Bundesamt für Naturschutz

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Urbane Wälder

Bezug zur Nationalen Biodiversitätsstrategie

Logo der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt

Die  Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) verfolgt einen umfassenden Ansatz, der gleichermaßen dem Schutz von Arten und Lebensräumen wie der nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt und der damit verbundenen Erhaltung und Verbesserung der Lebensqualität der Menschen auch im Siedlungsbereich dient. Bei der Umsetzung der Ziele der NBS sind Städte und Gemeinden besonders wichtige Partner, da ihr Handeln vor Ort für den Erhalt der biologischen Vielfalt entscheidend ist. Natur in der Stadt leistet wertvolle Beiträge zum Erhalt der Vielfalt von Pflanzen und Tieren, zum stadtklimatischen Ausgleich und zur Sicherung der natürlichen Wasser- und Stoffkreisläufe im Siedlungsbereich und stellt damit auch einen wichtigen Garanten für die Lebensqualität des Menschen am Wohn- und Arbeitsort dar.

Das Projekt

Wälder in Städten
Foto: Jens Schiller
Blick auf Waldfläche in Leipzig

In vielen Städten nimmt der Anteil brach fallender Flächen zu. Diese Flächen wirken sich aktuell häufig ungünstig auf die Stadtstruktur und das Stadtbild aus und werden von der Bevölkerung negativ wahrgenommen, obwohl sie große Potentiale zum Schutz der biologischen Vielfalt, für Klimaschutz und Luftreinhaltung, Erholung und ökologischen Stadtumbau aufweisen.

Sowohl aus naturschutzfachlicher Sicht als auch vor dem Hintergrund knapper finanzieller und personeller Ressourcen ist die Entwicklung von Urbanem Wald als neuem Typ städtischer Grünflächen eine wichtige Alternative zu intensiv gestalteten Grünflächen. Ziel des Vorhabens ist es, am Beispiel der Stadt Leipzig Einsatzmöglichkeiten, Leistungen und Funktionen von Urbanen Wäldern unter naturschutzfachlichen, stadtökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Aspekten zu erproben.

Dabei werden folgende Bausteine praktisch umgesetzt:

  • Neuanlage und forstliche Bewirtschaftung von Waldflächen auf städtisch geprägten Standorten unter Einbeziehung vorhandener Biotopstrukturen
  • Verwendbarkeit unterschiedlicher Waldstrukturtypen und Waldbilder für den Klima-, Immissions- und Prozessschutz
  • Gestaltung der „Urbanen Wälder“ mit Stadtteilparkfunktion;
  • Akzeptanzförderung, Kommunikation und Beteiligung der Bürger
  • Langfristige planerische und rechtliche Sicherung der Waldflächen; Erprobung verschiedener Finanzierungs- und Akteursmodelle

Die parallele wissenschaftliche Begleitung untersucht, wie die Urbanen Wälder zur Erhöhung der Biodiversität in der Stadt beitragen und welche Wirkungen sich auf die Bevölkerung ergeben. Dazu gehören z. B.:


  • Verbesserung der Erholungsangebote im Wohnumfeld, Ausgleich von Grünflächendefiziten in verdichteten Quartieren,
  • Verbesserungen der stadtklimatischen und lufthygienischen Situation,
  • ökonomische Aufwertung von Flächen und angrenzenden Wohngebieten
  • Akzeptanzerhöhung für naturschutzfachliche Maßnahmen.

Außerdem sollen Möglichkeiten zu einer besseren Verknüpfung von Landschaftsplanung, Stadtplanung und informellen Planungen ermittelt werden.

Aktuell wird auf dem Gelände einer brach gefallenen Stadtgärtnerei mit ca. 40% versiegelter Fläche nach umfangreichen Rückbau- und Entsiegelungsarbeiten eine erste ca. 3,8 ha große Waldfläche angelegt.

Ausblick

Im Rahmen des E+E -Vorhabens sollen weitere Modellflächen folgen, um weitergehende und vergleichende Untersuchungen der einzelnen Bausteine zu gewährleisten. Die Ergebnisse und Erfahrungen aus den einzelnen Modellflächen und der wissenschaftlichen Begleitung werden mit dem Ziel der bundesweiten Übertragbarkeit auf andere Städte aufbereitet.

Publikationen

  • Burkhardt, I., Dietrich, R., Hoffmann, H., Lechner, J., Lohmann, K., Schoder, F. & Schultz, A. (2008): Urbane Wälder. Abschlussbericht zur Voruntersuchung für das E+E -Vorhaben „Ökologische Stadterneuerung durch Anlage urbaner Waldflächen auf innerstädtischen Flächen im Nutzungswandel – ein Beitrag zur Stadtentwicklung“. Naturschutz und Biologische Vielfalt 63: 214 S.
  •  Ökologische Stadterneuerung durch Anlage urbaner Waldflächen

Laufzeit

03/2009 - 03/2014 (Hauptvorhaben)

06/2009 - 05/2014 (Wissenschaftliche Begleitung)

Förderprogramm

Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben

Projektträger

Beteiligte Partner

  • TU Dresden, Fakultät Forst- Geo- Hydrowissenschaften;
  • Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH, Department Stadt- und Umweltsoziologie;
  • Stiftung Wald für Sachsen;
  • Naturschutzinstitut Region Leipzig e.V.

Fachbetreuung

FG II 4.1, Jens Schiller

Weitere Informationen

Blick auf Waldfläche in Leipzig

Wälder in Städten erfüllen vielfache Funktionen im Naturschutz, als Erholungs-flächen und zum klimatischen Ausgleich.

Aufforstung

Künftige Aufforstungen sollen daher künftig nicht nur an Siedlungsrandbereichen erfolgen...

Modellfläche vor Rückbau

… sondern auch in innerstädtischen Lagen, insbesondere auf Brachflächen.

Auf der Modellfläche ehemalige Stadtgärtnerei wird eine erste ca. 3,8 ha große Waldfläche im Rahmen des E+E -Vorhabens angelegt.

 Modellfläche vor…

Modellfläche nach Rückbau und Entsiegelung

und nach Rückbau und Entsiegelung.

Für die Gehölzpflanzung vorbereitete Teilfläche.

alle Fotos: Jens Schiller
Für die Gehölzpflanzung vorbereitete Teilfläche

Letzte Änderung: 30.04.2010

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