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Bundesamt für Naturschutz

Naturparke

Derzeit gibt es in Deutschland 103 Naturparke. Naturparke dienen sowohl dem Schutz und Erhalt der Kulturlandschaften mit ihrer Biotop- und Artenvielfalt als auch der Erholung, dem nachhaltigen Tourismus und einer dauerhaft umweltgerechten Landnutzung sowie auch der Bildung für nachhaltige Entwicklung.

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Die deutschen Nationalparke spiegeln die Vielfalt an Landschaften in Deutschland wider. Obwohl sich die Zahl der Nationalparke erhöht hat, ist ihr Anteil an der terrestrischen Landesfläche im europäischen Vergleich unterdurchschnittlich.
Naturparke in Deutschland

Naturparke (NRP) sind gemäß § 27 Abs. 1 BNatSchG "einheitlich zu entwickelnde und zu pflegende Gebiete, die

  1. großräumig sind, 
  2. überwiegend Landschaftsschutzgebiete oder Naturschutzgebiete sind, 
  3. sich wegen ihrer landschaftlichen Voraussetzungen für die Erholung besonders eignen und in denen ein nachhaltiger Tourismus angestrebt wird, 
  4. nach den Erfordernissen der Raumordnung für die Erholung vorgesehen sind, 
  5. der Erhaltung, Entwicklung oder Wiederherstellung einer durch vielfältige Nutzung geprägten Landschaft und ihrer Arten- und Biotopvielfalt dienen und in denen zu diesem Zweck eine dauerhaft umweltgerechte Landnutzung angestrebt wird, 
  6. besonders dazu geeignet sind, eine nachhaltige Regionalentwicklung zu fördern.

Naturparke dienen sowohl dem Schutz und Erhalt der Kulturlandschaften mit ihrer Biotop- und Artenvielfalt - dies wird v. a. über Landschaftsschutzgebiete und Naturschutzgebiete gewährleistet - als auch der Erholung, dem natur- und umweltverträglichen Tourismus und einer dauerhaft natur- und umweltverträglichen Landnutzung sowie auch der Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Naturparke in Deutschland

In Deutschland gibt es gemäß den Ländermeldungen derzeit 103 Naturparke. Mit einer Gesamtfläche von über 10,1 Mio. ha decken die Naturparke etwa 28,4 % der Landesfläche Deutschlands ab. In den einzelnen Bundesländern variieren die Flächenanteile der Naturparke.

Insgesamt hat der Flächenanteil an Naturparken von 1998 bis Ende 2020 um 42 % (dies entspricht ca. 3,0 Mio. ha) zugenommen. Innerhalb der Naturparke liegt der Flächenanteil der Schutzgebiete bei ca. 56 %. Der Naturschutzgebiets-Flächenanteil in den Naturparken beträgt deutschlandweit knapp 5 %, wobei bundesweit Unterschiede bestehen.

Historisches

Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es erste Aktivitäten für den flächenhaften Erhalt von Naturlandschaften. So wurden in der Lüneburger Heide 1906 erstmalig von einem Zusammenschluss von Privatleuten Flächen für Naturschutzzwecke erworben. Zusammen mit dem privaten "Verein Naturschutzpark e.V." (VNP), welcher 1909 gegründet und mit der Bewahrung schützenswerter Landschaften und Kulturdenkmäler beauftragt wurde (vgl. WEBER 2013), wurden weitere Flächen der Lüneburger Heide aufgekauft und der erste Naturschutzpark in Deutschland gegründet.

Dr. Alfred Toepfer, Vorsitzender des VNP, forderte 1956 die Gründung von 25 Naturschutzparken. Nach Toepfer sollen durch Naturschutzparke Landschaften nicht nur geschützt werden, sondern auch als "Oasen der Ruhe" dem Menschen zur Erholung zur Verfügung stehen. So wurde 1956 aus dem Naturschutzpark Lüneburger Heide der erste Naturpark Deutschlands. 1957 präsentierte der VNP eine Liste mit Gebietsvorschlägen für die von Toepfer geforderten Naturparke. Der Begriff "Naturpark" löste dabei endgültig die Bezeichnung "Naturschutzpark" ab (vgl. LIESEN et al. 2008).

Auf den Naturpark Lüneburger Heide folgten 1957 der Naturpark Hoher Vogelsang und 1958 die Parke Südeifel, Pfälzerwald und Siebengebirge. Im Jahre 1963 wurde der Verband Deutscher Naturparke (VDN) gegründet, welcher als Dachverband bis heute die einzelnen Naturparke verbindet und in ihrer Arbeit unterstützt. Toepfers Ziel von 25 Naturparken wurde bereits zwei Jahre später, 1965, erreicht. Bis zur deutschen Wiedervereinigung 1990 stieg die Zahl der Naturparke in Westdeutschland auf 62 an.

Im September 1990 wurde in der DDR das sogenannte "Nationalparkprogramm" verabschiedet, wonach insgesamt 14 Großschutzgebiete, darunter drei Naturparke, ausgewiesen wurden. Diese Großschutzgebiete waren Bestandteil des deutsch-deutschen Einigungsvertrages und ergänzten nach der Wiedervereinigung das System der westdeutschen Großschutzgebiete. In den neuen Bundesländern wurden in den kommenden Jahren weitere Gebiete als Naturparke ausgewiesen. Schließlich wurde 1997 das Aufgabenspektrum der Naturparke neu und allgemeingültig definiert und durch den breiteren Handlungsrahmen der ostdeutschen Naturparke erweitert: Die Schwerpunkte Umweltbildung und nachhaltige Regionalentwicklung wurden dabei mit in den Aufgabenkatalog integriert.

2001 wurden zehn Leitpunkte für Naturparke formuliert und dem Aspekt "Schutz durch Nutzen" eine stärkere Bedeutung zugeschrieben. Bis auf den Punkt "Umweltbildung" wurden 2002 die nachfolgenden Handlungsfelder in den novellierten § 27 des BNatSchG festgeschrieben. In der Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes von 2017 wurde dann die Aufgabe "Bildung für nachhaltige Entwicklung" ergänzt.

Das "Petersberger Programm" von 2006, in dem die Entwicklungsschwerpunkte der Naturparke neu festgelegt wurden, bildet zusammen mit den Aufgaben und Zielen der Naturparke (VDN 2009) und der Qualitätsoffensive Naturparke" die Grundlage für die Arbeit in Naturparken sowie deren Weiterentwicklung in den kommenden Jahren.

Handlungsfelder der Naturparkearbeit

Naturschutz und Landschaftspflege

Der Anteil an Naturschutz-, Landschaftsschutz- und NATURA 2000-Gebieten in Naturparken ist im bundesweiten Vergleich überdurchschnittlich hoch und entspricht dem Anspruch an Naturparken, als wichtige Akteure zum Arten- und Biotopschutz beizutragen. Durch verschiedene Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen sollen die Naturräume erhalten und biologische Vielfalt gefördert werden. Außerdem sollen die Naturparke zu der Entwicklung eines Schutzgebietsnetzes beitragen und durch Biotopvernetzungsmaßnahmen einer zunehmenden Zerschneidung von Landschaft und Lebensräumen entgegenwirken. Die Aufgabe und besondere Verantwortung, die allen Schutzgebieten bei der Erhaltung der biologischen Vielfalt zukommt, wurde 2004 von der 7. Vertragsstaatenkonferenz der Biodiversitätskonvention ausdrücklich betont. Ein Großteil der Naturparkflächen wird von Kulturlandschaften eingenommen, daher müssen die Bewirtschaftung der Flächen umweltverträglich gestaltet und historische Kulturlandschaftselemente geschützt werden.

Nachhaltige Regionalentwicklung

Aufgrund ihrer Zielsetzung, den Schutz und die Nutzung der Kulturlandschaften miteinander zu verbinden, sollen Naturparke verstärkt Funktionen im Rahmen einer integrierten nachhaltigen Entwicklung von Regionen wahrnehmen. Ziel ist es, die ländlichen Räume zu stärken und eine eigenständige Entwicklung dieser Gebiete zu fördern. Eine Nutzung der vorhandenen ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Strukturen (z. B. besondere Landschaften, traditionelles Handwerk oder regionstypische Bräuche) sollen zur Identitätsstiftung beitragen und die Potenziale der Regionen ausnutzen, um diese als Ganzes aufzuwerten. Die Naturparke wirken dabei nicht nur als eigenständige Akteure, sondern auch als Verbindungsstelle für die verschiedenen Beteiligten. so kann z. B. durch die Entwicklung der Parke als eigenständige Marke nicht nur der Park an sich beworben werden, sondern auch zur Vermarktung von regionalen Produkten und für Kooperationen genutzt werden.

Erholung und nachhaltiger Tourismus

Es sollen umweltverträgliche Tourismus- und Naturerlebnisangebote entwickelt und in den ständigen Angebotskatalog der Naturparke mit aufgenommen werden. Ziel ist dabei, dass die Besucher unberührte Natur erleben können, ohne die sensiblen Lebensräume zu gefährden. Dies kann beispielsweise mit einem durchdachten Besucherlenkungskonzept erreicht werden. Eine Einbindung in überregionale Vermarktungskonzepte soll die Position und Wahrnehmung der Naturparke als Urlaubsgebiet auch über die Region hinaus fördern. Durch Kooperationen mit ansässigen Händlern, Gastonomie oder Übernachtungsanbietern soll der Tourismus auch im Sinne einer nachhaltigen Regionalentwicklung genutzt werden.

Umweltbildung und Kommunikation

Durch den gezielten Einsatz von Umweltbildungs- und Öffentlichkeitsmaßnahmen werden die Besucher eines Naturparks über die natürlichen und kulturellen Besonderheiten sowie die Bedeutung des Parks innerhalb der Region informiert. Durch Umweltbildung soll ein grundlegendes Interesse und Bewusstsein für verschiedenste Umweltthemen, wie vorkommende Tier- und Pflanzenarten oder ökologische Zusammenhänge, vermittelt werden. Probleme und Herausforderungen im Natur- und Klimaschutz können durch Schautafeln oder Informationsmaterial veranschaulicht dargestellt werden. Neben der Informations- und Aufklärungsarbeit sollen Besucher und Einwohner auch zur aktiven Beteiligung, z.B. durch ehrenamtliche Mitarbeit, an der Naturparkearbeit angeregt werden.

Rahmenbedingungen und Herausforderungen in der Umsetzung

Nach wie vor besteht eine große Heterogenität unter den deutschen Naturparken: Das gesetzlich vorgegebene Ziel der Pflege und Entwicklung wird in den einzelnen Naturparken und Bundesländern sehr unterschiedlich verfolgt. Ursachen hierfür liegen u.a. in den von Trägern und Ländern geschaffenen strukturellen Rahmenbedingungen, an je nach Land unterschiedlichen Gesetzesvorgaben und Schwerpunktsetzungen in den Naturpark-Konzepten und Naturparksatzungen oder auch an den unterschiedlichen Ausrichtungen der Naturpark-Trägerorganisationen. Teilweise sind die Naturparkverwaltungen Bestandteil der Landesumweltverwaltung, teilweise haben Vereine und Zweckverbände die Naturparkträgerschaft übernommen. In einigen Bundesländern ist die Erstellung von Naturparkplänen vorgeschrieben. Eine ausreichende finanzielle und personelle Ausstattung möglichst eigenständiger Verwaltungen sollte ebenso gewährleistet werden wie die Erstellung regelmäßig fortzuschreibender Naturparkpläne (vgl. FORST & SCHERFOSE 2010). Für die Aufstellung und Fortschreibung von Naturparkplänen wurde über ein Forschungs- und Entwicklungsvorhaben "Optimierte Umsetzung von Naturparkplänen", das vom Bundesamt für Naturschutz initiiert und mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gefördert wurde, ein Leitfaden für die Praxis (vgl. VDN 2008) erstellt.

Qualitätsoffensive Naturparke

Vor dem Hintergrund, den Zielen und Aufgaben des Leitbilds "Entwicklung zu großräumigen Vorbildlandschaften" gerecht zu werden (vgl. VDN 2009), startete der Verband Deutscher Naturparke e. V. (VDN) in Kooperation mit EUROPARC Deutschland e. V. im Sommer 2005 die "Qualitätsoffensive Naturparke". Im Rahmen eines vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit geförderten Forschungs- und Entwicklungsvorhabens wurde ein bundesweit einheitlicher Kriterienkatalog zur Evaluierung der deutschen Naturparke erarbeitet. Im Detail werden die organisatorischen Einzelheiten sowie die oben aufgeführten Handlungsfelder evaluiert. Eine Teilnahme findet auf freiwilliger Basis statt.

Zentrales Ziel der Qualitätsoffensive, welches auch einen herausragenden Bestandteil bei den zahlreichen Aktionen und Veranstaltungen anlässlich des Jahres der Naturparke 2006 (50 Jahre Naturparke in Deutschland) darstellte, ist dabei eine kontinuierliche Verbesserung der Arbeit der Naturparke. Die Qualitätsoffensive soll außerdem von den Naturparken genutzt werden können, um das Einwerben von finanziellen Mitteln und den Umgang mit Entscheidungsträgern und (potenziellen) Förderern zu erleichtern.

Teilnehmende Parke dürfen, je nach erreichten Punkten, für fünf Jahre mit der Auszeichnung "Qualitäts-Naturpark" oder als Partner Qualitätsoffensive Naturparke" werben. Anfang 2018 verfügten 84 Naturparke (von insgesamt 105) über eine gültige Auszeichnung. Best practice-Beispiele aus der deutschen Naturparkearbeit finden sich in den Veröffentlichungen von FORST & SCHERFOSE 2010 und 2016.

Ausblick - Internationales

2013 unterzeichnete der Verband Deutscher Naturparke zusammen mit den Naturpark-Dachvereinigungen der Länder Frankreich, Schweiz, Österreich, Ungarn und Slowenien sowie dem europäischen Dachverband EUROPARC Federation die "Europäische Naturparke-Erklärung". Unter dem Motto "Europa braucht Naturparke: Starke Naturparke  - starke ländliche Räume" wurde im Rahmen der Europa 2020-Strategie die Bedeutung der Naturparke für die Regionalentwicklung in Europa besonders hervorgehoben. Naturparke sollen jedoch nicht nur eigene Projekte und Programme umsetzen, sondern auch als Koordinierungsstelle zwischen den verschiedenen national und international Beteiligten (z. B. Institutionen, Regierung, Wirtschaft) vernetzend wirken. Wissen und Erfahrungen sollen dadurch einfacher zwischen den europäischen Naturparken ausgetauscht werden können. In einem verbindlichen 10-Punkte-Programm "zur Stärkung der ländlichen Räume in Europa durch Stärkung der Naturparke" werden die einzelnen Aufgaben aufgelistet und ausgeführt.

Gefördert vom BfN und BMU führte der VDN von 2014 - 2017 in Kooperation mit EUROPARC-Federation und weiteren europäischen Naturpark-Dachverbänden das internationale Vorhaben "Impulse der Naturparkarbeit aus europäischen Staaten für die Weiterentwicklung der Naturparke in Deutschland und Europa" durch. Im Sinne der Europäischen Naturparke-Erklärung wurden in diesem Vorhaben Erfahrungen ausgetauscht und die Zusammenarbeit verbessert. Es wurde u.a. untersucht, inwieweit erfolgreiche Konzepte auch auf andere europäische Naturparke übertragen werden können. Beispielhaft kann hier die deutsche Qualitätsoffensive genannt werden, die evtl. angepasst auch in anderen Staaten aufgegriffen werden könnte. Die Projektergebnisse sind in der Broschüre "Landschaften voller Leben" veröffentlicht (VDN 2017).

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