Bundesamt für Naturschutz

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Rote Listen gefährdeter Pflanzen

Für die Roten Listen der Pflanzen wurden von den etwa 28.000 in Deutschland beheimateten Arten 13.907 Arten (knapp 50%) auf ihre Gefährdung hin untersucht und bewertet (vgl. LUDWIG & SCHNITTLER 1996).

Aktuelle Gefährdungssituation

Rund 40 % der untersuchten Arten stehen auf der Roten Liste, knapp 4 % davon sind ausgestorben oder verschollen.

 Gefährdungssituation einzelner Pflanzengruppen, pdf-Datei


Gefährdungsursachen

Farn- und Blütenpflanzen:

  • Standortzerstörung: Am meisten trägt die Standortzerstörung zum Artenrückgang der Farn- und Blütenpflanzen bei. Der größere Teil dieser Eingriffe ist irreversibel. Neben Baumaßnahmen (Verkehrswege, Siedlungen, Industrie- und Gewerbegebiete) ist dies vor allem der Abbau von Rohstoffen.
  • Landwirtschaftliche Nutzung: An zweiter Stelle rangiert die landwirtschaftliche Nutzung. Nutzungsaufgabe und -intensivierung sind die Hauptursachen, deren Wirkung anhält, besonders auf bisher extensiv bewirtschaftetem Grün- und Ackerland.
  • Forstwirtschaftliche Nutzung: Bei der forstwirtschaftlichen Nutzung wiegen die Maßnahmen der Vergangenheit am schwersten. Viele Arten offener Standorte wie Binnendünen oder Magerrasen gingen durch Aufforstung bisher waldfreier Flächen zurück. Auch heute noch werden nicht selten Offenlandflächen, die Wuchsorte gefährdeter Pflanzenarten sind, aufgeforstet. Gefährdungsfaktoren im Wald selbst sind Forstwegebau, Entwässerung und Monokulturen aus standortfremden Nadelhölzern bzw. nicht heimischen Baumarten. Die Hochwaldwirtschaft führt für eine Reihe von Arten zum Verlust ihres Lebensraumes, indem natürliche Auflichtungen und alte Bäume sowie das damit verbundene Totholz stark reduziert werden. Mittlerweile werden Laub- und Mischwälder vielerorts zunehmend naturnäher bewirtschaftet.
  • Wildhege und Jagd: Wildhege und Jagd wirken vor allem durch die vielerorts überhöhten Wilddichten als Gefährdungsfaktor.
  • Standortveränderungen: Bei den Standortveränderungen gefährden Nährstoffeinträge fast die Hälfte der Flora mit steigender Tendenz. Eingriffe in die Landschaft unterbinden vielerorts die natürliche Neubildung von Standorten, wodurch vor allem Pionierarten gefährdet werden. Die Eindeichung und Verbauung der großen Flüsse sind hierbei an erster Stelle zu nennen. Aber auch durch die Unterbindung anderer natürlicher Prozesse, wie z.B. der Fluß- und Küstendynamik, verlieren viele Arten ihren Lebensraum.

Moose:

Die für Gefährdung und Rückgang von Moosen wesentlichen Ursachen sind die Entwässerung der Landschaft, die Polarisierung der Landnutzung (Intensivierung auf meliorationsfähigen Flächen, Nutzungsaufgabe auf Grenzertragsstandorten), die Vernichtung von Sonderstandorten sowie der Eintrag von Schad- und Nährstoffen.

Flechten:

Flechten leben z.T. unter sehr extremen klimatischen Bedingungen, zeichnen sich aber gleichzeitig durch eine hohe Empfindlichkeit gegenüber Standortveränderungen aus. Hauptgefahren gehen von Immissionen, Düngung und Zerstörung der Substrate aus.

Algen:

Süßwasseralgen sind besonders durch Gewässereutrophierung gefährdet.

Pilze:

Im Gegensatz zur weitverbreiteten Annahme ist das sachgerechte Sammeln der Fruchtkörper der Großpilze als Gefährdungsursache nur von untergeordneter Bedeutung. Wesentlich einschneidender wirken sich Kahlschlagbetrieb, Altersklassenwälder und Veränderungen des Baumartenbestandes aus. Besonders die Mykorrhizapilze scheinen zunehmend durch Luftschadstoffe und Nährstoffeintrag gefährdet zu sein. Phytoparasitische Pilze sind, außer durch den Rückgang der Wirtspflanzen, durch die Auswirkungen der Luftverschmutzung gefährdet. Schleimpilze scheinen vor allem durch den Mangel an Totholzangebot in Wirtschaftswäldern zurückzugehen. Bei den rindenbewohnenden Schleimpilzen wird zusätzlich Luftverschmutzung als Ursache des Rückgangs angenommen.


Rote Listen im europäischen Vergleich

Seit Anfang der siebziger Jahre sind in fast allen mitteleuropäischen Ländern Rote Listen gefährdeter Farn- und Blütenpflanzen erschienen. Wegen der Verwendung unterschiedlicher Kategorien, aber vor allem wegen einer sehr unterschiedlichen Interpretation der Definitionen einiger Kategorien sind die einzelnen Roten Listen nur bedingt miteinander vergleichbar. Trotzdem ist eine Tendenz klar erkennbar:

Einen sehr hohen Anteil an Rote-Liste-Arten weisen mit 24-45% des Artenbestandes die dichtbesiedelten Länder Mitteleuropas mit ausgeprägter Verkehrsinfrastruktur, hohem Anteil besiedelter Fläche und intensiver Landwirtschaft auf. In den skandinavischen und osteuropäischen Ländern ist die Situation etwas günstiger.


Bestandsänderungen

Vier beispielhaft ausgewählte Pflanzenarten verdeutlichen anhand der Veränderung ihrer Verbreitung den Bestandsrückgang bei Gefäßpflanzen in Deutschland:

Das in Borstgrasrasen weit verbreitete Berg-Wohlverleih (Arnica montana) ist infolge Nutzungsintensivierung und -aufgabe deutlich zurückgegangen.

Der Lämmersalat (Arnoseris minima) wächst nur auf bodensauren Sandäckern. Seine Bestände sind vielerorts infolge Düngung sowie Brachfallen früher extensiv genutzter Sandäcker verschwunden oder stark zurückgegangen.

Das nur auf Äckern über flachgründigen Kalkgesteinsböden vorkommende Rundblättrige Hasenohr (Bupleurum rotundifolium) ist ebenfalls infolge Nutzungsintensivierung und Brachfallen an den meisten Standorten verschwunden.

Das Vorkommen der Heidelbeer-Weide (Salix myrtilloides) ist auf Moore in Oberbayern beschränkt. Sie ist bis auf kleine Restbestände der Entwässerung von Mooren zum Opfer gefallen.

Obwohl bundesweit bei Pflanzen bislang keine generelle Entschärfung der Gefährdungssituation eingetreten ist, beginnen Schutzmaßnahmen Erfolge zu zeigen. So haben gebietsweise gezielte Pflegemaßnahmen, z.B. Entbuschung, extensive Mahd und Beweidung, zu einer Stabilisierung der Populationen von Pflanzen der Magerrasen wie Enzian- und Orchideen-Arten, Berg-Wohlverleih (Arnica montana) oder Gelber Narzisse (Narcissus pseudonarcissus) geführt. Erfolge gibt es auch durch Förderungsmaßnahmen, wie z.B. bei der Erhaltung von Ackerwildkräutern durch die Ackerrandstreifenprogramme.

weitere Informationen

 Gefährdungskriterien

Letzte Änderung: 04.08.2015

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