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Bundesamt für Naturschutz

Seevögel

In das Schutzgebietsnetzwerk NATURA 2000 fließen auch Vogelschutzgebiete in Nord- und Ostsee ein, die nach der Europäischen Vogelschutzrichtlinie ausgewiesen wurden. In den Anhängen dieser Richtlinie sind u. a. Seevogelarten aufgeführt, die eines besonderen Schutzes bedürfen.

Sieben Anhang I Arten

Die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union verpflichteten sich bereits 1979 mit Inkrafttreten der Richtlinie über die Erhaltung der wildlebenden Vogelarten (79/409/EWG, Europäische Vogelschutzrichtlinie), geeignete Maßnahmen zu treffen, um für alle auf europäischem Gebiet heimischen Vogelarten (etwa 240 Arten) eine ausreichende Vielfalt und eine ausreichende Flächengröße der Lebensräume zu erhalten oder wieder herzustellen.

Im Anhang I der Vogelschutz-Richtlinie sind die Arten aufgeführt, die besonderer Schutzmaßnahmen bedürfen, weil sie beispielsweise vom Aussterben bedroht sind, aufgrund ihres geringen Bestandes oder ihrer beschränkten örtlichen Verbreitung als selten gelten. Für diese Arten haben die Mitgliedsstaaten Schutzmaßnahmen zu treffen, um ihr Überleben und ihre Vermehrung in ihrem Verbreitungsgebiet sicherzustellen, dazu gehört explizit auch, die zahlen- und flächenmäßig geeignetsten Gebiete zu Schutzgebieten zu erklären.

In den Meeresflächen der deutschen AWZ von Nord- und Ostsee kommen sieben Anhang I Arten vor:

  • Sterntaucher
  • Prachttaucher
  • Ohrentaucher
  • Küstenseeschwalbe
  • Flussseeschwalbe
  • Brandseeschwalbe
  • Zwergmöwe

Darüber hinaus müssen aber auch die nicht in Anhang I aufgeführten, regelmäßig auftretenden Zugvogelarten geschützt werden, in dem ihre Vermehrungs-, Mauser- und Überwinterungsgebiete sowie Rastplätze in ihren Wanderungsgebieten als Nahrungsgebiet entwickelt und erhalten werden. Dazu gehört auch die Vermeidung von Verschmutzung oder Beeinträchtigung der Lebensräume sowie der Belästigung der Vögel. Zugkorridore müssen in ihrer Funktion erhalten bleiben.

Zu den, für mögliche Schutzgebietsausweisungen relevanten Arten gehören über die Anhang I-Arten hinaus noch insgesamt 19 weitere Arten, überwiegend Meeresenten, Möwen und Alke.

Markant sind die im Prachtkleid goldgelb aufgerichtet Ohrbüschel der Ohrentaucher (Podiceps auritus), Foto: Hans-Georg Arndt
Markant sind die im Prachtkleid goldgelb aufgerichtet Ohrbüschel der Ohrentaucher (Podiceps auritus).

Vogelarten, die bei der Ausweisung von Meeresschutzgebieten in der deutschen AWZ berücksichtigt wurden

 
Basstölpel Mittelsäger
Brandseeschwalbe Ohrentaucher
Dreizehenmöwe Prachttaucher
Eiderente Rothalstaucher
Eisente Samtente
Flussseeschwalbe Silbermöwe
Gryllteiste Sterntaucher
Haubentaucher Sturmmöwe
Heringsmöwe Tordalk
Kormoran Trauerente
Küstenseeschwalbe Trottellumme
Lachmöwe Zwergmöwe
Mantelmöwe  

Einige NATURA 2000 Vogelarten

Beispiele für relevante NATURA 2000 Vogelarten aus Nord- und Ostsee:

Prachttaucher (Gavia arctica) gehören zur Familie der Seetaucher (weltweit 4 Arten). Sie sind mit ihrem lang gestreckten Körper und den großen paddelartigen Füßen mit großen Schwimmhäuten hervorragend an das Leben auf und Jagd unter Wasser angepasst. Bei der Jagd nach Fischen können sie mehrere Minuten unter Wasser bleiben. Sie starten ihren Tauchgang von der Wasseroberfläche, nicht etwa aus einem Sturzflug aus der Luft. Prachttaucher brüten im Sommer weit im Norden, zum Beispiel an den Seen Skandinaviens, und überwintern in speziellen Meeresgebieten von Nord- und Ostsee. Sie gehören zu den im Anhang I der Vogelschutzrichtlinie aufgeführten besonders geschützten Arten.

Sterntaucher (Gavia stellata) sind wie Prachttaucher in Nord- und Ostsee überwinternde Seetaucher. Sie sind jedoch etwas kleiner als Prachttaucher und zeigen eine andere Gefiederfärbung. Auffällig sind die roten Augen sowie während der Brutzeit der rote Halsfleck. Im Winterkleid lassen sie sich von den dann unscheinbaren Prachttauchern vor allem an dem leicht aufwärtsgebogenen, dünneren Schnabel und der dicht weiß gepunkteten Oberseite der Flügel unterscheiden. Jedoch ist diese Unterscheidung aus weiter Entfernung bei Schiffszählungen nur mit sehr großer Erfahrung und auch dann nur bei etwa 60-70% der Tiere möglich. Daher werden beide Arten oft als „Seetaucher“ zusammengefasst. Auch Sterntaucher sind nach Anhang I der Vogelschutzrichtlinie besonders geschützt.

Rothalstaucher (Podiceps grisegena) gehören zur Familie der Lappentaucher. Die Arten dieser Familie sind kleiner und gedrungener als Seetaucher. Ihre Zehen sind durch Schwimmlappen verbreitert und nicht durch Schwimmhäute verbunden. Rothalstaucher brüten in Röhrichtzonen von Seen und Teichen, auch in Norddeutschland. Sie überwintern mitunter auch im offenen Meer. Bei den Zählungen ergaben sich einzelne Sichtungen sowohl in Nord- als auch in der Ostsee, meist in gleichen Meeresgebieten, in denen auch Seetaucher auftreten.

Wie Rothals- und Haubentaucher zählen auch Ohrentaucher (Podiceps auritus) zur Familie der Lappentaucher. Dieser kleine, im Sommer auffällig gefärbte Taucher brütet an pflanzenreichen, flachen Seen des Nordens, wo er sich von Kleinkrebsen und Wasserinsekten ernährt. Im Winter suchen die Vögel eisfreie Gewässer auf. In der Pommerschen Bucht überwintert etwa 1/3 der nordeuropäischen Population. Im Winter ernähren sich die dann unscheinbar grau-weiß gefärbten Ohrentaucher überwiegend von Fischen.

Die Flussseeschwalbe (Sterna hirundo) gehört wie die Küsten- und Brandseeschwalbe zu den typischen Zugvögeln, sie sind ausgesprochene Langstreckenzieher. Die an unseren Küsten brütenden Seeschwalben ziehen im Winter bis nach Afrika. In den deutschen Meeresgebieten der AWZ kommen Seeschwalben vor allem in der Nachbrutzeit vor. Hier können während der Zählungen in einigen Gebieten der Nordsee Konzentrationen von 7.000 bis 8.000 Tieren festgestellt werden. Seeschwalben sind Stoßtaucher, die kleine, oberflächennah schwimmende Fische aus der Luft entdecken und in rasantem Stoßflug erbeuten. Nach der Brutzeit brauchen sie besonders viel Nahrung, um ihre Fettreserven vor dem Zug in die Überwinterungsgebiete anzulegen.

Die Gryllteiste (Cepphus grylle) ist wie die Trottellumme oder der Tordalk (beide bekannt von den Vogelfelsen von Helgoland) ein Vertreter der Familie der Alkenvögel. Die Alken sind mittelgroße bis kleine, meist schwarz-weiß gefärbte Seevögel, die an Land hochaufgerichtet sitzen oder watscheln. Sie sind Fischfresser, die ihre Nahrung tauchend erbeuten. Dabei setzen sie zum Vortrieb unter Wasser ihre kurzen, schmalen Flügel ein. Die Gryllteiste lebt außerhalb der Brutzeit ausschließlich auf hoher See, wie auch Trottelllumme und Tordalk. Während der Vogelzählungen wurden im Winter mehrere hundert Gryllteisten in der deutschen AWZ der Ostsee gezählt; die meisten überwintern im Gebiet des Adlergrundes in der nordöstlichen Pommerschen Bucht.

Eiderenten (Somateria mollissima) brüten sowohl an unseren Küsten als auch in Skandinavien. Sie ernähren sich überwiegend tauchend von marinen Muscheln und Schnecken. Die im Norden brütenden Eiderenten ziehen im Winter südwärts in die eisfreien Gewässer und bleiben dann auch wochenlang auf dem Wasser. Sie halten sich sowohl küstennah als auch küstenfern in der deutschen AWZ von Nord- und Ostsee auf. In der Ostsee überwintern Eiderenten vorrangig im westlichen Teil sehr zahlreich, wohingegen östlich von Rügen nur noch vereinzelte Individuen gesichtet werden.

Samtenten (Melanitta fusca) gehören wie Trauerenten zu den Meeresenten, die im Sommer in den Seengebieten der Tundra und Skandinaviens brüten und den Winter in eisfreien Meeresgebieten verbringen. Vor allem auf der Ostsee wurden bei den Vogelzählungen sowohl im Winter als auch im Frühjahr vor dem Aufbruch in die nördlich gelegenen Brutgebiete sehr große Schwärme von Trauer- und Samtenten gesichtet. Flache Meeresgebiete sind für die Nahrungssuche von besonderer Bedeutung, da die Tiere sich tauchend am Meeresboden von Benthosorganismen ernähren. So finden sich regelmäßig besonders viele Samt- und Trauerenten im Bereich der Pommerschen Bucht. Mehrere 10.000 Samtenten wurden bei Zählungen zum Beispiel auf der Oderbank gesichtet.

Eisenten (Clangula hyemalis) brüten im Juni / Juli in der Tundra. Sie fressen dann überwiegend Insekten. Im Winter halten sie sich in küstennahen Bereichen des Meeres auf, wo sie sich von Bodenorganismen wie Krebsen, Schnecken und Muscheln ernähren. Tausende von Eisenten überwintern entlang der deutschen Ostseeküste, aber auch küstenferner in den deutschen Meeresgebieten der AWZ, insbesondere auf der Oderbank und dem Adlergrund. Hier, auf den flachen Sandbänken, finden die Tiere ausreichend Nahrung und weitgehende Ruhe vor Störungen.

Viele Möwenarten (Larus marinus) wie hier die Mantelmöwe werden in großer Individuenzahl bei den Vogelzählungen in der AWZ von Nord- und Ostsee erfasst. Räumlich abzugrenzende Konzentrationen können lediglich bei der Zwergmöwe festgestellt werden, die sich während des Frühjahrszuges in den gleichen Gebieten aufhält, in denen auch besonders hohe Konzentrationen von Seetauchern zu finden sind.

Ausgewählte Publikation

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