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* Naturnahe lebende Hochmoore


NATURA 2000-Code: *7110

Definition

Natürliche oder naturnahe Hochmoorkomplexe mit weitgehend ombrotrophem Nährstoffhaushalt auf Torfsubstraten. Häufig tritt eine uhrglasförmige Aufwölbung mit mooreigenem Wasserspiegel auf, der deutlich über dem umgebenden Grundwasserspiegel liegt. Zum Hochmoorkomplex gehören alle innerhalb des Randlaggs gelegenen Bereiche mit ihren Biotoptypen z. B. Bulte, Schlenken, Randlagg. Locker mit Einzelbäumen oder mit Gebüschen bestandene Bereiche, z. B. mit Spirken oder Latschen können auf der Moorfläche vorhanden sein. Hohe Niederschläge bilden die Voraussetzung bzw. ermöglichen eine Torfbildung (aktives Moorwachstum).


Beschreibung

Der Lebensraumtyp wird durch natürliche oder naturnahe Hochmoorkomplexe auf mindestens ein Meter dickem Torfsubstrat repräsentiert. Zum Komplex gehören alle innerhalb des Randlaggs gelegenen Bereiche mit Bulten, Schlenken, Kolken und huminsäurehaltigen Stillgewässern. Torfmoose sind die dominanten Pflanzen und die Voraussetzung für eine Hochmoor-Torfbildung.


Verbreitung

In Deutschland kommen die lebenden Hochmoore v. a. im atlantischen Bereich (Niedersachsen, Schleswig-Holstein) und besonders gut ausgeprägt im Alpenvorland vor. Voraussetzung für das Vorhandensein dieses von Regenwasser gespeisten Lebensraumtyps ist ein humides Klima mit hohen Niederschlägen.


Gefährdung

Torfabbau ist eine Gefährdungsursache, die in Deutschland besonders in der Vergangenheit zur Zerstörung der Hochmoore geführt hat. Entwässerung und die folgende Umwandlung der Flächen in Grünland, Aufforstung oder Nährstoffeintrag aus umgebenden Flächen sind wesentliche Beeinträchtigungen.


Schutz

Der landschaftstypische Wasser- und Nährstoffhaushalt sowie der Gewässerchemismus müssen gesichert werden. Im Randbereich sollten Pufferzonen den Eintrag von Nährstoffen aus den umgebenden Flächen minimieren. Im Regelfall ist keine Pflege erforderlich.


Kartierungshinweise

Wesentliche Voraussetzung für die Ansprache als Hochmoorkomplex ist das Vorhandensein eines intakten Hochmoorkerns mit seiner typischen Struktur und seiner typischen Vegetation. Stellt dieser Kern einen Übergang zum Niedermoor dar, so ist der Moorkomplex als Übergangs- und Schwingrasenmoor (Lebensraumtyp  7140) zu erfassen. Besonders in kontinental getönten Räumen mit ihren geringeren Regenmengen sind die Übergänge zwischen den ombrotrophen Hochmooren und den minerotrophen Übergangs- und Zwischenmooren fließend und eine Unterscheidung nicht immer leicht zu treffen.

Die Abgrenzung umfaßt alle Biotope, die zu dem jeweils ausgebildeten Biotopkomplex gehören. Sie soll möglichst so vorgenommen werden, dass sie in hydrologischer und edaphischer Sicht eine funktionale Einheit umfasst: Grenze des Lebensraumtyps ist das Randlagg. Für die Gebietsabgrenzung bei einer Meldung für Natura 2000 sind darüber hinaus angrenzende Flach- und Übergangsmoorbereiche (u. a.  7230) mit dem gesamten zusammenhängenden Torfkörper einzubeziehen.

Problematisch ist die Abgrenzung zum Lebensraumtyp  Geschädigte, regenerierbare Hochmoore (7120). In diesem Lebensraumtyp sollten alle Hochmoorbestände vereinigt werden, die auch in ihrem Kernbereich schon deutliche Beeinträchtigungen zeigen, z. B. infolge Teilabtorfung. Bestände, die einen weitgehend intakten Hochmoorkern mit typisch ausgebildeter Vegetation zeigen, aber in den anderen Bereichen des Moorkomplexes bereits Beeinträchtigungen aufweisen, sind (noch) als  Naturnahe lebende Hochmoore (7110) einzustufen. Moorwälder und Moorrandwälder außerhalb des Randlaggs sind als Lebensraumtyp  91D0 zu erfassen. Kolke, Mooraugen und Moorseen (größere dystrophe Gewässer) sind nach Auffassung der EU separat als Lebensraumtyp  3160 anzugeben, ebenso Bestände von Rhynchosporion-Vegetation als Lebensraumtyp  7150.


 

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Letzte Änderung: 20.12.2011

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