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Wiederansiedlung der Europäischen Auster (Ostrea edulis) in der deutschen Nordsee - das Projekt RESTORE

Hintergrund

Europäische Austern bilden biogene Riffe (Foto: Klaus Janke)
Auf dem Foto sieht man eine Austernbank im Aquarium.

Als Schlüsselart mit besonders wichtigen ökologischen Funktionen spielte die Europäische Auster einst eine zentrale Rolle im Ökosystem der Nordsee, aber auch anderen europäischen Meeren. Sie bildete Bänke und artenreiche, biogene Riffe. Historisch erstreckten sich diese Austerngründe in deutschen Gewässern über viele tausend Quadratkilometer von Helgoland bis weit in die Deutsche Bucht und sie traten auch in den tieferen Prielen des Wattenmeers auf. Mitte des 20. Jahrhunderts kam es durch immer intensivere Fischerei europaweit zu einem Zusammenbruch der natürlichen Austernbestände. Heutzutage steht die Europäische Auster auf der Roten Liste bedrohter Arten, in der deutschen Nordsee gilt sie als ausgestorben.

Mit dem Schwinden der Austernbänke gingen für das marine Ökosystem wichtige Leistungen verloren, nämlich:

  • Erhöhung der Artenvielfalt – „hot spot“ der biologischen Vielfalt
  • Futter, Schutz, Kinderstube und wichtiges Laichgebiet für viele Tierarten
  • Verbesserung der Wasserqualität – eine einzelne Europäische Auster kann täglich bis zu 240 Liter Meerwasser filtern!
  • Verringerung toxischer Algenblüten
  • Festigung loser Sedimente

Das Projekt

Europäische Auster (Ostrea edulis) (Foto: Armin Maywald/Okapia)
Auf dem Foto sieht man eine Großaufnahme einer Europäischen Auster.

Das BfN engagiert sich bereits seit vielen Jahren für den Schutz und die Erforschung der Europäischen Auster. Um die Auster wieder in ihrem ursprünglichen Lebensraum anzusiedeln und diese Ökosystemleistungen wieder zu erhalten, wurde im April 2016 durch das BfN das mehrjährige Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben RESTORE zur „Wiederherstellung der Bestände der Europäischen Auster (Ostrea edulis) in der deutschen Nordsee“ gestartet. Gemeinsam mit Wissenschaftler/innen des Alfred-Wegener-Instituts Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) werden Methoden und Verfahren zum nachhaltigen Wiederaufbau eines Austernbestandes in der deutschen Nordsee entwickelt und im Meer getestet.

Hierzu gehören u.a.:

  • Untersuchungen zur Biologie der Auster;
  • Suche nach geeigneten Wiederansiedlungsflächen (Standortauswahl);
  • Auswahl von geeigneten Zuchtbetrieben;
  • Ausbringen von Austern verschiedener Alters- und Größenklassen zur Untersuchung von Wachstum, Fitness und Gesundheitszustand im Freiland;
  • Prüfung der perspektivischen Mitwirkungsbereit-schaft von Fischerei und Aquakultur;
  • Prüfung von rechtlichen Rahmenbedingungen;
  • Bewertung und Berücksichtigung internationaler Austernrestaurationsvorhaben und Aufbau eines europäischen Netzwerks;

Kontrollzonen der Windparks eignen sich für erste Experimente (Foto: Müller-Elsner/AWI)
Auf dem Foto sieht man Forscher im Schlauchboot, die im Windpark auf dem Meer experimentieren.

Eine grundsätzliche Voraussetzung für Wiederansiedlungsflächen und für einen Projekterfolg ist dabei der Ausschluss von bodenverändernden, menschlichen Aktivitäten wie z.B. Fischerei mit bodenberührenden Fanggeräten. Getestet wird dieses z.Zt. in Kontrollzonen von Offshore-Windparks, in denen fischereiliche Aktivitäten untersagt sind. 


Austern im Käfig (Foto: Verena Merk/AWI)
Auf dem Foto sieht man Austern in einem Käfig, die nach nur 4 Monaten im Freiland auf 3-4 cm angewachsen sind.

Zukünftige Ausbringungsorte der Auster dürften die Meeresschutzgebiete wie das Naturschutzgebiet Borkum-Riffgrund in der Deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ, außerhalb der 12 Seemeilen-Zone) sein.

Im Mai 2017 starteten die ersten Experimente. Winzige, 2 mm große Saataustern wurden in speziellen Käfigen in der Kontrollzone eines Windparks ausgebracht – mit erstaunlichen Ergebnissen. 


Untersuchung winziger Saataustern (Foto: Verena Merk/AWI)
Das Foto zeigt, wie eine kleine Auster im Labor vermessen wird.

Bereits nach 4 Monaten waren die ersten Austern auf bis zu 4 cm angewachsen. Im Projektverlauf folgen jetzt weitere Aussetz-Experimente mit Saataustern verschiedener Alters- und Größenklassen sowie Untersuchungen zu Wachstum, Gesundheitszustand und Begleitarten. 

Darüber hinaus werden Ansiedlungsexperimente mit Austernlarven im Labor durchgeführt. Es gilt jetzt zu ermitteln, ob die Teststandorte im Freiland ggf. mit geeignetem Substrat ergänzt werden müssen. 

Ausblick

Die Ergebnisse von RESTORE bilden die Basis für ein späteres mehrjähriges und großangelegtes Wiederansiedlungs-Programm in der deutschen Nordsee.

Wenn die Europäische Auster sich in der deutschen Nordsee wieder selbständig fortpflanzen, Bänke und Riffe ausbilden würde, wäre das ein Meilenstein für das gesamte Ökosystem. Langfristiges Ziel des BfN-Engagements ist daher die möglichst weitgehende Wiederherstellung artenreicher, biogener Riffstrukturen und Bänke aus Austern. 

Laufzeit

04/2016 - 03/2019 (Voruntersuchung)

Förderprogramm

Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben

Projektträger

Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum
für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven (AWI)
Ökologie der Schelfmeere
Am Handelshafen 12
27570 Bremerhaven

Auf dem Foto ist das Logo des Alfred-Wegener-Instituts Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung abgebildet

Beteiligte Partner

Das Projekt wird in sehr enger Abstimmung mit der Abteilung Meeresnaturschutz des BfN durchgeführt.

Fachbetreuung im BfN

Prof. Dr. Henning von Nordheim, II 5 Abteilung Meeresnaturschutz

Weitere Informationen

Logo Alfred-Wegener-Institut
Auf dem Foto ist das Logo des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung abgebildet

Letzte Änderung: 31.10.2017

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