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Bundesamt für Naturschutz

FFH Bericht 2013

Mit dem dritten Nationalen Bericht (Berichtsperiode 2007 - 2012) gemäß Art. 17 FFH-Richtlinie wird zum zweiten Mal ein umfassender Bericht über den Erhaltungszustand der Lebensraumtypen und Arten der FFH-Richtlinie vorgelegt. Der Nationale Bericht 2013 beinhaltet die Bewertung der Erhaltungszustände von 92 Lebensraumtypen, 195 Einzelarten sowie vier Artengruppen.

Erstmalig konnten umfangreiche Ergebnisse des bundesweiten FFH-Monitorings gemäß Art. 11 FFH-Richtlinie für die Lebensraumtypen des Anhangs I sowie der Arten der Anhänge II und IV in den FFH-Bericht einfließen. Weiterhin konnten für die Zustandsbewertung der häufigen Waldlebensraumtypen die Ergebnisse der dritten Bundeswaldinventur (BWI 2012) integriert werden. Damit basiert der Nationale Bericht auf einer sehr umfangreichen, bundesweit einheitlich erhobenen Datengrundlage. Bericht und Monitoring dienen der Bilanzierung von Erfolgen, zeigen den Handlungsbedarf auf und machen erstmalig auch Aussagen zur Effizienz des Netzes Natura 2000. Eine weitere wesentliche Zielsetzung des Nationalen Berichts 2013 besteht in der Aktualisierung der Bewertungen zu den Erhaltungszuständen der Lebensraumtypen und Arten der FFH-Richtlinie sowie im Vergleich mit den Bewertungen des Berichtes 2007. Voraussetzungen hierfür waren, trotz Neuerungen in der Methodik zur Erstellung des Berichts, unveränderte Bewertungsmatrices sowie gleiche Bewertungsparameter und -prinzipien. Dementsprechend kommt der Analyse der Veränderungen der Erhaltungszustände der Schutzgüter durch die Ableitung von Entwicklungstrends und der ihnen zugrunde liegenden Ursachen im Bericht 2013 eine besondere Bedeutung zu.

Ergebnisübersicht

Übersicht zur Bewertung der Erhaltungszustände der Lebensraumtypen

Es wurden über die drei biogeographischen Regionen insgesamt 192 Bewertungen des Erhaltungszustands der Lebensraumtypen vorgenommen, wobei zahlreiche Lebensraumtypen in mehreren Regionen auftreten.

Die Bewertung des Erhaltungszustandes der Lebensraumtypen basiert auf Einzelbewertungen zu den Parametern "Verbreitungsgebiet", "Fläche", "Spezifische Strukturen und Funktionen" sowie "Zukunftsaussichten". Diese vier Parameter werden jeweils als "günstig" (grün/ FV), "ungünstig-unzureichend" (gelb/U1) oder "ungünstig-schlecht" (rot/U2) bewertet bzw. bei nicht ausreichenden Daten als "unbekannt" (grau/XX) eingestuft.

Übersicht zur Bewertung der Erhaltungszustände der Arten

Es wurden über die drei biogeographischen Regionen insgesamt 363 Bewertungen des Erhaltungszustand von Arten sowie 11 Bewertungen von Artengruppen vorgenommen (zusammen 374 Bewertungen), wobei zahlreiche Arten bzw. Artengruppen in mehreren Regionen auftreten.

Unter Einbeziehung der Sammelarten (Rentierflechten, Bärlappe, Torfmoose sowie Fischarten des Coregonus- lavaretus-Formenkreises) ergeben sich folgende Anzahlen bewerteter Taxa pro Region: atlantisch: 106, kontinental: 184, alpin: 84.

Die Bewertung des Erhaltungszustandes der Arten basiert auf Einzelbewertungen zu den Parametern "Verbreitungsgebiet", "Population", "Habitat" sowie "Zukunftsaussichten". Diese vier Parameter werden jeweils als "günstig" (grün/ FV), "ungünstig-unzureichend" (gelb/U1) oder "ungünstig-schlecht" (rot/U2) bewertet bzw. bei nicht ausreichenden Daten als "unbekannt" (grau/XX) eingestuft. 

Übersicht zur Bewertung der Erhaltungszustände der Lebensraumtypen nach Formationen und biogeografischen Regionen

Im Grünland sind in der atlantischen und in der kontinentalen biogeografischen Region keine Lebensraumtypen mit günstigem Erhaltungszustand vorhanden. Auch die Binnengewässer weisen in der atlantischen Region keinen einzigen LRT mit günstigem Erhaltungszustand auf. 

Ein durchweg ungünstiger Erhaltungszustand liegt außerdem für die Moore, Sümpfe und Quellen für die atlantische und die kontinentale Region vor (Feuchtlebensräume des Offenlandes).

Positiv fallen hingegen die Felsen und Schutthalden auf, bei denen für alle LRT über alle drei Regionen hinweg alle Bewertungen des Erhaltungszustands als günstig eingestuft wurden.

Für diese Übersicht wurden Lebensraumtypen-Gruppen nach Formationen gebildet. In den Formationen finden sich folgende Lebensraumtypen wieder (angegeben sind die EU-Codes der Lebensraumtypen):

  • Meere und Küsten: LRT-Gruppen 1xxx (ohne 1340), 2xxx (ohne 2180 und 23xx) 
  • Binnengewässer: LRT-Gruppe 3xxx
  • Felsen und Schutthalden: LRT-Gruppe 8xxx, ohne 8340
  • Gletscher: nur LRT 8340
  • Grünland: LRT-Gruppe 6xxx, inkl. 2330
  • Heiden und Gebüsche: 2310, 2320, LRT-Gruppen 4xxx, 5xxx
  • Moore, Sümpfe und Quellen: LRT-Gruppe 7xxx inkl. 1340
  • Wälder: LRT-Gruppe 9xxx, inkl. 2180

Übersicht über Zahlenangabe und Status erstmals im FFH­ Bericht enthaltener Arten und Lebensraumtypen

Im nationalen Bericht 2013 wurden die Erhaltungszustände von 92 Lebensraumtypen und 195 Arten sowie 4 Artengruppen bewertet. Darunter befinden sich acht Arten die im Vergleich zum Bericht 2007 in mindestens einer biogeografischen Region neu bzw. wiedergefunden worden sind. Für weitere 14 Arten liegt eine verbesserte Datenlage oder eine taxonomische Aufspaltung vor bzw. ist 2007 irrtümlich nicht berichtet worden.

Bei den Lebensraumtypen kam im Bericht 2013 erstmals die Bewertung des Typs 4080 „Subarktisches Weidengebüsch“ in der alpinen Region hinzu. Eine Statusänderung der Lebensraumtypen 9120 „Atlantische bodensaure Buchen-Eichenwälder mit Stechpalme“ und 2320 „Sandheiden mit Krähenbeere auf Binnendünen“ in der kontinentalen Region in „marginal“ hat dazu geführt, dass über diese Lebensraumtypen 2013 nicht mehr berichtet wurde.
Deutscher Artname Wissenschaftlicher Artname Region Erläuterung
Atlantischer Stör Acipenser sturio ATL, KON In Berichtsperiode 2007-2012 begonnenes Wiederansiedlungsprojekt für die in Deutschland ausgestorbene Art
Sandfelchen Coregonus arenicolus KON 2007 in Coregonus lavaretus-Formenkreis enthalten. Verbesserte Datenlage.
Ammersee-Kilch Coregonus bavaricus KON 2007 in Coregonus lavaretus-Formenkreis enthalten. Verbesserte Datenlage.
Große Maräne Coregonus holsatus KON 2007 in Coregonus lavaretus-Formenkreis enthalten. Verbesserte Datenlage.
Gangfisch Coregonus macropthalmus KON 2007 in Coregonus lavaretus-Formenkreis enthalten. Verbesserte Datenlage.
„Nordsee-Schnäpel“ Coregonus oxyrhynchus ATL 2007 nicht berichtet, da Status der Art in Deutschland unklar war (Taxonomie / verbesserte Kenntnisse).
Blaufelchen Coregonus wartmani KON 2007 in Coregonus lavaretus-Formenkreis enthalten. Verbesserte Datenlage.
Stromgründling Romanogobio belingi KON Erstmals berichtet aufgrund Artaufspaltung: 2007 unter dem Namen Gobio alpinnatus gefasst.
Steingressling Romanogobio uranuscopus KON Wiederfund (verbesserte Kenntnisse) in Berichtsperiode 2007-2012 (galt als ausgestorben).
Donau-Stromgründling Romanogobio vladykovi KON Erstmals berichtet aufgrund Artaufspaltung: 2007 unter dem Namen Gobio alpinnatus gefasst.
Baltischer Goldsteinbeißer Sabanejewia baltica KON Neufunde in Berichtsperiode 2007-2012. Erstnachweis in Deutschland 2001, aber erst in den letzten Jahren Nachweis einer Population. Im Oder-System in Polen seit 1985 bekannt. Anscheinend Einwanderung.
Nymphenfledermaus Myotis alcathoe ATL Erstnachweis in Berichtsperiode 2007-2012. Die Art wurde erst 2001 neu beschrieben (früher als Große/Kleine Bartfledermaus erfasst). Erstnachweis in Deutschland 2005 in BW. Verbreitung in Deutschland wird daher erst langsam bekannt (Artaufspaltung / verbesserte Kenntnisse).
Wolf Canis lupus ATL Wieder-Einwanderung in Berichtsperiode 2007-2012 (galt als ausgestorben).
Zwergwal Balaenoptera acutorostrata ATL In Berichtsperiode 2001-2006 regelmäßiges Auftreten in der deutschen AWZ noch nicht bekannt. Aufgrund verbesserter Kenntnisse in den Bericht 2013 aufgenommen.
Weißschnauzendelphin Lagenorhynchus albirostris ATL In Berichtsperiode 2001-2006 regelmäßiges Auftreten in der deutschen AWZ noch nicht bekannt. Aufgrund verbesserter Kenntnisse in den Bericht 2013 aufgenommen.
Gruben-Goldlaufkäfer Carabus variosus nodulosus KON 2007 nicht berichtet, da der Status der Art / Unterart zum Zeitpunkt der Aufnahme in Anhang II (2004) noch nicht abschließend geklärt war (Taxonomie / Verbesserte Kenntnisse).
Moor-Wiesenvögelchen Coenonympha oedippus KON Galt jahrzehntelang als ausgestorben, 1996 wiederentdeckt in BY. Im Bericht 2007 aus Schutzgründen nicht enthalten.
Zierliche Moosjungfer Leucorrhinia caudalis ATL Wiederfunde in der Berichtsperiode 2007-2012. In der atl. Region am Westrand ihres Verbreitungsgebiets. Anscheinend in Ausbreitung.
Blanke Windelschnecke Vertigo genesii ALP Wiederfund (verbesserte Kenntnisse) in Berichtsperiode 2007-2012 (galt als ausgestorben).
Moor-Steinbrech Saxifraga hirculus KON 2007 irrtümlich nicht berichtet (war bereits 2007 ausgestorben).
Firnisglänzendes Sichelmoos Hamatocaulis vernicosus ATL Wiederfund (verbesserte Kenntnisse) in Berichtsperiode 2007-2012 (galt als ausgestorben).
Rogers Kapuzenmoos Orthotrichum rogeri ATL Neufunde (verbesserte Kenntnisse / Ausbreitung?) in Berichtsperiode 2007-2012 (war für die atlantische Region auch historisch nicht belegt).
 

Ergebnisvergleich 2007 - 2013

Die Tabelle gibt für die Nationalen Berichte 2007 und 2013 einen Überblick über die Anzahlen und prozentualen Anteile der Arten und Lebensraumtypen in den Bewertungskategorien des Erhaltungszustands. Die Darstellung erfolgt differenziert nach biogeographischen Regionen. Für beide Berichte wurden die Artengruppen bzw. die Einzelarten der Torfmoose, Flechten (Sektion Cladina), Bärlappe sowie des Coregonus-lavaretus-Formenkreises nicht berücksichtigt.

Erhaltungszustände 2007 und 2013 nach biogeografischen Regionen im Vergleich

 
      Arten     LRT    
      ATL KON ALP ATL KON ALP
günstig 2007 Anzahl 20 33 34 18 21 26
    Anteil 21% 19% 40% 28% 25% 60%
  2013 Anzahl 21 40 30 11 15 28
    Anteil 20% 22% 38% 17% 18% 64%
unzureichend 2007 Anzahl 34 52 17 16 42 11
    Anteil 35% 31% 20% 25% 49% 26%
  2013 Anzahl 27 70 16 22 42 11
    Anteil 26% 39% 20% 34% 51% 25%
schlecht 2007 Anzahl 34 58 9 28 18 3
    Anteil 35% 34% 10% 43% 21% 7%
  2013 Anzahl 40 56 9 31 25 3
    Anteil 39% 31% 11% 48% 30% 7%
unbekannt 2007 Anzahl 8 27 26 3 4 3
    Anteil 8% 16% 30% 5% 5% 7%
  2013 Anzahl 15 14 25 1 1 2
    Anteil 15% 8% 31% 2% 1% 5%

Bei der Interpretation der Ergebnisse ist zu berücksichtigen, dass sich die Gesamtheit der Arten und Lebensraumtypen jeweils in den beiden Berichten unterscheidet. Bei den Arten kamen 22 Arten hinzu, über die 2007 aus unterschiedlichen Gründen nicht berichtet wurde. Gleichzeitig ist eine Reihe von Arten, über die 2007 noch berichtet wurde, weggefallen. Dies betrifft vor allem die Torfmoose, Flechten (Sektion Cladina) und Bärlappe, über die 2007 einzeln, 2013 aber nur noch als Sammelgruppe berichtet wurde. Bei den Lebensraumtypen sind in der alpinen Region die subalpinen Gebüsche (LRT 4080) hinzugekommen. In der kontinentalen Region ist hingegen die Bewertung der Lebensraumtypen 2330 und 9120 entfallen, da diese nunmehr als marginal eingestuft und somit nicht mehr separat für die genannte Region bewertet wurden.

Ein großer Teil der Veränderungen der Erhaltungszustände der Arten und Lebensraumtypen um mindestens eine Wertstufe zwischen den Berichten 2007 und 2013 geht auf eine verbesserte Datenlage zurück oder ist methodisch bedingt. Dies wird auch durch den insgesamt deutlich gesunkenen Anteil von Schutzgütern belegt, deren Erhaltungszustand mit „unbekannt“ eingestuft wurde. Nur die Arten in der atlantischen Region weichen davon durch einen gestiegenen Anteil ab. 

Aufgrund noch unvollständiger Geländedaten konnten 2007 die Erhaltungszustände von Arten und Lebensräumen z.T. nicht bewertet werden, während sich bis 2013 die Datenlage vor allem durch die Einführung des bundesweiten FFH-Monitorings und die Möglichkeit der Verwendung von Daten aus der Bundeswaldinventur 2012 verbessert hat.

Eine genauere Betrachtung zu den Verschiebungen in den Erhaltungszuständen der Arten und Lebensräume zwischen den Berichtsperioden 2007 und 2013 ist nur auf Basis einer einheitlichen Grundgesamtheit aussagekräftig. Ergebnisse hierzu liefert die Veröffentlichung Ellwanger et al. (2014, im Druck)*.

*Quelle: Ellwanger, G, Ssymank, A., Buschmann, A., Ersfeld, M., Frederking, W., Lehrke, S., Neukirchen, M., Raths, U., Sukopp, U. & Vischer-Leopold, M. (2014): Der nationale Bericht 2013 zu Lebensraumtypen und Arten der FFH-Richtlinie. Ein Überblick über die Ergebnisse. – Natur und Landschaft 89(5): 185-192 (im Druck).

Tatsächliche Veränderungen

Arten

In der nachfolgenden Tabelle sind alle Arten aufgelistet, bei denen sich der Erhaltungszustand in ein oder zwei Regionen gegenüber der Bewertung 2007 um mindestens eine Wertstufe verändert hat, der hauptsächliche Grund dafür aber nicht in einer verbesserten Datenlage oder in der Anwendung einer anderen Methode zu suchen ist. 

Bei diesen tatsächlichen, im Gelände manifestierten Veränderungen, hält sich die jeweilige Anzahl von Arten mit Verbesserungen und Verschlechterungen ungefähr die Waage: Bezogen auf die Bewertungen in den biogeografischen Regionen stehen 18 Verschlechterungen (darunter viele Amphibien) 16 Verbesserungen (vor allem bei Fischen, Reptilien und größere Säugetieren wie Biber, Wildkatze, Kegelrobbe) gegenüber.

Arten: Tatsächliche Veränderungen 2013/2007

 
Gruppe Art   Veränderung
Amphibien Alytes obstetricans Geburtshelferkröte Verschlechterung (ATL+KON)
  Bombina variegata Gelbbauchunke Verschlechterung (ALP)
  Bufo viridis Wechselkröte Verschlechterung (ATL)
  Pelobates fucsus Knoblauchkröte Verschlechterung (ATL)
Fische Barbus barbus Barbe Verbesserung (ATL)
  Cobitis taenia Steinbeißer Verbesserung (KON)
  Rhodeus amarus Bitterling Verbesserung (ATL+KON)
  Thymallus thymallus Äsche Verschlechterung (ATL)
Käfer Rosalia alpina Alpenbock Verschlechterung (ALP)
Libellen Leucorrhinia caudalis Zierliche Moosjungfer Verbesserung (KON)
  Oxygastra curtisii Gekielte Smaragdlibelle Verschlechterung (KON)
  Sympecma paedisca Sibirische Winterlibelle Verschlechterung (KON)
Reptilien Lacerta bilineata Westliche Smaragdeidechse Verbesserung (KON)
  Podarcis muralis Mauereidechse Verbesserung (KON)/Verschlechterung (ALP)
  Zamenis longissimus Äskulapnatter Verbesserung (KON)
Säugetiere Castor fiber Biber Verbesserung (ATL+KON)
  Eptesicus serotinus Breitflügelfledermaus Verschlechterung (KON)
  Felis sylvestris Wildkatze Verbesserung (KON)
  Halichoerus grypus Kegelrobbe Verbesserung (ATL)
  Pipistrellus nathusii Rauhhautfledermaus Verschlechterung (KON)
Schmetterlinge Lycaena dispar Großer Feuerfalter Verbesserung (KON)
  Lycaena helle Blauschillernder Feuerfalter Verschlechterung (KON)
  Maculinea arion Quendel-Ameisenbläuling Verschlechterung (KON)
Sonstige Tierarten Astacus astacus Edelkrebs Verschlechterung (KON)
  Austropotamobius torrentium Steinkrebs Verschlechterung (KON)
Höhere Pflanzen Caldesia parnassiifolia Herzlöffel Verschlechterung (KON)
  Jurinea cyanoides Sand-Silberscharte Verbesserung (ATL+KON)
Moose Notothylas orbicularis Kugel-Hornmoos Verbesserung (KON)
 

Lebensraumtypen

Bei den Lebensraumtypen gibt es bei den tatsächlichen Veränderungen des Erhaltungszustands um mindestens eine Wertstufe ausschließlich Verschlechterungen. Von den 13 betroffenen Lebensräumen (vgl. nachfolgende Tabelle), die in ein oder zwei Regionen tatsächliche Veränderungen erfahren haben, finden sich allein sechs Typen, die auf eine nachhaltige Grünlandnutzung oder Biotoppflege angewiesen sind (z.B. Mähwiesen, Binnendünen, Heiden). Weitere vier Fälle betreffen Küsten-Lebensräume.

Lebensraumtypen: Tatsächliche Veränderungen 2013/2007

 
Code Lebensraumtyp Veränderung
1330 Atlantische Salzwiesen Verschlechterung (KON)
2120 Weißdünen mit Strandhafer Verschlechterung (KON)
2130 Graudünen mit krautiger Vegetation Verschlechterung (ATL)
2140 Küstendünen mit Krähenbeere Verschlechterung (ATL)
2330 Dünen mit offenen Grasflächen mit Corynephorus und Agrostis [Dünen im Binnenland] Verschlechterung (ATL+KON)
4010 Feuchte Heiden mit Glockenheide Verschlechterung (KON)
6110 Lückige basophile oder Kalk-Pionierrasen (Alysso-Sedion albi) Verschlechterung (ATL)
6510 Magere Flachland-Mähwiesen Verschlechterung (KON)
6520 Berg-Mähwiesen Verschlechterung (KON)
9190 Alte bodensaure Eichenwälder auf Sandböden mit Stieleiche Verschlechterung (ATL+KON)
91U0 Kiefernwälder der sarmatischen Steppe Verschlechterung (KON)
 

Neben diesen gravierenden Veränderungen des Erhaltungszustands von Arten und Lebensraumtypen, die sich aus den "Audit-Trail-Einstufungen" ergeben, sind bei der weiteren Auswertung der Berichtsergebnisse auch graduelle Veränderungen zu berücksichtigen. Diese werden durch den Gesamttrend des Erhaltungszustands ausgedrückt. 

Graduelle Veränderungen sind tatsächliche Verbesserungen oder Verschlechterungen des Erhaltungszustands, die sich (noch) nicht durch einen Wechsel der Ampelfarbe auswirken. Im Falle von Verbesserungen zeigen sie jedoch Entwicklungen auf, die langfristig zu einer Verbesserung der Ampelfarbe führen könnten. Bei Verschlechterungen stellen sie einen Warnhinweis dar, dass dringender Handlungsbedarf besteht, um den aktuellen Erhaltungszustand (Status quo) erhalten zu können bzw. um eine Trendumkehr herbeizuführen.

Pflanzenarten
Moose und Flechten alpin atlantisch kontinental Verbreitungskarte
Gefäßpflanzen alpin atlantisch kontinental Verbreitungskarte
 
Lebensraumtypen
Meere und Küsten   atlantisch kontinental Verbreitungskarte
Binnengewässer alpin atlantisch kontinental Verbreitungskarte
Heiden und Gebüsche alpin atlantisch kontinental Verbreitungskarte
Grünland alpin atlantisch kontinental Verbreitungskarte
Moore, Sümpfe und Quellen alpin atlantisch kontinental Verbreitungskarte
Felsen und Schutthalden alpin atlantisch kontinental Verbreitungskarte
Gletscher alpin     Verbreitungskarte
Wälder alpin atlantisch kontinental Verbreitungskarte
Erläuterungen zu den Lebensraumtypen: Meere und Küsten: LRT-Gruppen 1 und 2 (ohne Binnenlandsalzstellen, Küstenwälder) Binnengewässer: LRT-Gruppe 3 Heiden und Gebüsche: LRT 2310 und 2320 sowie LRT-Gruppen 4 und 5 Grünland: LRT-Gruppe 6 sowie LRT 2330 Moore, Sümpfe und Quellen: LRT-Gruppe 7 sowie LRT 1340 (Binnenlandsalzstellen) Felsen und Schutthalden: LRT-Gruppe 8 (ohne Gletscher) Gletscher: LRT 8340 Wälder: LRT-Gruppe 9 sowie LRT 2180 (Küstenwälder)

Methodik und Ablauf der Berichtserstellung

Die Erhebung der Daten zu Arten und Lebensraumtypen der FFH-Richtlinie sowie die Bewertung des Zustands ihrer Einzel-Vorkommen obliegt im föderalen System Deutschlands den Bundesländern.

  1. Für die Erstellung eines nationalen Berichts werden die Daten der Länder von den Länderministerien bzw. -fachbehörden an das Bundesamt für Naturschutz (BfN) geliefert. 
  2. Das BfN aggregiert im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) die Daten und erarbeitet einen Berichtsentwurf einschließlich der Bewertung des Erhaltungszustands von Arten und Lebensraumtypen auf Ebene der biogeografischen Regionen in Deutschland ab. 
  3. Die Berichtsentwürfe des BfN werden auf sogenannten Bewertungskonferenzen zu den einzelnen biogeografischen Regionen bzw. thematischen Bereichen mit den Ländern diskutiert und abgestimmt. 
  4. Es folgt eine Ressortabstimmung des Nationalen Berichts zwischen dem BMU und weiteren einzubeziehenden Bundesministerien, bevor die Berichtsdaten in elektronischer Form an die EU übermittelt werden. 
  5. Die EU erstellt aus den Berichten der einzelnen Mitgliedsstaaten dann innerhalb von zwei Jahren einen Gemeinschaftsbericht.

Datenquellen und Methodik der Erfassung und Bewertung

Die Daten zu Arten und Lebensraumtypen, deren Erhaltungszustand im Nationalen FFH-Bericht zu bewerten ist, stammen aus verschiedenen Quellen:

Die Erfassungen der Vorkommen durch verschiedene Kartierprogramme der Bundesländer bilden die Basis, die eine räumliche Verortung von Artpopulationen und vorhandenen Lebensraumtypenflächen einerseits sowie die Erhebung zugehöriger Sachdaten andererseits beinhalten. 

Die Lage der Vorkommen wird durch Nummern der TK25-Kartenblätter (Topografische Karten 1:25.000), in denen sie verortet sind, festgehalten. Zum Teil erfolgt die Verortung noch genauer durch Angabe von TK25-Quadranten oder Koordinaten. Die Sachdaten umfassen Angaben der Länder zu den Parametern „Verbreitungsgebiet“ sowie „Population“ und „Habitat“ (Arten) bzw. „Fläche“ und „Spezifische Strukturen und Funktionen“ (Lebensraumtypen) sowie „Zukunftsaussichten“. 

Außerdem liefern die Länder Einschätzungen zu aktuellen Beeinträchtigungen und zukünftig voraussichtlich wirksamen Gefährdungen. Um eine standarisierte Eingabe der für die Parameter gefragten Einzelangaben zu ermöglichen, steht den Ländern eine sogenannte „Elektronische Ausfüllhilfe“ (Eingabeprogramm mit Datenbank) zur Verfügung. Die Vorkommensdaten werden mittels eines Geografischen Informationssystems (GIS) verarbeitet.

Die Berichtsentwürfe für einzelne Artengruppen wurden unter Leitung des BfN durch besondere Arbeitsgruppen erarbeitet. Dies trifft auf die Gruppe der Wanderfische (Fischarten, die zu ihren Laichgewässern weite Strecken wandern wie z.B. der Lachs) sowie auf die in Deutschland vorkommenden großen Raubsäugetiere Wolf und Luchs zu. 

Die Arbeitsgruppe zu den Wanderfischen setzte sich aus Expertinnen und Experten der Länder sowie von diesen und dem BfN zusätzlich beauftragten/eingeladenen Personen zusammen. Die Arten Wolf und Luchs wurden durch den Arbeitskreis der im Monitoring von Großraubtieren besonders erfahrenen Personen bearbeitet. 

Diese Fachleute trafen sich für den Nationalen Bericht auf Einladung des BfN als Sonderarbeitsgruppen, um ihre Ergebnisse zu diskutieren und zu Bewertungen der Einzelparameter sowie des daraus ermittelten Erhaltungszustandes der Arten zu gelangen. Im Zuge dieser Treffen einigten sich die Sonderarbeitsgruppen weiterhin auf Vorkommenskarten und wichtige Faktoren der Beeinträchtigungen und Gefährdungen.

Für den Nationalen Bericht 2013 konnte erstmals auf umfangreiche zusätzliche Daten eines neu etablierten und bundesweit einheitlichen FFH-Monitorings der Lebensraumtypen sowie Arten der Anhänge II und IV der FFH-Richtlinie zurückgegriffen werden. Dessen Fachkonzept sieht die Erfassung häufiger Schutzgüter über je 63 Stichproben-Vorkommen pro biogeografischer Region vor. Seltene Lebensraumtypen und Arten werden dagegen über alle ihre bekannten Vorkommen erfasst (Totalzensus). 

Methodik, Untersuchungsumfang und Schwellenwerte für die Bewertung der einzelnen Vorkommen sind in Bewertungsschemata festgelegt, die von Bund, Ländern und weiteren Expertinnen und Experten erarbeitet wurden. Die Ergebnisse der Bewertung dieser Probeflächen wird bei den Lebensraumtypen in die Bewertung des Parameters "Spezifische Strukturen und Funktionen", bei den Arten in die Bewertung der Parameter "Population" und "Habitat" einbezogen. 

Durch die standardisierte Datenerfassung lassen sich nach mehreren Erhebungsdurchgängen auch Trendanalysen vornehmen. Bisher wird das FFH-Monitoring in der atlantischen sowie der kontinentalen biogeografischen Region umgesetzt. Die Übertragung auf die alpine Region steht noch aus.

Weitere wertvolle Daten lieferte die dritte Bundeswaldinventur (BWI-2012), wodurch erstmals Information aus einer forstlichen Großrauminventur systematisch in die FFH-Berichterstattung eingeflossen ist. 

Für die häufigen Waldlebensraumtypen (WLRT) der Hainsimsen- (EU-Code 9110) und Waldmeister-Buchenwälder (9130) in der atlantischen sowie der kontinentalen biogeografischen Region und ferner die Sternmieren- (9160) und Labkraut-Eichen-Hainbuchenwälder (9170) sowie die bodensauren Nadelwälder (9410) in der kontinentalen biogeografischen Region konnten aus der BWI-2012 Eingangsdaten zur Bewertung des Parameters „Spezifische Strukturen und Funktionen“ gewonnen werden, die in den Berichtsentwurf eingeflossen sind. 

Zudem konnten bei weiteren WLRT, die durch das FFH-Monitoring untersucht werden, BWI-Daten berücksichtigt werden. Die BWI-2012 arbeitet auf einem systematischen Stichprobenraster (Rasterweite 4 x 4 km, regionale Verdichtungen auf 2,83 x 2,83 km bzw. 2 x 2 km), wobei an jedem Rasterschnittpunkt ein quadratischer Inventurtrakt mit 150 m Kantenlänge angelegt ist. An den Traktecken wurden Kenngrößen der Merkmalsgruppen „Arteninventar“, „Habitatstrukturen“ und „Beeinträchtigungen“ erfasst. Die Kriterien zur Ansprache der WLRT, die Bewertungsschemata für die genannten Merkmalsgruppen sowie die Aggregationsregeln zur Zusammenführung der Bewertungen für den Parameter „Spezifische Strukturen und Funktionen“ sind zuvor in einem gemeinsamen Methodenpapier zwischen dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL), dem BfN und dem Thünen-Institut für Waldökosysteme abgestimmt worden.

Datenaggregation und Berichtsentwurf

Die aus den vorstehend genannten Quellen stammenden Vorkommens- und Sachdaten zu Arten und Lebensraumtypen der Anhänge der FFH-Richtlinie werden durch das BfN im Zuge einer Qualitätssicherung auf Vollständigkeit und Plausibilität geprüft und in umfangreichen Datenbanken zusammengeführt. Die aggregierten Vorkommensdaten bilden den Ausgangspunkt für die regelbasierte Abgrenzung der Verbreitungsgebiete der Arten und Lebensraumtypen und ihrer Abbildung in deutschlandweiten Karten. 

Die aggregierten Sachdaten werden zur Ableitung der Bewertungsvorschläge des BfN zu den Parametern "Verbreitungsgebiet" sowie "Population" und "Habitat" (Arten) bzw. "Fläche" und "Spezifische Strukturen und Funktionen" (Lebensraumtypen) und "Zukunftsaussichten" herangezogen und in Berichtsentwürfen für die verschiedenen biogeografischen Regionen (atlantisch, kontinental und alpin) zusammengestellt. Für den Nationalen FFH-Bericht 2013 kamen zu den Berichtsentwürfen für die Regionen noch separate Entwürfe für die marinen Lebensraumtypen und Arten der Nord- und Ostsee (und ihrer Küstenbereiche) sowie für die Lebensraumtypen der Wälder hinzu.

Berichtsabstimmung

Die Bewertungsvorschläge werden in einem nächsten Schritt auf sogenannten Bewertungskonferenzen mit den Länderministerien und -fachbehörden des Naturschutzes diskutiert. 

Die Konferenzen fanden vom 22. – 25. April 2013 für die atlantische biogeografische Region, vom 18. – 19. Juli 2013 für die alpine Region und vom 16. – 19. September 2013 für die kontinentale Region statt. Sie separaten Bewertungskonferenzen für die  Lebensraumtypen und Arten der Meere und Küsten wurden vom 05. – 06. Juni 2013 sowie für die Waldlebensraumtypen vom 28. – 30. August abgehalten.

Die Bewertungen zu den einzelnen Parametern sowie zum Erhaltungszustand, auf die sich die Teilnehmenden der Konferenzen einigen, fanden Eingang in den vorläufig abschließenden Nationalen Bericht 2013, der abschließend die Ressortabstimmung zwischen dem BMUB und weiteren einzubeziehenden Bundesministerien durchlief.

Elektronische Berichtsübermittlung und EU-Gemeinschaftsbericht

Im Anschluss an die Ressortabstimmung erfolgte am 15. November 2013 die elektronische Übermittlung des Nationalen Berichts durch das BfN an die EU. Auf EU-Seite durchliefen die Daten eine technische und inhaltliche Prüfung durch das Europäische Themenzentrum für Biodiversität (ETC/BD). Auf dessen Prüfbericht hin wurden letzte Korrekturen vorgenommen, bevor der Nationale FFH-Bericht 2013 in endgültiger Form erneut am 20. Dezember 2013 elektronisch an die EU übermittelt wurde. 

Die EU erstellt auf Basis der Nationalen Berichte ihrer einzelnen Mitgliedsstaaten innerhalb von zwei Jahren einen sogenannten Gemeinschaftsbericht.

Vorgaben der Europäischen Kommission für die Erstellung des nationalen FFH-Berichts 2013

Berichtsformat

Das Format, in dem die Mitgliedsstaaten die Daten der nationalen Berichte nach Artikel 17 der FFH-Richtlinie liefern, wird durch die Europäische Kommission vorgegeben. Diese Formatvorgaben dienen dem Ziel, die nationalen Berichte zu standardisieren und die spätere Zusammenführung der Einzelberichte zum EU-Gemeinschaftsberichtzu vereinfachen. 

Das Formular für den Berichtszeitraum 2007-2012 wurde unter Beteiligung der Mitgliedsstaaten und des Habitatausschusses im Mai 2011 verabschiedet  und ist damit für den Bericht 2013 verbindlich. In den Anhängen A bis E zum Dokument sind die für den Bericht notwendigen Daten und verbindliche Vorgaben für die Bewertung (u.a. Bewertungsmatrices) konkretisiert. 

Für die Umsetzung der Vorgaben in Deutschland erfolgten enge Abstimmungen zwischen dem Bund und den Ländern.

Guidance-Dokument (Anleitung zur Berichtserstellung)

Zur Anleitung und Unterstützung der Mitgliedsstaaten bei der Erstellung der nationalen Berichte hat die EU-Kommission weiterhin ein sogenanntes Guidance-Dokument Assessment and Reporting under Article 17 of the Habitats Directive: Explanatory Notes & Guidelines (Final Version, July 2011) veröffentlicht, das zuvor vom Habitatausschuss verabschiedet worden war. 

Das nur in englischer Sprache verfügbare Dokument erläutert in den Kapiteln II-V die Konzepte und Methoden zur Bewertung des Erhaltungszustands der Lebensraumtypen und Arten der FFH-Richtlinie und bietet in Kapitel VI eine detaillierte schrittweise Anleitung zur Berichtserstellung nach den Formatvorgaben der EU-Kommission. Beispiele in den Anhängen des Guidance-Dokumentes illustrieren das Vorgehen.

Biogeografische Regionen

Der Erhaltungszustand der Arten und Lebensraumtypen wird von den Mitgliedstaaten für jede biogeografische Region getrennt bewertet. Die biogeografischen Regionen sind als Bezugsräume erforderlich, um in angemessener Weise das europäische Gesamtareal mit seinen naturräumlichen Unterschieden berücksichtigen zu können. 

So wird der Erhaltungszustand z. B. für einen Lebensraumtyp, der über die Fläche Deutschlands verbreitet vorkommt, jeweils für die alpine, atlantische und kontinentale Region getrennt bewertet. 

Allgemeiner Berichtsteil (Anhang A)

Die Mitgliedstaaten werden aufgefordert in einem allgemeinen Berichtsteil Informationen zum Stand der Umsetzung der FFH-Richtlinie bereitzustellen. Im Einzelnen sind Angaben zu folgenden Punkten erfolgt (Anhang A):

  1. Wichtige Erfolge der Umsetzung der FFH-Richtlinie (textliche Darstellung) 
  2. Allgemeine Informationsquellen zur Umsetzung der FFH-Richtlinie (Angabe der Fundstellen zu Informationen über z.B. Schutzgebietsnetz, Monitoringprogramm, rechtliche Umsetzung, Artenschutzmaßnahmen) 
  3. Ausweisung von FFH-Gebieten (statistische Angaben zum Ausweisungsstand) 
  4. Managementpläne für FFH-Gebiete (statistische Angaben zum Umsetzungsstand) 
  5. Ergriffene Maßnahmen im Zusammenhang mit der Genehmigung von Plänen und Projekten (Auflistung der Pläne und Projekte) 
  6. Ergriffene Maßnahmen zur Gewährleistung der Kohärenz des Netzes (textliche Darstellung) 
  7. Wiederansiedlung von Arten des Anhangs IV (Auflistung der Wiederansiedlungsprojekte)

Bewertung des Erhaltungszustands für Arten und Lebensraumtypen 

Die Bewertung des Erhaltungszustands erfolgt bei den Arten anhand der Zusammenführung (Aggregation) von Einzelbewertungen der vier Parameter Aktuelles Verbreitungsgebiet, Population, Habitat der Art und Zukunftsaussichten. Die Kriterien zur Bewertung der Parameter sind in Anhang B des Berichtsformates vorgegeben. 

Bei den Lebensraumtypen sind die Parameter Aktuelles Verbreitungsgebiet, Aktuelle Fläche, Spezifische Strukturen und Funktionen und Zukunftsaussichten nach den in Anhang D definierten Kriterien zu bewerten und werden anschließend zur Bewertung des Erhaltungszustands aggregiert. 

Das Berichtsformat der EU gibt für die Bewertung der Parameter bei den Arten (Anhang C) und den Lebensraumtypen (Anhang E) jeweils eine allgemeine Matrix vor. Hierin werden die Parameter nach wenigen Hauptkriterien den drei Bewertungsstufen günstig [grün], ungünstig-unzureichend [gelb] und ungünstig-schlecht [rot] zugeordnet (sog. Ampelschema). 

Ermöglicht die Datenlage keine exakte Bewertung der Parameter, so werden diese als unbekannt [grau] eingestuft. Die Mitgliedsstaaten konkretisieren die allgemeine Bewertungsmatrix durch detaillierte art- bzw. lebensraumbezogene Bewertungsschemata mit Grenz- und Schwellenwerten für jedes Kriterium, anhand derer sie die Parameter nach dem Ampelschema einstufen. Die Gesamtbewertung des Erhaltungszustandes, also die Aggregation der vier Einzelparameterbewertungen, folgt festen Regeln: 

Grundsätzlich ist der schlechteste Einzelwert maßgeblich. Der Erhaltungszustand ist nur dann günstig, wenn alle vier Parameter mit "grün" und einer als "unbekannt" gilt.

Beurteilung der hauptsächlichen Gründe der Veränderung des Erhaltungszustands von Arten und Lebensraumtypen

Im Juni 2013 wurde von der EU der sogenannte „Audit Trail“ eingeführt. Er hat das Ziel, Veränderungen des Erhaltungszustandes zwischen dem aktuellen Bericht 2013 und dem Bericht 2007 zu beurteilen. Die sieben Beurteilungskategorien geben Auskunft über die Art der Veränderung. 

Es wird zwischen sieben Beurteilungskategorien unterschieden:

  • a Tatsächliche Veränderung: Der Gesamt-Erhaltungszustand hat sich verbessert (oder verschlechtert) aufgrund von natürlichen oder nicht-natürlichen Gründen (Management, Eingriffe, usw.). 
  • b1 Die festgestellte Veränderung beruht auf genaueren Daten (z.B. bessere Kartierung der Verbreitung) oder verbesserten Kenntnissen (z.B. zur Ökologie einer Art oder eines Habitats). 
  • b2 Die festgestellte Veränderung beruht auf taxonomischen Überarbeitungen: Ein Taxon wurde in [zwei] mehrere Taxa aufgesplittet oder umgekehrt. 
  • c1 Die festgestellte Veränderung beruht auf der Anwendung anderer Methoden zur Messung oder Beurteilung einzelner Parameter oder des Gesamt-Erhaltungszustands. 
  • c2 Die festgestellte Veränderung beruht überwiegend auf der Anwendung verschiedener Schwellenwerte wie z.B. für die Favourable Reference Values (Referenzwerte). 
  • d Es liegt keine Information über die Art der Veränderung vor. 
  • e Die festgestellte Veränderung resultiert aus weniger guten oder fehlenden Daten als den im vorhergehenden Bericht verwendeten.
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