Tourismus

Der Tourismus hat sich in den letzten 50 Jahren nach der Öl- und der Automobilindustrie zu einem der größten Wirtschaftszweige der Welt entwickelt. In Deutschland trägt er bereits heute acht Prozent zum Bruttosozialprodukt bei. Die Zahl der Arbeitsplätze im Tourismus liegt bei rund 2,8 Millionen. Und alle Prognosen weisen darauf hin, dass in Zukunft noch mehr Menschen reisen werden als bisher. Die Welttourismusorganisation rechnet sogar mit jährlichen Steigerungsraten von 12 Prozent.
Blaues Meer, klare Seen, saubere Strände, grüne Wälder, Berge und Täler sind für die Touristen wichtige Attraktionen, wie auch wilde Tiere, seltene Pflanzen oder schöne Steine.
Tourismus ist daher wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig auf eine intakte Natur und Umwelt angewiesen. Natur und Landschaft stellen ein wichtiges Angebotssegment im Tourismus dar. Natur- und Landschaftserleben gehören zu den wichtigsten Urlaubsmotiven. Der Tourismus wird deshalb häufig als die Schlüsselbranche für eine "nachhaltige Entwicklung" bezeichnet. Gleichzeitig werden Umweltprobleme von den Reisenden zunehmend wahrgenommen und beeinflussen die Entscheidung für ein Urlaubsziel in hohem Maße.

Auf der anderen Seite sind eben diese intakte Natur und Umwelt, die schönen Landschaften, die die Attraktivität vieler Urlaubsgebiete ausmachen, gerade durch touristische Aktivitäten zunehmend bedroht:
immer neue Hotels und Restaurants werden in die Landschaft gebaut, abgelegene Gebiete werden mit Straßen und Wegen erschlossen, Besuchermassen verscheuchen Tiere und zertrampeln Pflanzen, es wird viel sauberes Trinkwasser benötigt und die Entsorgung von Müll und Abwasser ist auch nicht immer geklärt. Ganz zu schweigen von den Umweltbelastungen durch den Verkehr. Bei den großen Tourismusorten am Mittelmeer ist die Grenze schon jetzt für jeden sichtbar. Die Touristen bleiben weg, weil das Meer dreckig ist, Lärm und Abgase die Erholung stören, das Wasser un-genießbar ist und von der einst schönen Landschaft nur noch ein Panorama mit Bettenburgen übrig geblieben ist. Schöne Aussichten, wenn der Tourismus weiter so wächst!
Das Bundesamt für Naturschutz beschäftigt sich daher seit vielen Jahren mit den Auswirkungen des Tourismus auf Natur und biologische Vielfalt und führt Modellprojekte durch mit dem Ziel, eine naturverträgliche und nachhaltige Tourismusentwicklung in Deutschland zu fördern. Dabei arbeitet das BfN mit Tourismusorganisationen, Reiseveranstaltern und Urlaubsregionen in Deutschland, insbesondere den Großschutzgebieten (Biosphärenreservaten, Nationalparken und Naturparken) intensiv zusammen. Im Mittelpunkt steht dabei die Überlegung, ökologisch sensible Gebiete so zu schützen, dass sie langfristig erhalten werden können und Naturerlebnis trotzdem möglich bleibt.
Unterstützt werden insbesondere folgende Aktivitäten:
- Vereinbarung von Leitbildern, Zielen, Aktionen und Regelungen für eine nachhaltige Tourismusentwicklung
- z.B.
Internationale Richtlinien für Tourismus und Biodiversität der CBD. - z.B.
Europäische Charta für nachhaltigen Tourismus in Schutzgebieten.
- z.B.
- Entwicklung einer Methodik zur Bewertung der ökonomischen Effekte von Tourismus in Großschutzgebieten und deren Erprobung in drei Modellregionen.
BfN-Skripten 135, pdf-Datei (2005)
- Aufbau eines Marktes für naturorientierte nachhaltige Tourismusangebote
Viabono, die Dachmarke für den nachhaltigen Tourismus in Deutschland.- Qualitäts- und Umweltsiegel im
Kanutourismus - Leitfaden für die Entwicklung und Vermarktung von
Naturerlebnisangeboten.
- Förderung des Erfahrungsaustausches mit anderen (auch) internationalen (Schutz-) Gebieten, z.B. zum Thema "NATURA 2000 und Tourismus".
- Untersuchung zur Vermarktung von Naturlandschaften als touristische Destinationen
Studie (2008)
Das BfN nimmt auch Einfluss auf die Entwicklung und Gestaltung der Politik im Tourismus, so z.B. bei der Entwicklung von internationalen Richtlinien für nachhaltigen Tourismus in sensiblen Gebieten im Rahmen des Übereinkommens über die
Biologische Vielfalt (CBD) und der
Kommission für nachhaltige Entwicklung (CSD, Internationales), sowie in Foren der
Europäischen Kommission.
Zum
"Jahr des Ökotourismus", einer Kampagne der Vereinten Nationen im Jahr 2002, hat das BfN mehrere Beiträge geliefert.

