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Bundesamt für Naturschutz

Auenzustand

Die Ergebnisse des ersten bundesweiten Auenzustandsberichts im Jahr 2009 haben auf den kritischen Zustand der Flussauen in Deutschland aufmerksam gemacht. Mit dieser Auenzustandsbewertung lag erstmalig ein bundesweiter, nach einheitlichen Methoden erhobener Datensatz vor, der in seinem Umfang in Deutschland einmalig ist. Er wurde im Zeitraum 2016 bis 2021 aktualisiert.
Luftbild der Aue mit Grünland, Waldbereichen und wassergefüllten Senken
Weseraue im Taubenborn bei Höxter

Auenzustandsbericht 2021

Mit dem Auenzustandsbericht 2021 wird zum zweiten Mal ein bundesweiter Überblick über die räumliche Ausdehnung der Flussauen, den Verlust von Überschwemmungsflächen und den Zustand der rezenten Flussauen in Deutschland gegeben. Zu diesem Zweck wurden die Auenabgrenzung und die Bewertung auf der Grundlage aktueller bzw. neuer Datenquellen überarbeitet. Wie bereits im Auenzustandsbericht von 2009 beziehen sich die Ergebnisse auf die Auen von 79 Flüssen ab einem Einzugsgebiet  von 1.000 km² mit einer Gesamtlänge von 10.297 Flusskilometern und einer Gesamtfläche von 16.185 km² (4,5 % der Fläche Deutschlands). Im BfN-Schrift 591 werden die methodischen Grundlagen zum Auenzustandsbericht 2021 erläutert.

Die zentralen Ergebnisse des Auenzustandsberichts 2021 sind:

  • Nach wie vor können nur rund ein Drittel der ehemaligen Überschwemmungsflächen an Flüssen überflutet werden. Diese als rezente Aue bezeichneten Flächen stehen zwei Drittel Altauen gegenüber, die durch Deichbau bei Hochwasser gegenwärtig nicht mehr als Retentionsraum einbezogen werden. 

  • Seit dem Erscheinen des ersten Auenzustandsberichts 2009 wurden bundesweit durch Rückbau, Rückverlegung und Schlitzung von Deichen 4.183 ha überflutbare Auenflächen zurückgewonnen. Damit beträgt der Zugewinn an den 79 Flüssen im Betrachtungszeitraum von 1983 bis 2020 insgesamt 7.100 ha. Das entspricht einer Vergrößerung der überflutbaren Flussauen um rund 1,5 %. Trotz dieser Erfolge ist das bundesweite Potenzial für die Wiederanbindung von Auenflächen von einigen zehntausend Hektar bislang erst zu einem kleinen Teil ausgeschöpft. 

  • Der Auenzustand ist weiterhin erheblich verändert: Nur knapp 1 % der rezenten Flussauen sind sehr gering verändert (Auenzustandsklasse 1) sowie 8 % gering verändert (Auenzustandsklasse 2) und damit noch weitgehend ökologisch funktionsfähig. 33 % der Flussauen werden als deutlich verändert bewertet (Auenzustandsklasse 3). Das Vorherrschen der Auenzustandsklassen 4 (stark verändert) und 5 (sehr stark verändert) mit 32 % bzw. 26 % spiegelt die noch immer intensive Nutzung der Flusslandschaften wider. Gegenüber dem Auenzustandsbericht 2009 zeigt sich dabei ein weitgehend ähnliches Gesamtbild der Verteilung der Auenzustandsklassen. 

  • Die Nutzung der rezenten Auen ist mit einem Flächenanteil von 43 % weiterhin von Grünland dominiert. Zu 26 % bzw. 7 % werden die rezenten Auen als Ackerflächen sowie als Siedlungs-, Verkehrs- und Gewerbeflächen genutzt. Nur 16 % sind Wälder. Die Veränderungen der Flächenanteile sind gegenüber 2009 gering. 

  • Deutschlandweit wurden seit Anfang der 1980er Jahre bis 2020 etwa 223 größere Auenrenaturierungsprojekte an Flüssen umgesetzt, davon 167 innerhalb der Gebietskulisse des Auenzustandsberichts (79 Flüsse). Seit dem Jahr 2000 werden vermehrt Auenrenaturierungen und Deichrückverlegungen an Flüssen umgesetzt, allein 80 Projekte seit dem Erscheinen des Auenzustandsberichts von 2009. An einigen Flüssen sind regional bereits messbare Verbesserungen des Auenzustands zu verzeichnen. Dies reicht aber noch nicht aus, um auch bundesweit zu einer Trendwende zu kommen. So werden z.B. die Ziele der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt, die naturraumtypische Vielfalt der Gewässer- und Auenlebensräume zu sichern und die natürlichen Überflutungsflächen an Flüssen um 10 % zu vergrößern, bislang deutlich verfehlt. Daher besteht weiterhin ein dringender Handlungsbedarf, im Rahmen langfristiger und umfassender Programme den Flüssen in Deutschland wieder mehr Raum zu geben und naturnahe Auen zu entwickeln.

Übersichtskarten zum Auenzustand

AuenZEB (AuenZustandErfassenBewerten): Auenbewertung eigenständig durchführen

Das Verfahren zur Auenzustandsbewertung liegt auch als Software-Anwendung AuenZEB  vor. Mit dem Bewertungsverfahren können Bundesländer, Forschungsinstitutionen und weitere Interessierte eigenständige Erhebungen durchführen. Das Verfahren kann für Ersterfassungen, Erfolgskontrollen von Renaturierungsmaßnahmen sowie Detailkartierungen von Auenabschnitten angewendet werden. Es gliedert sich in ein Übersichts- und ein Detailverfahren, deren Anwendung in den zwei BfN-Skripten 548 & 549 (Band 1: Grundlagen und Vorgehensweise  und Band 2: Benutzerhandbuch zur Software-Anwendung AuenZEB 1.0)  erläutert werden. Die Software-Anwendung, die Handlungsanleitung zur Auenzustandsbewertung und weitere fachliche Grundlagen  können Sie unter dem folgenden Link gebündelt herunterladen.

Biozönotische Auenzustandsbewertung

Vor dem Hintergrund zahlreicher Renaturierungsmaßnahmen an Fließgewässern und deren Auen zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), aus naturschutzfachlichem Anlass und zum Zwecke des Hochwasserschutzes sowie künftig im Rahmen des Bundesprogramms „Blaues Band Deutschland“ steigt der Bedarf an standardisierten Erfolgskontrollen, um die „biologische Wirksamkeit“ von Renaturierungen auch für die Ufer und die angrenzenden Auenbereiche zu erfassen. Die vorhandenen Bewertungsverfahren beziehen sich entweder nur auf Gewässerlebensräume (WRRL-Monitoring) oder es werden nur ausgewählte, naturschutzfachlich besonders bedeutende Arten und Lebensraumtypen bewertet (FFH-Monitoring). Daher wird mit dem Projekt "BioAu" im Auftrag des BfN ein biologisches Bewertungsverfahren für Auen erarbeitet. Ziel ist es, ein praxistaugliches Verfahren zur biozönotischen Auenzustandsbewertung und Erfolgskontrolle von Renaturierungsmaßnahmen in Ufer- und Auenbereichen bereitzustellen. Das Vorhaben baut auf bereits als Machbarkeitsstudie  veröffentlichten Vorarbeiten auf (BfN Schriften 484).

Ausgewählte Publikationen

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