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Agrarbiodiversität

Was ist Agrarbiodiversität?

Gemüsesortenvielfalt
Gemüsesortenvielfalt - Foto: Andreas Kärcher, Copyright BfN

Mit dem Begriff "Agrarbiodiversität" bezeichnet man alle Komponenten der biologischen Vielfalt, die für Ernährung und Landwirtschaft von Bedeutung sind und schließt zusätzlich alle biologische Vielfalt in Agrarlandschaften mit ein - also nicht nur Nutztiere und -pflanzen.

Dazu gehören:

- die genetischen Ressourcen von Kulturpflanzensorten, Nutztierrassen (einschließlich Fische) sowie nicht domestizierte (wilde) Ressourcen innerhalb von Acker-, Wald-, Weide- und aquatischen Ökosystemen

- Elemente der biologischen Vielfalt, die sogenannte ökologische Dienstleistungen gewährleisten, wie etwa den Kreislauf der Nährstoffe, die Regulierung von Kulturschädlingen und Krankheiten, die Bestäubung, den Erhalt der örtlichen Wildtiere und -pflanzen, den Schutz von Wassereinzugsgebieten, Erosionsschutz, Klimaregulation und die Festlegung von Kohlenstoff.


Verbindung von Nutzpflanzen und natürlichen Ökosystemen
Verbindung von Nutzpflanzen und natürlichen Ökosystemen. Foto: Dominic Menzler, Copyright BfN
Genetische Vielfalt bei Nutztieren - Freilandhaltung von Schweinen. Foto: Dominic Menzler, Copyright BfN
Schweine in Freilandhaltung

Die land-, forst- und fischereiwirtschaftliche Nutzung dieser Lebewesen erfolgt im Rahmen von Nutzungssystemen, die in unterschiedlicher Art und Intensität in umgebende Ökosysteme eingebettet sind. Die genutzten Lebewesen stehen daher mit denen der natürlichen Ökosysteme in Verbindung und erbringen so ihre Leistungen. Beispiele hierfür sind durch Bodenlebewesen bewirkte Bodenfruchtbarkeit, durch natürliche Feinde reduzierte Schaderreger oder Bestäubung von Pflanzen durch Insekten.

In engem Zusammenhang zur Agrarbiodiversität steht die Vielfalt von Bewirtschaftungs- und Produktionsformen, denn anders als bei der biologischen Vielfalt im allgemeinen sind viele Bestandteile der Agrobiodiversität auf menschliche Aktivität zwingend angewiesen. Was nicht aktiv genutzt -  z.B. angebaut, gehalten, aber auch verarbeitet, gekauft oder gegessen wird, ist letztlich vom Aussterben bedroht.

Eine hohe Agrarbiodiversität sichert die zukünftigen Lebensgrundlagen des Menschen, da durch sie ein breiter Genpool zur Nutzung zur Verfügung steht. Die Konzentration auf wenige Hochleistungsrassen, -arten oder -sorten birgt hingegen Ertragsrisiken z.B. durch geringe Krankheitsresistenz oder Umwelttoleranz sowie die Gefahr der Inzuchtdepression, d.h. eines Absinkens von Vitalität, Fruchtbarkeit oder Leistung. Mit dem Verlust an genetischer Vielfalt gehen Optionen für zukünftige Züchtungsarbeit unwiederbringlich verloren. Das erschwert die Anpassung an unvorhersehbare Krankheitsgefahren oder sich ändernde Umweltbedingungen wie den Klimawandel. Darüber hinaus bedeutet er den Verlust von kulturellem Erbe.


Verlust von Agrarbiodiversität

Von den ca. 340.000 Pflanzenarten auf der Erde sind rund 30.000 für den Menschen potenziell nutzbar, rund 7.000 werden derzeit in irgendeiner Weise vom Menschen genutzt. Seit dem 19. Jahrhundert hat sich das Spektrum genutzter Kulturpflanzenarten und besonders der genutzten Sorten stark reduziert. Heutzutage spielen für die menschliche Ernährung weltweit nur rund 150 Arten eine bedeutendere Rolle. Mit nur 30 Pflanzenarten wird derzeit nahezu der gesamte Kalorienbedarf der Weltbevölkerung erzeugt, sie liefern 95 % der pflanzlichen Nahrungsmittel. Die Ernten von nur drei "Haupternährern" - Weizen, Reis und Mais decken 50 % des weltweiten Energiebedarfs der Menschheit.


Altdeutscher Hütehund beim Hüten der Herde. Foto: Andreas Kärcher, Copyright BfN
Altdeutscher Hütehund beim Hüten der Herde

Besonders in Industrieländern wie Deutschland werden alte Sorten kaum noch angebaut. Schätzungen zufolge beläuft sich hier die Generosion seit Beginn des 20. Jahrhunderts auf über 90%. Ähnlich verhält es sich bei den Nutztieren: weltweit sind in den vergangenen hundert Jahren 1.000 der anerkannten 6.500 Nutztierrassenarten ausgestorben. Die Landwirtschafts- und Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen ( FAO) warnt vor dem Aussterben von 2.000 weiteren hoch bedrohten Rassen und macht darauf aufmerksam, dass derzeit sogar Woche für Woche im Schnitt zwei Rassen verschwinden.


Verlust von Agrarbiodiversität durch Intensivierung, hier: Zuckerrübenacker. Foto: Sabine Stein, Copyright BfN
Verlust von Agrarbiodiversität durch Intensivierung, hier: Zuckerrübenacker

Die Gründe für den Verlust von Agrarbiodiversität sind vielfältig. Die moderne Landwirtschaft hat durch Intensivierung, Rationalisierung, Spezialisierung und Konzentration der Produktion maßgeblich zur Verringerung der biologischen Vielfalt bei Kultur- wie bei Wildpflanzen in Deutschland beigetragen. Wirkungen auf die biologische Vielfalt sind dabei von den Veränderungen bei Düngung, Pflanzenschutz, Fruchtfolgen und Flurbereinigung ausgegangen. Besonders die Nivellierung der Anbausysteme sowie der Einsatz von einigen wenigen Hochleistungssorten führte zum Artenverlust. Alte Sorten sind oftmals nicht oder nicht mehr geschützt und damit nicht mehr handelbar. Der Austausch des Saatguts und die notwendige züchterische Weiterbearbeitung der Sorten wird hierdurch wesentlich eingeschränkt. Neben dem Sortenschutz bedingt auch die Einhaltung von Produktionsstandards und die Teilnahme an Qualitätsmanagementsystemen eine Vereinheitlichung der angebauten Sorten und Bewirtschaftungsweisen.

Fördermöglichkeiten

Der Erhalt der Agrarbiodiversität wird im Rahmen von Agrarumweltmaßnahmen finanziell unterstützt.  Landwirtschaftliche Betriebe, die In-situ (im natürlichen Lebensumfeldt) oder On-farm (Erhaltung auf Bauernhöfen, Archehöfen, in Freilichtmuseen u.ä.) Erhaltungsmaßnahmen durchführen, können an den Agrarumweltprogrammen der Länder teilnehmen.

Linktipps

" Agrobiodiversität entwickeln", Verbundprojekt 

 EU-Aktionsprogramm zu genetischen Ressourcen der Landwirtschaft

 FAO zu Biodiversität in Ernährung und Landwirtschaft

 Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH)

 Informationssystem genetische Ressourcen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE

 Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt e.V. (VEN)

Download

 Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt

 Indikatorenbericht 2010

Letzte Änderung: 17.04.2015

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