Bundesamt für Naturschutz

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Monitoring gemäß FFH-Richtlinie


Die FFH -Richtlinie verpflichtet die Mitgliedstaaten in Art. 11 zur Überwachung des Erhaltungszustandes (Monitoring) der Lebensraumtypen (Anhang I) und Arten (Anhänge II, IV und V) von europäischem Interesse.

In einem mehrjährigen Abstimmungsprozess haben Bund und Länder sich auf ein bundesweites Vorgehen beim FFH -Monitoring geeinigt. Das bundesweite Monitoringkonzept wird an dieser Stelle mit ergänzenden Materialien zum Download bereitgestellt:


Sachteleben, J. & M. Behrens (2010): Konzept zum Monitoring des Erhaltungszustandes von Lebensraumtypen und Arten der FFH -Richtlinie in Deutschland. -  Ergebnisse des F+E -Vorhabens "Konzeptionelle Umsetzung der EU-Vorgaben zum FFH -Monitoring und Berichtspflichten in Deutschland". - BfN-Skripten 278, 183 Seiten (pdf-Datei, 3,6 MB) 

Bewertungsschemata für die Arten nach Anhang II und IV

2. Überarbeitung (Stand: 2016)

 Vorwort zur Verwendung der BWS

Zitat (Beispiel):

Bundesamt für Naturschutz (BfN) und Bund-Länder-Arbeitskreis (BLAK) FFH -Monitoring und Berichtspflicht (2016): Bewertung des Erhaltungszustandes der Arten nach Anhang II und IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie in Deutschland. - Bewertungsbögen der Amphibien und Reptilien als Grundlage für ein bundesweites FFH -Monitoring.

Artengruppen:

Amphibien und Reptilien

 BfN & BLAK (2016): Bewertungsschemata Amphibien & Reptilien

Käfer

 BfN & BLAK (2016): Bewertungsschemata Käfer

Libellen

 BfN & BLAK (2016): Bewertungsschemata Libellen

Mollusken

 BfN & BLAK (2016): Bewertungsschemata Mollusken

Pflanzen

 BfN & BLAK (2016): Bewertungsschemata Pflanzen

Säugetiere ohne Fledermäuse

 BfN & BLAK (2016): Bewertungsschemata Säugetiere ohne Fledermäuse

Schmetterlinge

 BfN & BLAK (2016): Bewertungsschemata Schmetterlinge

Sonstige Tiere

 BfN & BLAK (2016): Bewertungsschemata Sonstige Tiere

Hinweise:

An dieser Stelle finden Sie in Kürze die überarbeiteten Bewertungsschemata weiterer Artengruppen. Die PDF-Dokumente sind nicht barrierefrei erstellt worden. Zukünftig werden jedoch barrierefreie Versionen zur Verfügung gestellt.

1. Überarbeitung (Stand: 2010)

Zitat:

PAN & ILÖK (2010): Bewertung des Erhaltungszustandes der Arten nach Anhang II und IV der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie in Deutschland. Überarbeitete Bewertungsbögen der Bund-Länder-Arbeitskreise als Grundlage für ein bundesweites FFH -Monitoring. - Unveröff. Werkarbeit im Auftrage des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), 206 S.

 PAN & ILÖK 2010 Bewertungsschemata Arten

 PAN & ILÖK 2010 Bewertungsschemata Lebensraumtypen

Nachtrag:   Bewertungsschema zum LRT 40A0 'Subkontinentale peripannonische Gebüsche' als pdf

Nachtrag:   Wanderfisch-Monitoring, Konzept als pdf

Hintergrundinformationen

Das Monitoring in den Mitgliedstaaten soll Daten liefern, die Aussagen über deren Erhaltungszustand auf Ebene der biogeografischen Regionen erlauben und ist sowohl innerhalb als auch außerhalb des Schutzgebietsnetzes Natura 2000 durchzuführen. Die Daten fließen als eine wichtige Grundlage in den Nationalen Bericht 2013 an die EU ein.

Aus der Richtlinie (Art. 1) und weiteren EU-Dokumenten (v.a.  DocHab-04-03/03 rev.3) ergeben sich anhand der Definitionen zum Erhaltungszustand bestimmte Parameter, die Inhalt und Umfang des Monitorings   und der Berichte  näher konkretisieren.

Kriterien für den Erhaltungszustand
Lebensraumtypen Arten
Größe des Verbreitungsgebietes (Range) Größe des Verbreitungsgebietes
Flächengröße (Area covered) Bestandsgröße (Population)
Struktur und Funktionen (Structures & Functions) inkl. lebensraumtypische Strukturen und typischem Arteninventar Größe des Lebensraumes (Habitat for the species)
Zukunftsaussichten (inkl. Beeinträchtigungen, Gefährdungen und langfristige Überlebensfähigkeit) Zukunftsaussichten (inkl. Beeinträchtigungen, Gefährdungen und langfristige Überlebensfähigkeit)

In Deutschland sind für die Umsetzung des Monitorings die Bundesländer zuständig. Das BfN koordiniert die Methodenabstimmung, die Datenzusammenführung und die erforderliche Bewertung des Erhaltungszustands auf nationaler Ebene erfolgen. Lediglich für die Ausschließliche Wirtschaftszone (AWZ) in der Nord- und Ostsee ist der Bund (vertreten durch das BfN) direkt zuständig (weitere Informationen).

Seit Ende 2002 wurden in Zusammenarbeit zwischen den für Naturschutz zuständigen Länderfachbehörden und dem BfN nationale Konzepte zum Monitoring und zur Bewertung des Erhaltungszustandes der Lebensraumtypen und Arten auf Basis von Erhebungen an Einzelvorkommen entwickelt (vgl. Rückriem & Roscher 1999, Dietz et al. 2003, Doerpinghaus et al. 2003, Neukirchen al. 2005,  Schnitter et al. 2006,  weitere Informationen). Daneben wurden auch Methodenvorschläge für die Erfassung der Anhang II-Arten (Fartmann et al. 2001) sowie der Arten der Anhänge IV und V (Doerpinghaus et al. 2005) erarbeitet.

Im April 2005 hat der Habitatausschuss (Ausschuss nach Art. 20 der FFH -Richtlinie) auf Empfehlung der Europäischen Kommission verbindliche Vorgaben für die Erfassung, das Monitoring und die Bewertung des Erhaltungszustandes der Arten und Lebensraumtypen (LRT) gemeinschaftlicher Bedeutung beschlossen. Für den Berichtszeitraum 2007 – 2012 wurden die Dokumente leicht verändert und aktualisiert und im Mai 2011 durch den Habitatausschuss verabschiedet. Die Dokumente sind im  Referenzportal des EIONET (European Environment Information and Observation Network) einzusehen. In dem Dokument  "Assessment and reporting under Article 17 of the Habitats Directive - Reporting Formats for the period 2007 - 2012" werden u.a. die oben aufgeführten Bewertungskriterien für einen günstigen Erhaltungszustand mit Parametern hinterlegt und die zugehörigen Bewertungsstufen definiert.

Anhand dieser EU-weiten Vorgaben erfolgte in einem F+E -Vorhaben bis November 2008 in Deutschland die Anpassung der bestehenden Konzepte sowie die Erarbeitung eines Gesamtdesigns hinsichtlich Messgrößen, Stichprobenumfang und -verteilung. Insbesondere waren mit den zuständigen Länderfachbehörden folgende Aufgaben zu koordinieren:

  • Anpassung bereits bestehender Grundlagen (insbesondere im Hinblick auf eine länderübergreifende Erfassungsmethodik)
  • Länderübergreifende Abstimmungen zu Messgrößen, Feldmethoden und Erfassungs-intervallen und Stichprobenumfängen und -verteilung
  • Erarbeitung und Abstimmung von Methoden zur Erfassung der Areale und Habitatgrößen.
  • Nutzung von Synergien mit anderen laufenden Erfassungsprogrammen (z.B. nach Wasserrahmenrichtlinie, Bundeswaldinventur, Biotopkartierungen)
  • Konzeption von Datenbanken zur Datenzusammenführung und Auswertung

Dazu wurde für die laufende Berichtsperiode in einem  F&E-Vorhaben ("Konzeptionelle Umsetzung der EU-Vorgaben zum FFH -Monitoring und Berichtspflichten in Deutschland") ein umfassendes bundesweit kompatibles Monitoringsystem entwickelt, durch welches sich die aus den EU-Vorgaben ergebenden Anforderungen an das FFH -Monitoring erfüllen lassen. In der Sitzung der 97. LANA im März 2008 haben die Länder den folgenden Eckpunkten des Konzeptes zugestimmt: 

  • Methoden im Gelände: Für jede Art und jeden Lebensraumtyp der FFH -Richtlinie werden länderübergreifend kompatible Erfassungsmethoden und abgestimmte Zählgrößen (z.B. Vorkommen, Laichballen, Rufer usw.) angewandt. Grundlage der Erfassung und Bewertung sind im Rahmen des Vorhabens operationalisierte und angepasste Bewertungsschemata
  • Erfassungsintervall: Das Intervall wurde art- bzw. lebensraumspezifisch festgelegt (kompatibel zur Berichtsperiode entweder jährlich, alle 2 oder 3 Jahre oder nur einmal alle 6 Jahre), bei Arten bzw. Lebensraumtypen mit hohen Bestandsschwankungen (z.B. Insekten) ist es kürzer als bei solchen mit geringer Dynamik.
  • Umfang: Um den Aufwand zu begrenzen, werden seltene Arten bzw. Lebensraumtypen vollständig (d.h. Erfassung aller bekannten Vorkommen, "Totalzensus"), häufige Arten bzw. Lebensraumtypen dagegen stichprobenartig erfasst. Aufgrund statistischer Überlegungen wurde der Schwellenwert zur Differenzierung von „selten“ und „häufig“ bei 63 Vorkommen je biogeografischer Region festgelegt: Arten bzw. Lebensraumtypen mit mehr Vorkommen werden mit 63 Stichprobenvorkommen erfasst, seltenere vollständig. Das Monitoring erfolgt sowohl innerhalb als auch außerhalb von FFH -Gebieten.
  • Verbundenes Design: Das Monitoring basiert auf einer verbundenen Stichprobe, d.h. es werden bei jedem Durchgang dieselben Vorkommen erfasst. Dieses Vorgehen reduziert den Auswahlaufwand und erhöht die Aussagegenauigkeit.
  • Auswahl der Vorkommen: Die zu erfassenden Vorkommen werden nach Areal- bzw. Vorkommensanteil gewichtet auf die beteiligten Bundesländer verteilt sowie zufällig und damit repräsentativ aus allen bekannten Vorkommen ausgewählt.
  • Laut Beschluss der LANA werden die Anhang V-Arten nicht in das bundesweite FFH -Monitoring einbezogen, sondern wie im letzten  Nationalen Bericht über Experteneinschätzung bewertet.
  • Für bestimmte Artengruppen und Lebensraumtypen kann auf bestehende Monitoringsysteme zurückgegriffen werden (z.B. Erfassung der FFH -Fischarten im Rahmen der Wasserrahmenrichtlinie, Fischotter-Monitoring und Luchsmonitoring in den Ländern) bzw. ist eine Anbindung in Vorbereitung (z.B. an die  3. Bundeswaldinventur für bestimmte Wald-Lebensraumtypen).  

Die Datenhaltung und -auswertung für die Bundesaufgaben erfolgt am Bundesamt für Naturschutz.

Die FFH -Monitoringdaten zum Erhaltungszustand von FFH -Arten und -Lebensraumtypen werden auch als Grundlage für verschiedene  Politik-Indikatoren, z.B. im Rahmen der  Nationalen Biodiversitätsstrategie verwendet.

Literatur:

Behrens, M., Neukirchen, M., Sachteleben, J., Weddeling, K. &  Zimmermann, M. (2009): Konzept zum bundesweiten FFH -Monitoring in Deutschland. - Jahrbuch für Naturschutz und Landschaftspflege 57: 144-152.

Dietz ,M.; Meinig, H. & Simon, O. (2003): Entwicklung von Bewertungsschemata für die Säugetierarten der Anhänge II, IV und V der FFH -Richtlinie.- Natur und Landschaft 78 (12): 541-543.

Doerpinghaus, A., Eichen, C., Gunnemann, H., Leopold, P., Neukirchen, M. Petermann, J. & Schröder, E. (2005): Methoden zur Erfassung von Arten der Anhänge IV und V der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. - Naturschutz und Biologische Vielfalt 20, 454 S.  direkt beim Landwirtschaftsverlag bestellen

Doerpinghaus, A.; Verbücheln, G.; Schröder, E.; Westhus, W.; Mast, R. & Neukirchen, M. (2003): Empfehlungen zur Bewertung des Erhaltungszustands der FFH -Lebensraumtypen: Grünland.- Natur und Landschaft 78 (8): 337-401.

Fartmann, T., Gunnemann, H., Salm, P. & Schröder, E. (2001):  Berichtspflichten in Natura-2000-Gebieten - Empfehlungen zur Erfassung der Arten des Anhangs II und Charakterisierung der Lebensraumtypen des Anhangs I der FFH -Richtlinie. - Angewandte Landschaftsökologie 42, 725 S.

Graef, F., Bilo, M., Weddeling, K. & Hölzl; N. (Red., 2009):  Einsatz von Fernerkundung im Rahmen des FFH -Monitorings in Deutschland. - BfN-Skripten 249, 130 S.

Meschede, A. (2012):  Ergebnisse des bundesweiten Monitorings zum Großen Mausohr (Myotis myotis). - BfN-Skripten 325, 71 S., pdf-Datei

Neukirchen, M.; Schnitter, P.; Eichen, C.; Ellwanger, G. & E. Schröder (2005): Empfehlungen für die Bewertung des günstigen Erhaltungszustandes für die Arten der Anhänge II, IV und V der FFH -Richtlinie in Deutschland. Natur und Landschaft 80 (4): 168 - 171.

Rückriem, C. & Roscher, S. (1999): Empfehlungen zur Umsetzung der Berichtspflicht gemäß Art. 17 der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. - Angewandte Landschaftsökologie 22, 456 S.

Sachteleben, J. (2008): Ein Test zur Praxistauglichkeit der Bewertungsbögen zum FFH -Monitoring.- RANA Sonderheft 5: 199-208.

Schnitter, P., Ellwanger, G., Neukirchen, M. & Schröder, E. (Bearb.)(2006):  Empfehlungen für die Erfassung und Bewertung von Arten als Basis für das Monitoring nach Artikel 11 und 17 der FFH -Richtlinie in Deutschland. - Berichte des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt (Halle), Sonderheft 2, 370 S, pdf-Datei

Ssymank, A., Hauke, U., Rückriem, C. & Schröder, E. (1998): Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000. - Schriftenreihe Landschaftspflege und Naturschutz 53, 560 S.

Weddeling, K., Eichen C., Neukirchen, M., Ellwanger, G., Sachteleben, J. & M. Behrens (2007):  Monitoring und Berichtspflichten im Kontext der FFH -Richtlinie: Konzepte zur bundesweiten Erfassung des Erhaltungszustandes von nutzungsabhängigen Arten und Lebensraumtypen. S. 177-195. - In: Begemann, F., Schröder, S., Wenkel, K.-O. & H.-J. Weigel: Monitoring und Indikatoren der Agrobiodiversität. - Agrobiodiversität - Schriftenreihe des Informations- und Koordinationszentrums für Biologische Vielfalt 27, 328 S.

Linktipps

Internationale Aktivitäten

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 Monitoring and the Nature Directives

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Letzte Änderung: 11.08.2016

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