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Bundesamt für Naturschutz

Brutvögel

Mehr als 300 Brutvogelarten wurden in Deutschland bislang nachgewiesen. Mit den Programmen des Brutvogelmonitorings wird ihre Bestandsentwicklung verfolgt – von der Küste bis zu den Alpen. Das Brutvogelmonitoring wird vom Engagement mehrerer tausend Ehrenamtlicher getragen.

Brutvögel erfassen

Mit der Publikation Vögel in Deutschland – Erfassung von Brutvögeln  liegt ein aktueller Überblick zu den vielfältigen Beteiligungsmöglichkeiten an der Erfassung der Brutvögel in Deutschland vor. Die einzelnen Programme und die Vorgaben für die Kartierung von Brutvögeln werden erläutert. Die verschiedenen Formen der Erfassung reichen von der qualifizierten Meldung von Gelegenheitsbeobachtungen bis hin zur Mitarbeit an den bundesweiten Programmen des hoch standardisierten Brutvogelmonitorings. Jährlich beteiligen sich in Deutschland über 20.000 Personen an der Erfassung von Brutvögeln, davon etwa ein Viertel an den Monitoringprogrammen.

Die Ergebnisse dieses großen, überwiegend ehrenamtlichen Engagements bilden die wissenschaftlich verlässliche Basis für ein breites Anwendungsspektrum für naturschutzbezogene Fragestellungen. Dabei reichen die Beiträge des Vogelmonitorings von der Evaluierung von Artenschutzprogrammen über die Erstellung Roter Listen, die Überprü­fung von Schutzmaßnahmen, Ursachenanalysen von Bestandsveränderungen, die Ermittlung des Einflusses des Klimawandels und der Auswirkungen von Forst- und Agrarpolitik bis hin zu politikbezogenen Indikatoren der Bundesregierung. Für den nationalen Bericht nach Artikel 12 der Vogelschutzrichtlinie liefert das bundesweite Vogelmonitoring die Informationen zu Beständen und Trends von Brutvögeln in Deutschland.

Gelegenheitsbeobachtungen - der Einstieg in die Erfassung von Brutvögeln

Rund 9 Mio. Vogelbeobachtungen wurden alleine im Jahr 2020 über das Online-Meldeportal ornitho.de und die zugehörige App NaturaList gemeldet, rund ein Viertel enthält Angaben zum Brutverhalten der Vögel. Beobachtungen mit Hinweisen auf Brutvorkommen erfolgen also bei allen denkbaren Gelegenheiten, d. h. sowohl bei gezielten Exkursionen als auch ganz einfach „nebenbei“ im Alltag oder in der Freizeit. Dadurch werden die im Vogelmonitoring gewonnenen Daten in vielfältiger Weise ergänzt. Diese so genannten Gelegenheitsbeobachtungen können dazu beitragen, unser Wissen über die Verbreitung oder das jahreszeitliche Auftreten von Brutvögeln stetig zu erweitern und Veränderungen zu dokumentieren. 

Monitoring seltener Brutvögel

Über die Bestandssituation und -trends einiger seltener, insbesondere der „charismatischen“ Brutvogelarten wie Seeadler, Schwarzstorch oder Bienenfresser, wissen wir dank jahrzehntelanger Datensammlungen bestens Bescheid. Für viele andere Arten wie Grauspecht, Wachtelkönig oder Schnatterente, die auch als „mittelhäufig“ bezeichnet werden, gab es bislang keine jährlichen, exakten Angaben zur Bestandsentwicklung. Für solche Arten wurde mit dem Aufbau von Monitoringmodulen des Monitorings seltener Brutvögel begonnen, die mit etwas Übung auch wenig erfahrenen Vogelbeobachterinnen und Vogelbeobachtern einen Einstieg und vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten bieten. Bei mehreren der neu aufgesetzten Monitoringmodule ist nur ein Erfassungsgang pro Jahr notwendig, mitunter werden auch nur einzelne Arten erfasst. Mitmachen können also auch alle, die wenig Zeit zur Verfügung haben oder noch nicht alle Vogelarten kennen. Die wenig zeitaufwändigen Methoden bieten gleichzeitig die Möglichkeit, sich an mehreren Monitoringmodulen vom zeitigen Frühjahr bis in den Sommer zu beteiligen und dadurch ganz unterschiedliche Arten zu erfassen.

Einige Arten treten nur sporadisch und oft an jährlich wechselnden Orten auf, beispielsweise Stelzenläufer, Zwergohreule, Zistensänger oder Grünlaubsänger. Es kann sich dabei um rein zufällige Ereignisse handeln, aber auch um Vorboten einer Ausweitung des Verbreitungsgebiets. Das wird meist erst viele Jahre später erkennbar. Es ist deshalb wichtig, derartige Entwicklungen bereits von Beginn an zu dokumentieren. Die Avifaunistischen Kommissionen übernehmen diese wichtige Aufgabe.

Monitoring häufiger Brutvögel

Das Monitoring häufiger Brutvögel liefert bundesweite Bestandstrends für derzeit 99 Vogelarten und wird auf den bundesweit repräsentativen Stichprobenflächen durchgeführt, die auch für andere bundesweite Monitoringprogramme verwendet werden wie beispielsweise das Monitoring von Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert. Am Monitoring häufiger Brutvögel beteiligen sich rund 1.300 Personen und bearbeiten jährlich etwa 1.700 Probeflächen.

Das Monitoring häufiger Brutvögel stellt vergleichsweise hohe Anforderungen an die Kartiererinnen und Kartierer: Alle auf einer Probefläche vorkommenden Vogelarten müssen optisch und akustisch sicher bestimmt werden können. Darüber hinaus ist es wichtig, auch bei den mitunter hohen Vogeldichten in Wäldern oder Siedlungen den Überblick zu behalten. Der Aufwand zur Teilnahme an diesem Monitoringprogramm ist mit vier Begehungen zwischen März und Juni überschaubar. Durch die neuen digitalen Möglichkeiten bei der Datenerfassung reduziert sich der Aufwand für die Datenaufbereitung und -auswertung bedeutend.

Aufbruch in die digitale Zukunft im Brutvogelmonitoring

Mit der Etablierung des Online-Meldeportals ornitho.de im Herbst 2011 durch den Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) wurde zunächst die Erfassung und Sammlung von Gelegenheitsbeobachtungen auf eine bundesweit einheitliche Basis gestellt; seit Ende 2014 können Beobachtungen direkt im Gelände mit der App NaturaList erfasst werden.

Seit 2019 ist die Meldung von Beobachtungen des Monitorings seltener Brutvögel über ornitho.de und seit 2020 über NaturaList möglich. Seit 2020 ist es möglich, die Kartierungen im Monitoring häufiger Brutvögel mit NaturaList mobil durchzuführen. Die Auswertung wird dadurch deutlich vereinfacht und erheblich beschleunigt – und die Beteiligung am Brutvogelmonitoring noch attraktiver.

Der Aufbruch in die digitale Zukunft des Brutvogelmonitorings bedeutet einerseits, dass Bestandsentwicklungen schneller erkannt werden können und die Ergebnisse für die Naturschutzarbeit eher verfügbar sind. Die Digitalisierung bedeutet aber auch, dass künftig die meiste Zeit dort verbracht werden kann, wo es am meisten Spaß macht: im Gelände – und nicht am Schreibtisch. Ornitho.de wird damit mehr und mehr zum Dreh- und Angelpunkt der Digitalisierung im Vogelmonitoring.

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