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Vogelmonitoring in Deutschland

Vogelmonitoring in Deutschland

Das Vogelmonitoring in Deutschland basiert auf ehrenamtlichen Erfassungen, Programmen der Länder und Seevogelzählungen des BfN in der ausschließlichen Wirtschaftszone. Die bundesweiten ehrenamtlichen Programme werden vom  Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) koordiniert und in Zusammenarbeit mit dem BfN sowie den Vogelschutzwarten der Länder ausgewertet. 

Artenvielfalt: auf dem Rückzug

Braunkehlchen (Foto: R. Dröschmeister)
Braunkehlchen

Die Bestandssituation der 248 heimischen Brutvogelarten hat sich seit Ende der 1990er Jahre spürbar verschlechtert: Jede dritte bei uns brütende Vogelart erlitt Bestandsrückgänge. Insbesondere häufige und weit verbreitete Singvogelarten unserer Normallandschaft, wie beispielsweise Baumpieper und Stieglitz, weisen negative Trends auf. Im aktuellen Bericht  „Vögel in Deutschland 2014“ werden die Hintergründe dieser Entwicklungen beleuchtet. Dafür wurden umfassende Auswertungen der Daten aus dem nationalen Bericht nach Vogelschutzrichtlinie durchgeführt und die ökologischen Eigenschaften der einzelnen Arten zu Gruppen zusammengefasst.

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Betrachtung ökologischer Gruppen

Wichtige Ergebnisse dieser Analysen sind, dass insbesondere solche Brutvögel in ihren Beständen abnehmen, die am Boden brüten und sich vorwiegend von Kleininsekten und Spinnen ernähren. Aus Literaturquellen wissen wir, dass sowohl die Individuenzahl als auch die Biomasse von Insekten in den letzten Jahrzehnten dramatisch abgenommen hat. In den Niederlanden wurde kürzlich gezeigt, dass insektenfressende Vogelarten insbesondere in den Regionen seltener wurden, in denen besonders hohe Konzentrationen von Insektiziden gemessen wurden.

Die Arten der genutzten Offenlandschaft bleiben weiterhin die größten Sorgenkinder: werden leichte Bestandsrückgänge einbezogen, so nimmt die Hälfte der Vogelarten von Äckern und Wiesen im Bestand ab. Die Auswertungen haben auch gezeigt, dass Zugvogelarten stärkere Rückgänge erlitten als diejenigen Arten, die im Winter bei uns bleiben. Eine Verschlechterung der Situation zeigt sich bei Arten, die nach Ost- und Südostafrika ziehen. Aber auch solche Arten, die in Südeuropa und Nordafrika überwintern bekommen zunehmend Schwierigkeiten.

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Beeinträchtigungen und Gefährdungen: intensive Landnutzung wichtigste Ursache

Für den nationalen Vogelschutzbericht war eine Angabe der wichtigsten Beeinträchtigungen und Gefährdungen für die sogenannten Triggerarten erforderlich, also solche Arten, die der Anlass für Ausweisungen von Europäischen Vogelschutzgebieten waren. Für ein Gesamtbild unserer Vogelwelt wurden Gefährdungen und Beeinträchtigungen zusätzlich für alle heimischen Brutvogelarten ermittelt. Die wichtigsten Beeinträchtigungen und Gefährdungen hängen bei den Brutvögeln vor allem mit der intensiven Landnutzung zusammen. In der Rangfolge folgen die Entwässerung durch Grundwasserabsenkung sowie die Auswirkungen von Sport- und Freizeitaktivitäten, die Nutzungsaufgabe (Sukzession) und die Prädation.

Die bedeutendsten negativen Einflussfaktoren bei den überwinternden Wasservogelarten wirken vor allem an der Küste und auf dem Meer: Fischerei, Meerwasserverschmutzung durch Öl, Schifffahrtswege sowie Offshore-Windenergieanlagen.

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Europäische Vogelschutzgebiete: Mangelhaftes Management

Deutschland hat 742 Europäische Vogelschutzgebiete an die EU gemeldet, die 11,2 % der Landfläche und zusätzlich knapp 2 Mio. Hektar der Nord- und Ostsee bedecken. 95 % der heimischen Brutvogelarten, die für die Ausweisung der Schutzgebiete maßgeblich waren, erreichen innerhalb der Schutzgebietskulisse Anteile von mindestens einem Fünftel ihres hiesigen Brutbestandes, immerhin knapp die Hälfte sogar mehr als 60 %. Trotz dieser günstigen formalen Voraussetzungen fehlt es derzeit noch an durchschlagenden Erfolgen, die Bestandsentwicklung konnte für die meisten Triggerarten noch nicht signifikant verbessert werden. Da bislang nur für 22 % der Vogelschutzgebiete umfassende Managementpläne vorliegen, in denen verbindlich Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen für die Zielarten festgelegt werden, zeigt sich ein erhebliches Umsetzungsdefizit.

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Vogelmonitoring: gestiegene Anforderungen

Auch mit dieser Ausgabe Vögel in Deutschland konnte wieder eindrucksvoll gezeigt werden, welche Rückschlüsse aus den vorwiegend ehrenamtlich erhobenen Daten des Vogelmonitorings auf die Entwicklung unserer biologischen Vielfalt gezogen werden können und wo Naturschutzhandeln ansetzen muss. Um das ehrenamtliche Engagement im Vogelmonitoring nicht nur zu erhalten, sondern auch zu stärken, sollen die Vogelerfassungsprogramme zukünftig in das Online-Portal ornitho.de integriert werden. Aber auch bei der Schulung und Qualifizierung der MitarbeiterInnen besteht Bedarf an einer Erweiterung.

Besonders wichtig ist in den nächsten Jahren der Ausbau des Monitorings in den Europäischen Vogelschutzgebieten, eng verbunden mit der Optimierung des Monitorings seltener Brutvogelarten. Die Verwaltungsvereinbarung Vogelmonitoring bildet die Grundlage für die Zusammenarbeit zwischen Fachverbänden und Fachbehörden. Diese Zusammenarbeit sollte gestärkt und an die gestiegenen Anforderungen angepasst werden.

Download der Publikation  "Vögel in Deutschland 2014"

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Literatur:

Flade, M., Grüneberg, C., Sudfeldt, C. & Wahl, J. (2008): Birds and Biodiversity in Germany - 2010 Target. - Steckby (Dachverband Deutscher Avifaunisten), 55 S.

Gedeon, K., Fischer, S. & Sudfeldt, C. (2003): Steckbyer Grundsätze und Ziele zum Vogelmonitoring in Deutschland. - In: Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt [Hrsg.]: Vogelmonitoring in Deutschland [= Berichte des Landesamtes für Umweltschutz Sachsen-Anhalt, Sonderheft 2003(1)]. - Halle, S. (Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt) S. 147-149.

Hötker, H., Jeromin; H. & Melter, J. (2007): Entwicklung der Brutbestände der Wiesen-Limikolen in Deutschland - Ergebnisse eines neuen Ansatzes im Monitoring mittelhäufiger Brutvogelarten. - Die Vogelwelt 128 (2):49-65.

Mitschke, A. & Ludwig, J. (2004): Monitoring häufiger Brutvögel in der Normallandschaft von Niedersachsen und Bremen. - Vogelkdl. Ber. Nieders. 36: 69-78.

Mitschke, A., Sudfeldt, C., Heidrich-Riske, H. & Dröschmeister, R. (2005):  Brutvogelmonitoring in der Normallandschaft Deutschlands - Untersuchungsgebiete, Erfassungsmethode und erste Ergebnisse. - Vogelwelt 126: 127-140.

Sudfeldt, C., Dröschmeister, R., Grüneberg, C., Mitschke, A., Schöpf, H. & Wahl, J. (2007):  Vögel in Deutschland 2007.- Steckby (Dachverband Deutscher Avifaunisten), 39 S.

Sudfeldt, C., Dröschmeister, R., Grüneberg, C., Jaehne, S., Mitschke, A. & Wahl, J. (2008):  Vögel in Deutschland 2008.- Steckby (Dachverband Deutscher Avifaunisten), 46 S. PDF zum Download, 8 MB.

Sudfeldt, C., Dröschmeister, R., Grüneberg, C., Jaehne, S., Mitschke, A. & Wahl, J. (2009):  Vögel in Deutschland 2009. - Steckby (Dachverband Deutscher Avifaunisten), 66 S. PDF zum Download, 6,6 MB.

Sudfeldt, C., Dröschmeister, R., Langgemach, T. & Wahl, J. (2010):  Vögel in Deutschland 2010. - Münster (Dachverband Deutscher Avifaunisten), 54 S. PDF zum Download, 8,6 MB.

Sudfeldt, C., Wahl, J., Mitschke, A., Flade, M., Schwarz, J., Grüneberg, C., Boschert, M. & Berlin, K. (2010): Vogelmonitoring in Deutschland - Ergebnisse und Erfahrungen. - In: Doerpinghaus, A.; Dröschmeister, R.; Fritsche, B.:  Naturschutz-Monitoring in Deutschland. Stand und Perspektiven. - Naturschutz u. Biol. Vielfalt 83: 99-117.

Sudfeldt, C., Bairlein, F., Dröschmeister, R., König, C., Langgemach, T. & Wahl, J. (2012):  Vögel in Deutschland 2012. - Münster (Dachverband Deutscher Avifaunisten), 55 S. PDF zum Download, 6,6 MB.

Sudfeldt, C., Dröschmeister, R., Wahl, J., Berlin, K., Gottschalk, T., Grüneberg, C., Mitschke, A. & Trautmann, S. (2012):  Vogelmonitoring in Deutschland. Programme und Anwendungen. - Naturschutz u.  Biol. Vielfalt 119: 257 S.

Sudfeldt, C., Dröschmeister, R., Frederking, W., Gedeon, K., Gerlach, B., Grüneberg, C., Karthäuser, J, Langemach, T., Schuster, B., Trautmann, S. & Wahl, J. (2013):  Vögel in Deutschland 2013. - Münster (Dachverband Deutscher Avifaunisten), 60. S. PDF zum Download, 5,4 MB.

Südbeck, P., Andretzke, H., Fischer, S., Gedeon, K., Schikore, T. Schröder, K. & Sudfeldt, C.  (2005): Methodenstandards zur Erfassung der Brutvögel Deutschlands. - Radolfzell, 792 S.

Wahl, J., Dröschmeister, R., Gerlach, B., Grüneberg, C., Langgemach, T., Trautmann, S. & Sudfeldt, C. (2015):  Vögel in Deutschland 2014. - Münster (Dachverband Deutscher Avifaunisten), 72 S. PDF zum Download, 13,3 MB.

Wahl, J., Dröschmeister, R., Langgemach, T & Sudfeldt, C. (2011):  Vögel in Deutschland 2011. - Münster (Dachverband Deutscher Avifaunisten), 74 S. PDF zum Download, 6,4 MB.

 

 

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weitere Informationen

 Konzeptioneller Hintergrund

 Helgoländer Positionspapier

Abgeschlossenes F+E -Vorhaben

 Tierartenbestands- monitoring

Letzte Änderung: 16.12.2015

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