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Bundesamt für Naturschutz

Naturschutzgebiete

Naturschutzgebiete sind rechtsverbindlich festgesetzte Gebiete, in denen ein besonderer Schutz von Natur und Landschaft in ihrer Ganzheit oder in einzelnen Teilen erforderlich ist. Die Schutzgebietskategorie gibt es seit 1920.

Karte

Naturschutzgebiete gehören – neben Nationalparken – zu den sehr streng geschützten Flächen in Deutschland. Die Fläche der Naturschutzgebiete in Deutschland hat um fast ein Drittel zugenommen. Die meisten Naturschutzgebiete sind jedoch relativ klein, wodurch sie anfälliger gegen äußere Einflüsse wie Nährstoffeintrag oder Entwässerung sind.
Naturschutzgebiete in Deutschland

Historisches

Die Schutzgebietskategorie „Naturschutzgebiet“ (NSG) wurde erstmals im Preußischen Feld- und Forstpolizeigesetz (PrFFGG) aus dem Jahre 1920 rechtlich verankert (andere Staaten Deutschlands zogen später nach). Danach kann das Neandertal als das erste deutsche NSG betrachtet werden (festgesetzt am 9. August 1921), gefolgt von der Lüneburger Heide (festgesetzt am 29. Dezember 1921) und dem Siebengebirge (festgesetzt am 7. Juni 1922). Im Jahre 1923 waren 12 Gebiete als NSG gesichert. Erst mit dem Reichsnaturschutzgesetz aus dem Jahr 1935 kam die Kategorie „Naturschutzgebiet“ gesamtstaatlich zum Tragen. Im Jahre 1936 waren bereits 98 Gebiete als Naturschutzgebiet rechtlich gesichert. 

Dennoch gab es schon vor 1920 Flächenschutzbemühungen, die zu ähnlichen Resultaten wie Naturschutzgebieten führten. Die ersten Schutzgebiete, die mehr oder weniger analog zum Naturschutzgebiet durch Verfügungen oder Polizeiverordnungen kombiniert mit Flächensicherungen verschiedenster Art überwiegend als flächenhafte Naturdenkmale geschützt wurden, wären bei einer solchen Betrachtung u. a. die Gebiete:

  • Bamberger Hain (1804)
  • Drachenfels im Siebengebirge (1836)
  • Hochstein/Totenstein in der Oberlausitz (1844)
  • Neuenburger Urwald in Ostfriesland (1850)
  • Teufelsmauer im Harzvorland (1852)
  • Hasbruch bei Oldenburg (1889)
  • Plagefenn in der Schorfheide (1907)
  • Sababurg im Reinhardswald (1907)
  • Arterner Solgraben im Kyffhäuserkreis (1908)
  • Insel Trischen und Hallig Norderoog im schleswig-holsteinischen Wattenmeer (1909)
  • Insel Langenwerder in der Wismarbucht (1910)
  • Pflanzenschonbezirk Berchtesgadener Alpen (1910)
  • Wilder See im Nordschwarzwald (1911)

Naturschutzgebiete in Deutschland

Mit Stand 12/2017 verfügt Deutschland über 8.833 Naturschutzgebiete. Die Naturschutzgebietsfläche in Deutschland (inklusive der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) und der 12 Seemeilen Zone in Nord- und Ostsee) beträgt 2.627.510 ha. Dies entspricht 6,3 % der Gesamtfläche. Überdurchschnittliche Flächenanteile von Naturschutzgebieten weisen die AWZ, das Saarland (9 %), Schleswig-Holstein (8,4 %), Nordrhein-Westfalen (8,1 %) und Brandenburg (8 %) sowie die Stadtstaaten Bremen (8,6) und Hamburg (7,2 %) auf. Unterdurchschnittlich sind die NSG-Anteile in den Bundesländern Rheinland-Pfalz, Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Thüringen sowie Berlin. Auch innerhalb der einzelnen Bundesländer bestehen z.T. große Unterschiede.

Flächengröße der Naturschutzgebiete

Die durchschnittliche Größe eines Naturschutzgebietes liegt bei 297 ha. Ca. 60 % aller Naturschutzgebiete sind kleiner als 50 ha, sie sind damit oft nicht ausreichend gegen negative Außenfaktoren wie Entwässerung und Eutrophierung abgepuffert. Nur ca. 15 % umfassen eine Fläche von 200 ha oder mehr. Großflächige Naturschutzgebiete weisen besonders die Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen sowie die Ausschließliche Wirtschaftszone in der deutschen Nord- und Ostsee auf. In den Ländern Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg liegen die durchschnittlichen NSG-Größen hingegen deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt. Insgesamt weisen 244 Gebiete eine Fläche von 1.000 ha und mehr auf.

In welchem Maße ein Naturschutzgebiet seine Schutzfunktion erfüllen kann, hängt nicht zuletzt von seiner Flächengröße ab. Kleine Naturschutzgebiete werden aufgrund ihrer Insellage und wegen der im Verhältnis zu ihrer Fläche langen Grenze stärker von ihrer Umgebung beeinflusst als große Naturschutzgebiete und zeichnen sich daher oft durch einen schlechteren Erhaltungszustand aus. Im Hügel- und Bergland ist die Ausweisung von Naturschutzgebieten differenzierter und kleinflächiger, während im norddeutschen Tiefland offensichtlich großflächiger ausgewiesen wird.

Die größten Naturschutzgebiete Deutschlands sind nachfolgend aufgeführt:

Naturschutzgebiete Deutschlands > 5.000 ha (Stand: 03.09.2019)

Naturschutzgebiet Land Größe [ha] prägende Biotoptypen (Bemerkungen)
Sylter Außenriff-Östliche Deutsche Bucht AWZ 560.300 Nordsee-Ökosysteme
Pommersche Bucht AWZ 209.200 Ostsee-Ökosysteme
Doggerbank AWZ 169.200 Nordsee-Ökosysteme
Nordfriesisches Wattenmeer SH 136.570 Wattenmeer-Biotoptypen (NSG ist gleichzeitig Teil des Nationalparks)
Borkum Riffgrund AWZ 62.500 Nordsee-Ökosysteme
Ammergebirge BY 28.877 Montane Mischwälder bis (sub)alpine Biotoptypen
Fehmarnbelt AWZ 28.000 Ostsee-Ökosysteme
Lüneburger Heide NI 23.315 Buchen- und Eichenmischwälder, Heiden, Kiefernforste
Allgäuer Hochalpen BY 20.797 (sub)alpine Biotoptypen
Wattenmeer nördlich Hindenburgdamm SH 20.188 Wattenmeer-Biotoptypen (NSG ist gleichzeitig Teil des Nationalparks)
Karwendel und Karwendelvorgebirge BY 19.348 (sub)alpine Biotoptypen
Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft SN 13.000 Kiefernforste, Teiche (NSG ist gleichzeitig Teil des BR Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft)
Nationalpark Unteres Odertal BB 10.445 Auengrünland, Gewässer (gleichzeitig Nationalpark)
Ohre-Drömling ST 10.365 Grünland, Feuchtwälder, Fließgewässer, Gräben
Borkum Riff NI 10.125 Nordsee-Ökosysteme
Kadetrinne AWZ 10.000 Ostsee-Ökosysteme
Östliche Chiemgauer Alpen BY 9.863 (sub)alpine Biotoptypen
Heidehof - Golmberg BB 9.834 Heiden, Primärwälder
Stechlin BB 8.658 Buchenwälder, Kiefernforste, Stillgewässer, Moore
Niedersächsischer Mündungstrichter der Elbe NI 8.400 Watt- und Wasserflächen
Peenemünder Haken, Struck und Ruden-Gebietsteil A MV 7.548 Ökosysteme der Ostsee, Salzwiesen, Dünen
Kleine Schorfheide BB 7.375 Heiden, Primärwälder, Kiefernforste
Forst Zinna - Jüterbog -Keilberg BB 7.193 Heiden, Primärwälder, Kiefernforste, Dünen
Königsbrücker Heide SN 7.000 Primarwälder, Kiefernforste, Heiden
Peenetal von Salem bis Jarmen MV 6.716 Durchströmungsmoore
Lieberoser Endmoräne BB 6.714 Heiden, Primärwälder, Kiefernforste, Moore
Aland-Elbe-Niederung ST 6.009 Grünland und Auenökosysteme der Elbe
Grumsiner Forst/Redernswalde BB 5.850 Buchen(misch)wälder (NSG ist gleichzeitig Teil des BR Schorheide-Chorin)
Innerer Oberspreewald BB 5.643 Erlenbruchwälder, Fließe (NSG ist gleichzeitig Teil des BR Spreewald)
Nuthe-Nieplitz-Niederung BB 5.567 Grünland, Stillgewässer
Havelländisches Luch BB 5.530 Niederungslandschaft der Havel
Helgoländer Felssockel SH 5.138 Flachwasserzone und Riffe der Nordsee
Naturschutzgebiet Warndt SL 5.061 Buchen- und Eichen-Hainbuchenwälder, Auenwälder, Mähwiesen, Borstgrasrasen
Kienhorst/Köllnseen/Eichheide BB 5.005 Kiefernwälder, mesotrophe Seen und Moore (NSG ist gleichzeitig Teil des BR Schorheide-Chorin)

Viele Naturschutzgebiete werden durch Nutzungen weiterhin beeinträchtigt. Hierbei handelt es sich insbesondere um verschiedene Formen der Freizeitnutzung, Land- und Forstwirtschaft, Wasserwirtschaft und Verkehr. Deshalb können die per Verordnung in den Naturschutzgebieten festgelegten Naturschutzziele bestimmte Nutzungsformen einschränken oder Gebote und Verbote zur Folge haben.

Entwicklung der NSG seit 1968

Nachfolgende Grafik zeigt die Entwicklung der Naturschutzgebiete in Deutschland seit 1968 mittels der Anzahl der Gebiete sowie des Flächenanteils in Bezug zur Gesamtfläche Deutschlands. Erkennbar ist, dass es infolge der zunehmenden Biodiversitätskrise insbesondere im Zeitraum von 1980 bis 2010 zu einer deutlichen Zunahme der Ausweisung von Naturschutzgebieten kam.

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