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Meeresnaturschutz, Nordsee, Ostsee, Wissenschaft

Meeresboden von Nord- und Ostsee wird erstmals flächendeckend kartiert

  • Forschungskonferenz zu marinen Lebensräumen und Arten liefert Grundlage für Managementmaßnahmen in Nord- und Ostsee
  • Lärmbelastung durch hohes Schiffsaufkommen im Fehmarnbelt und Kadetrinne

Stralsund/Bonn, 22. September: Der Meeresboden von Nord- und Ostsee wird erstmals flächendeckend kartiert. Auf der heute beginnenden Forschungskonferenz (bis 24.9.) des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) im Ozeaneum in Stralsund werden u.a. die Ergebnisse der Sediment- und Benthoskartierungen vorgestellt. Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Konferenz stehen die Ergebnisse von mehrjährigen Forschungsprogrammen des BfN zum Monitoring sowie zur Erforschung mariner Lebensräume und Arten in der deutschen Nord und Ostsee.

Erstmalig in diesem großen Umfang werden die Lebensgemeinschaften der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone von Nord- und Ostsee über einen langen Zeitraum systematisch mit international anerkannten und zum Teil richtungsweisenden neuen Methoden untersucht. Viele Forschungsergebnisse bilden die Grundlage für zukünftige Managementmaßnahmen in den marinen Schutzgebieten, auch für Maßnahmen zum Fischereimanagement.

"Notwendige Managementmaßnahmen in den Schutzgebieten und ergänzende Schutzmaßnahmen in der Fläche müssen gut begründet sein und auf einer soliden Datengrundlage beruhen. Die nun vorliegenden qualitativ hochwertigen Forschungsergebnisse liefern uns diese Daten. Sie bringen uns ein großes Stück auf dem Weg zu einem nachhaltigen Schutz mariner Lebensvielfalt in Nord- und Ostsee weiter," sagte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel.

In den Forschungsprojekten wurden in Nord- und Ostsee die Lebensräume und Arten vom Meeresboden bis zu den Seevögeln an der Wasseroberfläche erfasst. Dabei wurden ihr Status, Bestandstrends und Gefährdungen durch menschliche Eingriffe bewertet. Auf der Konferenz werden erstmals die Ergebnisse der flächendeckenden Sediment- und Benthoskartierungen vorgestellt.

In mehreren der Forschungsprojekte wurden parallel zum Monitoring der Arten und Lebensräume wichtige Einflüsse des Menschen erfasst und in ihren Auswirkungen für die marine Lebensvielfalt untersucht und bewertet. Dies betrifft beispielsweise Schweinswale: So konnten die Wissenschaftler/innen des Projektes "Unterwasserschall" durch Messungen des Hintergrundschalls in den Schutzgebieten der Ostsee nachweisen, dass die Lärmbelastung unter Wasser im Fehmarnbelt und der Kadetrinne erheblich ist, bedingt durch das hohe Schiffsaufkommen in dieser Region.

Für die dort vorkommenden Schweinswale sind danach permanent mehrere Schiffe in Hörweite. Dänische Forscher ermittelten in Auftrag des BfN bei einzelnen freilebenden Schweinswalen der Beltsee, die mit Sendern ausgestattet wurden, deutliche Verhaltensänderungen bei Bootslärm. Weiter nach Osten, in den Schutzgebieten der Pommerschen Bucht, sind über lange Zeiträume ausschließlich natürliche Geräusche zu hören. In der Nordsee beeinflussen die Bauarbeiten für Offshore-Windparks die "Lärmkulisse" für Kleinwale zusätzlich zum Hintergrundschall erheblich und damit ihre Möglichkeiten zur Nahrungsaufnahme, Paarung und Jungenaufzucht.

"Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig Rückzugsgebiete für die bedrohten Schweinswale sind", erklärte Beate Jessel. "Daher sind auch differenzierte Managementpläne für Schweinswale in der Nord- und in der Ostsee, wie sie ebenfalls im Rahmen der Forschungsprojekte mit dem BfN entwickelt werden, zukünftig von besonderer Bedeutung."

Wissenschaftler/innen erfassten außerdem erstmals intensiv und flächendeckend die Benthos-Gemeinschaften (Gesamtheit aller in der Bodenzone des Meeres, vorkommenden Lebewesen) auf dem deutschen Teil der Doggerbank. Die Abgrenzung der hier vorgefundenen Sandbodengemeinschaften hilft nun bei der Grenzziehung des geplanten Ausschlussgebietes für Boden-Schleppnetzfischerei auf dieser einzigartigen Sandbank in der Nordsee. Ziel ist es, Teile des Natura 2000-Schutzgebietes Doggerbank vor mechanischen Zerstörungen der Benthos-Gemeinschaften zu schützen.

Hinweise:
Die Tagung mit geladenen Teilnehmern findet statt vom 22. bis 24.09. im Ozeaneum, Stralsund. Auf Anfrage stehen Interviewpartner des BfN und der Forschungseinrichtungen zur Verfügung.

Kontakt für Interviewanfragen während der Tagung:
Katrin Wollny-Goerke 0173 / 605 79 41

Hintergrund
Aufgrund verschiedener internationaler Konventionen (insb. OSPAR- Übereinkommen zum Schutz des Nordost-Atlantiks und Helsinki-Übereinkommen zum Schutz der Ostsee) und EU-Richtlinien (Vogelschutzrichtlinie, Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie) ist die Bundesrepublik Deutschland verpflichtet, regelmäßig den Zustand geschützter Arten und Lebensräume innerhalb ihres Hoheitsgebietes zu erfassen und zu bewerten. Das Bundesamt für Naturschutz koordiniert u.a. das Monitoring, aber auch Forschungsprojekte zum Meeresnaturschutz in der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) von Nord- und Ostsee. Für die Natura 2000 Schutzgebiete in der AWZ und deren Management ist ebenfalls das BfN zuständig.

Im Rahmen der so genannten AWZ-Forschung fördert das BfN insgesamt 9 Forschungsvorhaben mit mehreren Teilprojekten zu folgenden Schwerpunkten:

· Managementpläne und Schutzgebietsverordnungen

· Umsetzung der Meeresstrategierahmenrichtlinie

· Monitoring und Bewertung mariner Wirbeltiere

· Monitoring und Bewertung der Lebensraumtypen, des Benthos und der gebietsfremden Arten

· Datenmanagement des biologischen Monitoring

· Flächendeckende Kartierung und Registrierung mariner Lebensraumtypen in der AWZ

· Auswirkungen von Unterwasserschall auf marine Wirbeltiere

· Kommunikation

· Ökosystemgerechtes Fischereimanagement

Projektnehmer und Partner im AWZ-Forschungsprogramm sind Dutzende renommierter Forschungseinrichtungen und Institute der Universitäten, Unternehmen und auch Bundesbehörden. Während der Tagung stellen BfN und Projektpartner Ergebnisse aus allen Schwerpunktprojekten vor.


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Letzte Änderung: 22.09.2014

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