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Bundesamt für Naturschutz

Auswertungen

Neben der Ermittlung von Bestandstrends dienen die Daten des Vogelmonitorings der Analyse von Ursachen der Bestandsveränderungen und einem besseren Verständnis von Einflüssen auf die Vogelwelt. Mit den wissenschaftlichen Auswertungen werden die fachlichen Grundlagen für effektive Schutzstrategien zum Vogelschutz verbessert.
Kleiber sitzend auf dem Baumstamm
Kleiber

Datenanalyse aus dem Monitoring häufiger Brutvögel

Eine Analyse der Daten aus dem Monitoring häufiger Brutvogelarten (MhB) für den Zeitraum 1990 bis 2018 hat die Entwicklung von Bestandstrends für verschiedene funktionale und ökologische Gruppen ermittelt (Kamp et al. 2020). Unter den betrachteten 93 Arten nahmen die Feldvögel stark, Vögel der Siedlungen deutlich ab. Waldvögel nahmen in den ersten Jahren des Betrachtungszeitraums ab, die Bestände erholten sich aber nach 2010 wieder. Bestandsrückgänge wurden für Bodenbrüter, Samenfresser und Wirbellosen- (ohne Insekten) fresser nachgewiesen. Die Bestandstrends von insektenfressenden Vogelarten waren im Mittel stabil, allerdings nahmen insektenfressende Vogelarten der landwirtschaftlich genutzten Bereiche seit dem Jahr 2000 stark ab. Langstreckenzieher zeigten negativere Trends als Standvögel und Kurzstreckenzieher. Arten mit enger Bindung an bestimmte Habitate nahmen überproportional ab. Über den gesamten Zeitraum betrachtet waren die Trends für die häufigsten Arten im Datensatz (Bestandsgröße in Deutschland 50.000 bis 1 Mio. Brutpaare) negativer als für mittelhäufige. Im Gegensatz dazu waren kurzfristige (seit 2006) Trends für mittelhäufige Arten negativer als für die häufigen. An kältere Klimabedingungen angepasste Arten nahmen im Mittel ab, an wärmere Bedingungen angepasste Arten zu. Aus den Ergebnissen schlussfolgern die Autorinnen und Autoren, dass die Naturschutzpolitik in Deutschland prioritär anstreben sollte, die besorgniserregenden Rückgänge bodenbrütender, oft insektenfressender Feldvogelarten umzukehren. Die Erholung der Bestände der Waldarten sei ermutigend, zukünftige Entwicklungen sollten aber überwacht werden. Der Klimawandel wird viele Arten direkt (über ihre Temperaturnische) und indirekt (z.B. durch mehr Störungen im Wald) treffen. Schutzstrategien sollten deshalb die Anpassung von Arten an Landschafts- und Klimawandel berücksichtigen, z.B. durch verbessertes Schutzgebietsmanagement und erhöhte Schutzgebietskonnektivität.

Ursachen für Rückgänge von Agrarvögeln

Vogelarten, die in der Agrarlandschaft brüten, sind überdurchschnittlich stark bedroht: Selbst früher häufige Feldvögel, wie Feldlerche oder Kiebitz, werden immer seltener. Andere, wie die Turteltaube, sind in vielen Regionen Deutschlands bereits verschwunden.

Die generellen Ursachen für den Schwund der Feldvögel sind bekannt: Eine immer intensivere Landwirtschaft mit größeren Feldern und Traktoren, und wirksamere Pestizide, die Insekten als Nahrungsgrundlage vieler Vogelarten dezimieren.

Eine Studie (Busch et al. 2020), die gemeinsam vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) und dem BfN erstellt wurde, zeigt, wie sich großflächige Änderungen in der Struktur der Agrarlandschaft und den angebauten Feldfrüchten auf die Vogelbestände ausgewirkt haben.

Mithilfe von statistischen Modellrechnungen wurden Zusammenhänge zwischen der jährlichen Häufigkeit von zwölf Feldvogelarten im Zeitraum 1991 bis 2013 und der Fläche verschiedener Landnutzungsarten dargestellt. Die Datengrundlage für die vorliegende Untersuchung lieferte das Monitoring häufiger Brutvögel des DDA, ein bundesweites, von ehrenamtlichen Erfassungen getragenes Programm, das Bund und Länder mit der Verwaltungsvereinbarung Vogelmonitoring unterstützen.

Insbesondere die zunehmende Maisanbaufläche wirkte sich negativ auf die Brutpaarzahlen vieler Arten aus. Hohe Anteile von Grünland und Brachflächen waren dagegen positiv für die untersuchten Arten. Dies belegt wissenschaftlich auf bundesweiter Ebene, dass Feldvögel stark unter der großflächigen Umwandlung von Grünland zu Ackerland, und unter dem Wegfall der EU-Stilllegungsflächen ab dem Jahr 2007 gelitten haben. Betroffen sind weit verbreitete Arten wie Star und Feldlerche, aber auch das Braunkehlchen, eines der Sorgenkinder des Vogelschutzes.

Die Studie zeigt auch, dass die Bestandsentwicklung der betrachteten Vogelarten in verschiedenen Regionen Deutschlands weitgehend parallel lief – dies ist nicht verwunderlich, denn die untersuchten landwirtschaftlichen Prozesse betreffen ganz Mitteleuropa.

Neben der Landnutzung können weitere Faktoren die Bestandsentwicklung von Vogelarten beeinflussen. Unklar war etwa, ob die Ursachen für Verluste bei einigen Zugvögeln der Agrarlandschaft nicht vielleicht eher im afrikanischen Überwinterungsgebiet zu suchen sind. Dies scheint nach den Ergebnissen der Studie nicht der Fall zu sein: Im Vergleich zu den Landschaftsänderungen im deutschen Brutgebiet zeigten klimatische Bedingungen in der Sahelzone Afrikas kaum einen Effekt auf die jährlichen Häufigkeiten von vier untersuchten Langstreckenziehern.

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