Solaranlagen auf Moorböden (Moor-PV)
Wiedervernässung von Mooren
Eine Wiedervernässung von Moorböden dient, neben den Zielen des Klimaschutzes, auch dem Natur- und Gewässerschutz (teilweise Hochwasserschutz) sowie der Erhaltung und Schaffung weiterer Ökosystemleistungen. Grundlagen für die Wiedervernässung von Mooren sind u. a. die Biodiversitätskonvention der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung, die Nationale Biodiversitätsstrategie sowie die Nationale Moorschutzstrategie des BMUKN. Des Weiteren legt die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur Ziele für Renaturierungsmaßnahmen fest und fordert die Mitgliedsstaaten zur Förderung geeigneter Maßnahmen auf.
Solaranlagen und Wiedervernässung
Der größte Teil der entwässerten Moorflächen wird landwirtschaftlich als Grünland oder Acker genutzt. Eine Wiedervernässung dieser Standorte würde diese bisherige landwirtschaftliche Nutzung in der Regel nicht mehr ermöglichen oder einschränken. Bei der Errichtung einer Moor-PV- Anlage auf organischem Boden bei gleichzeitiger Wiedervernässung kann eine alternative Einnahmemöglichkeit entstehen. Auch eine kombinierte Nutzung mit Paludikulturen (zum Beispiel der Anbau von Röhricht) ist möglich. Auch diese kombinierte Nutzung ist, neben der alleinigen Nutzung mit Moor-PV, nach dem Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien (EEG) entsprechend vergütungsfähig.
Moor-PV in Deutschland
Derzeit gibt es deutschlandweit nur wenige Praxisbeispiele für Moor-PV-Anlagen sowie deren Kombination mit Paludikulturen. Gründe dafür sind u. a. die komplexe technische Planung und Umsetzung der Vorhaben und die damit verbundenen Kosten aber auch das Fehlen von Erfahrungswerten sowie die bisher unbekannten Auswirkungen auf die Biomasseerträge (z. B. durch Verschattung). Dementsprechend sind noch viele Fragen zur technischen Wiedervernässung, zum Bau/Rückbau, Betrieb und der Wartung aber auch zu möglichen naturschutzrelevanten Auswirkungen von Moor-PV-Anlagen ungeklärt. Ebenso bedarf es noch einer Lösung zur naturverträglichen Bewirtschaftung und Standortwahl sowie zur Finanzierung der Wiedervernässung und der Einbindung in die Wiedervernässung möglichst des gesamten Torfkörpers.
Um den Bau sogenannter Moor-PV-Anlagen natur- und klimaverträglich zu gestalten, hat das Bundesamt für Naturschutz (BfN) nun erstmals umfassende naturschutzfachliche Empfehlungen für deren Planung und Umsetzung veröffentlicht. Die Ergebnisse des Forschungs- und Entwicklungsvorhabens "Potenziale und naturschutzfachliche Wirkungen von Photovoltaik-Freiflächenanlagen auf landwirtschaftlich genutzten Moorböden" sind in der BfN-Schrift 784 zusammengefasst. Sie zeigen, dass weniger als ein Drittel der entwässerten landwirtschaftlich genutzten Moorbodenflächen für die Errichtung von Moor-PV-Anlagen potenziell in Frage kommen. Zudem bietet die Publikation eine ausführliche rechtliche Einordnung zur Planung und Genehmigung von Moor-PV-Anlagen, formuliert Empfehlungen für mögliche rechtliche Anpassungen und bewertet die Auswirkungen auf die Belange von Naturschutz und Landschaftspflege. Darüber hinaus werden sozioökonomische Optionen zur Schaffung größerer zusammenhängender Flächen sowie weiterer Forschungsbedarf aufgezeigt.
Erstmals werden umfassende Empfehlungen für die Planung und Umsetzung einer natur- und klimaverträglichen Ausgestaltung von Moor-PV-Anlagen erarbeitet. Dazu gehören unter anderem:
- flächensparende Überbauung mit mehreren kleineren Anlagen,
- Einsatz hoch aufgeständerter und semitransparenter Module sowie
- große Reihenabstände zwischen den Modulen.
Klassische PV-Anlagen auf organischen Böden
Der Bau von Solaranlagen auf organischen Böden ohne Wiedervernässung ist aus naturschutzfachlicher sowie klimatischer Sicht auszuschließen. Dennoch werden zunehmend auch trockengelegte, organische Böden mit klassischen PV-Anlagen bebaut. Regelungen zur Freihaltung dieser Fläche existieren derzeit nicht, könnten aber eine Wiedervernässung für mehrere Jahrzehnte verhindern.