Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Ökologischer Tourismus und Naturtourismus

Ökologischer Tourismus ist die Weiterentwicklung der Konzeptidee des umweltverträglichen bzw. umweltfreundlichen Tourismus. Da im deutschen Sprachgebrauch Umweltverträglichkeit tendenziell unter anthropozentrischer Sichtweise auf die Umwelt des Menschen eingegrenzt wird, obwohl umfassender eigentlich ein intakter Naturhaushalt und eine auch für wildlebende Pflanzen und Tiere angemessene Umwelt erforderlich ist, ist die Sichtweise im Ökotourismus auf ökosystemare Zusammenhänge ausgedehnt worden. Ziel, insbesondere von wissenschaftlicher und NGO-Seite, ist ein "Ökologisch verantwortlicher Tourismus".

Im englischen Sprachgebrauch hielt "Ecotourism" Ende der 80er Jahre Einzug. "Ecotourism is responsible travel to natural areas that conserves the environment and sustains the well being of local people" (The Ecotourism Society 1991). Im spanischen Sprachgebrauch kann mit ecoturismo dagegen ein bloßer Ausflug ins Grüne gemeint sein.


Naturschutzinsel Chumbe Island

Das Naturerleben hebt die WTO (2000) hervor: "Ecotourism is practised in relatively undisturbed natural areas, for the main purpose of admiring and learning more about them".

"Ökotourismus ist nachhaltiger Tourismus in sensiblen Gebieten; er trägt zur Finanzierung des Schutzes der Natur bei" (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit, GTZ, 2001). Ökotourismus wird in der Entwicklungszusammenarbeit als Instrument zur Förderung der Regionalentwicklung und Unterstützung beim Schutzgebietsmanagement gesehen. Zahlreiche Schutzgebiete wären ohne die Aussicht auf eine touristische Wertschöpfung nie gegründet worden oder wären ohne die Einnahmen aus dem Tourismus nicht überlebensfähig.

Als Idealform, sofern man diesen Begriff überhaupt verwenden will, sollte es sich bei "Ökotourismus" um eine auf naturnahe Gebiete ausgerichtete, ökologisch verträgliche, Naturerlebnis bietende und Naturverständnis fördernde Reiseform handeln, die zudem zur Erhaltung von Natur und Kultur beiträgt und dabei noch wirtschaftlich sinnvoll und vorteilhaft für die lokale Bevölkerung ist.

MarktbeobachterInnen kritisieren den Begriff als Worthülse unter Verdacht des Etikettenschwindels, da als Ökotourismus/Ecotourism oftmals undifferenziert jede Art von Reise, die Natur zum Ziel hat, vermarktet wird.

Naturtourismus

Um Missverständnissen sowie Missbrauch entgegenzuwirken wurde in der Tourismustheorie der Begriff "Naturtourismus" eingeführt. "Naturtourismus" bietet Natur -zumindest als Kulisse- für eine Vielzahl touristischer, insbesondere auch sportlicher Aktivitäten, z. B. Tauchen, Klettern, Luftsport, Survival, Expeditions- und Abenteuertourismus. Ein Schutz- oder Erhaltungsziel ist nicht zwangsläufig impliziert, weshalb die Kritik an dieser Tourismusform als einer bloßen Vermarktung von Natur sicherlich nicht unbegründet ist.

Unter den verschiedenen Marktsegmenten innerhalb dieser breiten Palette des Naturtourismus wäre "Ökotourismus" die praktische Umsetzung des ökologischen Leitbildes.

Letzte Änderung: 20.07.2015

 Artikel drucken