSG) "rechtsverbindlich festgesetzte Gebiete, in denen ein besonderer Schutz von Natur und Landschaft in ihrer Ganzheit oder in einzelnen Teilen

  1. zur Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung von Biotopen oder Lebensgemeinschaften bestimmter wild lebender Tier- und Pflanzenarten,
  2. aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen oder
  3. wegen ihrer Seltenheit, besonderen Eigenart oder hervorragenden Schönheit erforderlich ist."

Ihre Ausweisung erfolgt in der Regel durch die Höheren Naturschutzbehörden bei den Regierungspräsidien, gelegentlich auch durch die Obersten und Unteren Naturschutzbehörden der Länder per Erlass oder Rechtsverordnung. Aus raumordnerischer Sicht kommt dem Naturschutz in diesen Gebieten eine Vorrangfunktion zu. Sie bilden neben den Nationalparken bedeutsame Flächen zur Erhaltung der Biodiversität in Deutschland.

Naturschutzgebiete in Deutschland und den Bundesländern

Mit Stand 12/2008 verfügt Deutschland über 8413 Naturschutzgebiete. Die Naturschutzgebietsfläche in Deutschland beträgt 1.271.582 ha. Dies entspricht 3,6 % der Gesamtfläche. Überdurchschnittliche Flächenanteile von Naturschutzgebieten weisen die Stadtstaaten Hamburg (8,1 %) und Bremen (4,7 %) sowie die Länder Brandenburg (7,1 %) und Nordrhein-Westfalen (7,4 %) auf. Unterdurchschnittlich sind die NSG-Anteile in den Bundesländern Hessen, Rheinland-Pfalz, Bayern, Berlin, Baden-Württemberg, Thüringen und Sachsen. Auch innerhalb der einzelnen Bundesländer bestehen z.T. große Unterschiede.

Säulendiagramm, Datentabelle siehe Link

Abb. 1: Flächenanteil der Naturschutzgebiete in den Bundesländern und in Deutschland, Stand 31.12.2008

 Datentabelle zur Abbildung
1) Das NSG "Nationalpark Unteres Odertal" (10.635 ha) ist mit berücksichtigt, da die betreffende Verordnung nach wie vor Bestand hat.
2) Reale Landesfläche (incl. Hoheitsgewässer) MV: 3.099.400 ha; Flächenanteil der NSG´s MV dann 2,7%.
3) Die Gesamtfläche der NSG´e in Niedersachsen beträgt 250.588 ha; darin enthalten sind die NSG´e "Roter Sand" und "Küstenmeer vor den ostfriesischen Inseln", die innerhalb der 12 Seemeilen-Zone außerhalb der statistisch erfassten Landesfläche liegen.
4) Die Gesamtfläche der NSG´e in Schleswig-Holstein beträgt 206.036 ha; darin enthalten sind 160.142 ha Watt- und Wasserflächen, die statistisch nicht zur Landesfläche gehören; zudem sind 151.653 ha Watt- und Wasserflächen gleichzeitig Bestandteil des Nationalparks "Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer".

Die zwei NSG´e "Östliche Deutsche Bucht" sowie "Pommersche Bucht" der AWZ (Ausschließliche Wirtschaftszone) mit insgesamt 514.402 ha sind in dieser Übersicht nicht enthalten.

Flächengröße der Naturschutzgebiete

Die durchschnittliche Größe eines Naturschutzgebietes liegt bei 151,1 ha (Datenbasis: Flächen der Naturschutzgebiete ohne die Wasser- und Wattflächen der Nord- und Ostsee). Ca. 60 % aller Naturschutzgebiete sind kleiner als 50 ha, sie sind damit oft nicht ausreichend gegen negative Außenfaktoren wie Entwässerung und Eutrophierung abgepuffert. Nur ca. 14,3  % umfassen eine Fläche von 200 ha oder mehr. Großflächige Naturschutzgebiete weisen besonders die Bundesländer Brandenburg, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Sachsen-Anhalt auf. In den Ländern Saarland, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Berlin und Baden-Württemberg liegen die durchschnittlichen NSG-Größen hingegen deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt. Insgesamt weisen 199 Gebiete eine Fläche von 1.000 ha und mehr auf.

Säulendiagramm, Datentabelle siehe Link

Abb. 2: Durchschnittliche Flächengröße der Naturschutzgebiete in den Bundesländern und in Deutschland, Stand 31.12.2008
 Datentabelle zur Abbildung
*) bei Hinzurechnung der Schleswig-Holsteinischen Watt- und Wasserflächen: SH 1.084 ha, D 170,2 ha

In welchem Maße ein Naturschutzgebiet seine Schutzfunktion erfüllen kann, hängt nicht zuletzt von seiner Flächengröße ab. Kleine Naturschutzgebiete werden aufgrund ihrer Insellage und wegen der im Verhältnis zu ihrer Fläche langen Grenze stärker von ihrer Umgebung beeinflusst als große Naturschutzgebiete und zeichnen sich daher oft durch einen schlechteren Erhaltungszustand aus. Im Hügel- und Bergland ist die Ausweisung von Naturschutzgebieten differenzierter und kleinflächiger, während im norddeutschen Tiefland offensichtlich großflächiger ausgewiesen wird.

Die größten Naturschutzgebiete Deutschlands sind nachfolgend aufgeführt:


Naturschutzgebiete Deutschlands > 5.000 ha (Stand: 2008)
Naturschutzgebiet Land Größe [ha] prägende Biotoptypen (Bemerkungen)
Nordfriesisches Wattenmeer SH 136.570 Wattenmeer-Biotoptypen (NSG ist gleichzeitig Teil des Nationalparks)
Ammergebirge BY 28.861 Montane Mischwälder bis (sub)alpine Biotoptypen
Lüneburger Heide NI 23.437 Buchen- und Eichenmischwälder, Heiden, Kiefernforste
Allgäuer Hochalpen BY 20.798 (sub)alpine Biotoptypen
Wattenmeer nördlich Hindenburgdamm SH 20.188 Wattenmeer-Biotoptypen (NSG ist gleichzeitig Teil des Nationalparks)
Karwendel und Karwendelvorgebirge BY 19.348 (sub)alpine Biotoptypen
Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft SN 13.000 Kiefernforste, Teiche (NSG ist gleichzeitig Teil des BR Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft)
Nationalpark Unteres Odertal BB 10.611 Auengrünland, Gewässer (gleichzeitig Nationalpark)
Ohre-Drömling ST 10.365 Grünland, Feuchtwälder, Fließgewässer, Gräben
Heidehof - Golmberg BB 9.830 Heiden, Primärwälder
Östliche Chiemgauer Alpen BY 9.752 (sub)alpine Biotoptypen
Stechlin BB 8.671 Buchenwälder, Kiefernforste, Stillgewässer, Moore
Kleine Schorfheide BB 7.381 Heiden, Primärwälder, Kiefernforste
Forst Zinna - Jüterbog -Keilberg BB 7.198 Heiden, Primärwälder, Kiefernforste, Dünen
Königsbrücker Heide SN 7.000 Primarwälder, Kiefernforste, Heiden
Lieberoser Endmoräne BB 6.725 Heiden, Primärwälder, Kiefernforste, Moore
Grumsiner Forst/Redernswalde BB 6.154 Buchen(misch)wälder (NSG ist gleichzeitig Teil des BR Schorheide-Chorin)
Innerer Oberspreewald BB 5.765 Erlenbruchwälder, Fließe (NSG ist gleichzeitig Teil des BR Spreewald)
Nuthe-Nieplitz-Niederung BB 5.571 Grünland, Stillgewässer
Havelländisches Luch BB 5.531 Niederungslandschaft der Havel
Helgoländer Felssockel SH 5.138 Flachwasserzone und Riffe der Nordsee
Kienhorst/Köllnseen/Eichheide BB 5.010 Kiefernwälder, mesotrophe Seen und Moore (NSG ist gleichzeitig Teil des BR Schorheide-Chorin)

Viele Naturschutzgebiete werden durch Nutzungen weiterhin beeinträchtigt. Hierbei handelt es sich insbesondere um verschiedene Formen der Freizeitnutzung, Land- und Forstwirtschaft, Wasserwirtschaft und Verkehr. Deshalb können die per Verordnung in den Naturschutzgebieten festgelegten Naturschutzziele bestimmte Nutzungsformen einschränken oder Gebote und Verbote zur Folge haben.

Unter anderem in folgenden Arbeiten finden sich weitestgehend aktuelle, überregionale Naturschutzgebietsverzeichnisse und Beschreibungen der Gebiete:

  • SENATOR FÜR FRAUEN, GESUNDHEIT, JUGEND, SOZIALES UND UMWELTSCHUTZ BREMEN (Hrsg.) (1999): Naturschutzgebiete und Naturschutzarbeit im Land Bremen. 68 Seiten.
  • BEHÖRDE FÜR UMWELT UND GESUNDHEIT HAMBURG (Hrsg.) (2002): Die Hamburgischen Naturschutzgebiete. 85 Seiten.
  • LANDESAMT FÜR NATUR UND UMWELT SCHLESWIG-HOLSTEIN (Hrsg.) (2008): Einzigartig - Naturführer durch Schleswig-Holstein. Bde. I und II - Wachholtz-Verlag Neumünster, je rd. 250 Seiten.
  • LANDESAMT FÜR UMWELTSCHUTZ SACHSEN-ANHALT (Hrsg.) (1997): Die Naturschutzgebiete Sachsen-Anhalts. - Jena (Fischer Verlag), 543 Seiten.
  • NATURSCHUTZRING NORDHESSEN UND PHILIPPI-GESELLSCHAFT (2003): Naturschutzgebiete in Hessen Bd. 2 - Stadt Kassel, Landkreis Kassel und Schwalm-Eder-Kreis. - Cognitio-Verlag, 256 Seiten.
  • NORDHESSISCHE GESELLSCHAFT FÜR NATURKUNDE UND NATURWISSENSCHAFTEN (2007): Naturschutzgebiete in Hessen Bd. 4 - Landkreis Waldeck-Frankenberg mit Nationalpark Kellerwald-Edersee. - Cognitio-Verlag, 256 Seiten.
  • REGIERUNGSPRÄSIDIUM FREIBURG (Hrsg.) (2004): Die Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Freiburg. - Freiburg (Thorbecke-Verlag), 680 Seiten.
  • REGIERUNGSPRÄSIDIUM STUTTGART (Hrsg.) (2007): Die Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Stuttgart. - Freiburg (Thorbecke-Verlag), 779 Seiten.
  • REGIERUNGSPRÄSIDIUM KARLSRUHE (Hrsg.) (2000): Die Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Karlsruhe. - Freiburg (Thorbecke-Verlag), 654 Seiten.
  • REGIERUNGSPRÄSIDIUM TÜBINGEN (Hrsg.) (2006): 250 Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Tübingen. - Freiburg (Thorbecke-Verlag), 594 Seiten.
  • SÄCHSISCHES STAATSMINISTERIUM FÜR UMWELT UND LANDWIRTSCHAFT (2010): Naturschutzgebiete in Sachsen. - Dresden, 720 Seiten.
  • SENATSVERWALTUNG FÜR STADTENTWICKLUNG & LANDESBEAUFTRAGTER FÜR NATURSCHUTZ UND LANDSCHAFTSPFLEGE (Hrsg.) (2007): Natürlich BERLIN - Naturschutz- und NATURA 2000-Gebiete in Berlin. - Rangsdorf, (Verlag Natur & Text), 256 Seiten.
  • UMWELTMINISTERIUM MECKLENBURG-VORPOMMERN (Hrsg.) (2003): Die Naturschutzgebiete in Mecklenburg-Vorpommern. - Schwerin (Demmler Verlag), 712 Seiten.

Letzte Änderung: 02.12.2009

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