Bundesamt für Naturschutz

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Moorschutz, Klimaschutz, biologische Vielfalt

Wiederherstellung von Lebensräumen auf Hochmoorgrünland

  • Intensive Nutzung ist mitverantwortlich für den Klimawandel und Verlust der Artenvielfalt.
  • „Optimoor“: ein Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben
Versuchsanordnung zur Messung von Treibhausgasen

Treibhausgasmessung im Projekt Optimoor (Foto: Anna Bartel)

Rastede, 13. August 2019: Intakte Moore gibt es kaum noch in Deutschland. Der überwiegende Flächenanteil der Moore wird landwirtschaftlich genutzt, vor allem als Grünland. Neben dem Verlust der moortypischen Artenvielfalt verursachen die für eine herkömmliche Nutzung notwendigen Entwässerungen die Zersetzung von Torf und damit eine erhebliche Freisetzung von Treibhausgasen.

Dass sich in einer intensiv genutzten Agrarlandschaft Moorlebensräume wiederherstellen lassen, zeigt der Feldversuch "Optimoor", geleitet vom "Europäischen Fachzentrum Moor und Klima" (EFMK) aus Wagenfeld und wissenschaftlich begleitet von der Universität Rostock. Das durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesumweltministeriums geförderte Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben hat heute BfN-Präsidentin Prof. Dr. Beate Jessel gemeinsam mit den Projektbeteiligten bei Rastede besichtigt.

"Das Projekt Optimoor adressiert zwei besonders wichtige Themen des Natur- und Umweltschutzes - die Sicherung der biologischen Vielfalt und den Klimaschutz", sagte die BfN-Präsidentin. So sind landwirtschaftlich genutzte, entwässerte Moore für Treibhausgas-Emissionen in einer Größenordnung von über vier Prozent der jährlichen Gesamtemission Deutschlands verantwortlich. Es ergibt sich also ein durchaus beachtliches Einsparpotential durch die Revitalisierung oder angepasste nasse Nutzung von Moorstandorten.

Von besonderer Bedeutung für den Schutz der biologischen Vielfalt sind dabei die Hochmoore. Sie gehören zu den in Deutschland am stärksten gefährdeten Biotoptypen und sind mittlerweile auf ein Prozent ihrer ehemaligen Ausdehnung zurückgedrängt worden. "Das an Hochmooren reichste Bundesland ist Niedersachsen, so dass hier eine besonders hohe Verantwortung hinsichtlich des Schutzes und der Wiederherstellung liegt. Ich freue mich, dass das Land mit einer Reihe von Programmen dieser Verantwortung nachkommt", sagte BfN-Präsidentin.

Gute Ausgangsbedingungen für eine Wiedervernässung bieten als Grünland genutzte Hochmoore. Denn dort sind noch wasserdurchlässige Weißtorfe im Untergrund vorhanden, die das Wasser schnell in die ganze Fläche leiten. Bisherige Hochmoorsanierungen konzentrieren sich vor allem auf ehemalige Torfabbauflächen, wo stark verdichtete und dadurch schlechter vernässbare Schwarztorfe anstehen. Anna Bartel vom EFMK erklärte dazu, dass Hochmoore natürlicherweise von Regenwasser gespeist werden. Damit dies im Projekt in ausreichender Menge zur Verfügung steht, wird es in einem Wasserreservoir gesammelt und in die Versuchsflächen geleitet. In naturnahen Hochmooren kann das Moor selbst genügend Regenwasser speichern, um Dürrezeiten zu überstehen. Hier fungiert eine intakte Torfmoosdecke wie ein Schwamm, der zwar oberflächlich austrocknet, das Wasser in den tiefergelegenen kleinen Poren aber festhält.

Auf der Modellfläche "Optimoor" wurden unterschiedliche Ausgangsbedingungen geschaffen und bezüglich ihrer Auswirkungen auf die Entwicklung einer moortypischen Vegetation und Fauna sowie der Kohlenstoffspeicherung getestet, erläuterte Gerald Jurasinski von der Universität Rostock. Die Besucherinnen und Besucher konnten heute direkt an den Untersuchungen teilhaben. Vytas Huth von der Universität Rostock führte eine Treibhausgasmessung vor. Erste Ergebnisse deuten darauf hin, dass in bestimmten Varianten mit bereits etablierten Torfmoosen besonders geringe Emissionen auftreten. Wie in einem "echten" Hochmoor können diese jetzt nassen Torfmoosdecken mittlerweile nur mit speziellem Schuhwerk betreten werden, damit man nicht einsinkt. Eva Rosinski von der Ingenieurgesellschaft "Hofer und Pautz" nimmt zur Bestimmung der Pflanzenarten deshalb Schneeschuhe zur Hilfe.

Aus den Ergebnissen sollen übertragbare Sanierungsempfehlungen für entwässertes und landwirtschaftlich intensiv vorgenutztes Hochmoorgrünland abgeleitet werden. Für die Zukunft ist geplant, die erfolgreich getesteten Maßnahmen auf größerer Fläche umzusetzen.

Hintergrundinformationen:
E+E-Vorhaben "OptiMoor - Optimierung von Hochmoorsanierung auf landwirtschaftlich vorgenutzten Standorten zur Erhöhung von Biodiversität und Kohlenstoffspeicherung"

Gegenstand des Vorhabens ist die Erprobung der Sanierung von bisher landwirtschaftlich intensiv genutztem entwässertem Hochmoorgrünland mit dem Ziel der Revitalisierung des Moores, das heißt der Wiederansiedlung einer hochmoortypischen Lebensgemeinschaft mit neuerlichem Torfwachstum bei gleichzeitiger Minderung der entwässerungsbedingten Treibhausgas-Emissionen.
Die Hochmoorsanierung wird auf einem landwirtschaftlich vorgenutzten Standort in sieben verschiedenen Versuchsfeldern erprobt. Dazu werden auf einer Modellfläche im Hankhauser Moor verschiedene Sanierungsvarianten umgesetzt: Die Vegetationsschicht bzw. der durch die landwirtschaftliche Nutzung und Entwässerung veränderte Oberboden wird alternativ nicht bzw. bis in verschiedene Tiefen abgetragen, alle Versuchsvarianten mit Ausnahme der Kontrollfläche bis zur Oberfläche vernässt und ein Teil der Varianten mit Torfmoosen beimpft.
Drei Jahre (bis 2020) werden die Treibhausgas-Emissionen, die Nährstoffentwicklung, das gebietseigene Potential an Samen und deren Eintragspfade, die Veränderungen im Relief sowie die Entwicklung der Vegetation und Fauna ermittelt. So soll erprobt werden, welche Ausgangsbedingungen für die Wiederansiedlung einer hochmoortypischen Artenzusammensetzung und ein zukünftiges Torfmooswachstum am erfolgversprechendsten sind und welche ökologischen Leistungen damit jeweils zu erreichen sind.
Weitere Informationen über das Projekt "Optimoor":
https://optimoor.jimdofree.com/
https://www.bfn.de/foerderung/e-e-vorhaben/liste-aktueller-vorhaben/e-e-lfd-steckbriefe-biotopschutz/optimoor.html

Förderung von Erprobungs- und Entwicklungs-Vorhaben (E+E)
Das E+E-Programm ist das Förderinstrument des Bundes zur Erprobung neuer Naturschutzmethoden und -konzepte. Der Fördertitel des Bundesumweltministeriums wurde 1987 eingerichtet. Damit können Modellprojekte gefördert werden, die innovative Ansätze oder neuartige Kombinationen bekannter Maßnahmen praktisch erproben und weiterentwickeln. Ziel ist die Ableitung belastbarer Handlungsempfehlungen, die eine breite Übertragbarkeit der erprobten Ansätze ermöglichen. Dazu wird die praktische Umsetzung im Hauptvorhaben durch wissenschaftliche Untersuchungen begleitet, die der Erfolgskontrolle und gegebenenfalls notwendigen Nachsteuerung im Projektverlauf dienen. Falls nötig, können vor der praktischen Erprobung zusätzliche Voruntersuchungen gefördert werden.
Der Fördertitel wird fachlich und administrativ vom Bundesamt für Naturschutz betreut. Seit 1987 wurden insgesamt mehr als 140 Millionen Euro Bundesmittel für die E+E-Förderung zur Verfügung gestellt, derzeit liegt das jährliche Fördervolumen bei knapp 3 Millionen Euro. Die inhaltliche Bandbreite reicht vom Schutz oder der Wiedereinbürgerung gefährdeter Tiere und Pflanzen über die Erhaltung, Wiederherstellung und Vernetzung von Lebensräumen, naturschutzgerechte Regionalentwicklung, Naturschutz im urbanen Umfeld und Naturschutzmaßnahmen zum Klimaschutz bis zur Akzeptanzsteigerung für den Naturschutz. Förderkriterien sind Naturschutzzielsetzung, Bundesinteresse, Neuartigkeit und Modellcharakter der Vorhaben.
Weitere Informationen zum E+E-Programm:
www.bfn.de/foerderung/e-e-vorhaben.html

 


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Letzte Änderung: 17.10.2019

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