Bundesamt für Naturschutz

Hauptbereichsmenü



Vorsorge ist der beste Schutz

Hintergrund

Das nordamerikanische Grauhörnchen (Foto: Stefan Nehring)
Das nordamerikanische Grauhörnchen

Das Auftreten von Arten außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes infolge menschlicher Aktivitäten wie Handel, Transport und Verkehr gilt weltweit als eine wichtige Ursache für den Verlust biologischer Vielfalt.
Im Rahmen der Konvention zur Erhaltung der biologischen Vielfalt haben sich die Vertragsstaaten verpflichtet, Vorsorge gegen gebietsfremde Arten zu leisten und sie ggfs. zu beseitigen. Trotzdem treten immer mehr gebietsfremde Arten in der freien Natur auf. Insbesondere die invasiven Arten unter ihnen stellen durch ihre erhebliche Gefährdung der natürlich vorkommenden Ökosysteme, Biotope oder Arten ein relevantes Problem im Naturschutz dar.
Kommt es erst einmal zu solchen Problemen durch eine invasive Art, ist es oftmals für effektive Gegenmaßnahmen viel zu spät. Hier gilt es, lösungsorientiert zu handeln. Speziell bei den invasiven Arten lautet die Maxime: Vorsorge statt teurer Nachsorge. Aus diesem Grund sollte der Verhinderung der Einbringung von neuen invasiven Arten Priorität eingeräumt werden. Wesentliche Voraussetzung für effiziente Vorsorge ist jedoch, die betreffenden invasiven Arten eindeutig benennen zu können.

Das Projekt

Die ostasiatische Fingerblättrige Akebie (Foto: Stefan Nehring)
ostasiatische Fingerblättrige Akebie

Ziel des Projektes ist es, erstmals für den Naturschutz in Deutschland eine Warnliste invasiver Arten zu erarbeiten. Es gilt, die gebietsfremden Arten zu identifizieren, die bisher in Deutschland noch keine wild lebenden Vorkommen besitzen, bei denen aber bereits jetzt steht fest, dass negative ökologische Auswirkungen auf die heimische Fauna und Flora zu erwarten.sind, falls diese Arten bei uns in freier Natur auftreten würden.Es ist unmöglich alle noch nicht in Deutschland vorkommenden Arten, die möglicherweise freigesetzt werden könnten, zu kennen oder deren Invasivität abzuschätzen. Weltweit sind bisher über 2 Millionen Arten beschrieben, viele weitere sind noch unbekannt. Es war daher notwendig eine sinnvolle Vorauswahl von gebietsfremden Arten zu treffen, die naturschutzfachlich relevant sein könnten. Insgesamt konnten 52 gebietsfremde Arten identifiziert werden, deren Gefährdungspotenzial mit Hilfe einer im Bundesamt für Naturschutz entwickelten Bewertungsmethode im Rahmen des Projektes überprüft werden sollte. Für 26 Tier- und Pflanzenarten konnte dabei bestätigt werden, dass sie, sollten sie in Deutschland auftreten, die biologische Vielfalt gefährden würden. Es handelt sich hierbei vor allem um Gefäßpflanzen wie die ostasiatische Fingerblättrige Akebie, den amerikanischen Kreuzstrauch oder den kaukasischen Sosnowsky-Bärenklau. Tierarten wie das amerikanische Grauhörnchen, der amerikanische Viril-Flusskrebs oder die asiatische Amurgrundel sind auch gelistet.


Ausblick

Vorsorge ist bei weitem kosteneffizienter und vom Umweltstandpunkt erstrebenswerter als Maßnahmen, die nach der Einbringung und Etablierung einer invasiven Art getroffen werden müssten. Aus diesem Grund soll für diese 26 invasiven Arten jetzt in einem neuen Forschungsvorhaben des Bundesamtes für Naturschutz geprüft werden, welche konkreten Vorsorgemaßnahmen ergriffen werden sollten, um ein Auftreten dieser Arten in freier Natur zu verhindern.

Publikationen

  • Rabitsch, W., Gollasch, S., Isermann, M., Starfinger, U. & Nehring, S. (2013): Erstellung einer Warnliste in Deutschland noch nicht vorkommender invasiver Tiere und Pflanzen. BfN-Skripten 331: 154 S.,  www.bfn.de/0502_skripten.html
  •  www.neobiota.de

Laufzeit

Januar 2011 - Oktober 2011

Förderprogramm

Forschungs- und Entwicklungsvorhaben ( F+E )

Projektträger

Umweltbundesamt GmbH
1090 Wien, Österreich

Beteiligte Partner

  • GoConsult, Hamburg
  • Universität Bremen

Fachbetreuung

BfN: FG II 1.2,  Dr. Stefan Nehring

Weitere Informationen

Procyon lotor - Waschbär
Procyon lotor - Waschbär
Aus einem Gehege entflohene Nandus haben sich im Wakenitztal angesiedelt
Nandus auf Acker
Invasiver Neozoe trifft auf potenziell invasiven Neophyt
Invasiver Neozoe trifft auf potenziell invasiven Neophyt
Japanische Knöteriche besitzen eine besonders breite ökologische Amplitude
Japanischer Knöterich
Die Nutria gefährdet aquatische und subaquatische Fauna und Flora
Die Nutria gefährdet aquatische und subaquatische Fauna und Flora

alle Fotos © S. Nehring

Letzte Änderung: 30.06.2013

 Artikel drucken