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Bundesamt für Naturschutz

NSG Fehmarnbelt

Das etwa 280 km² große Naturschutzgebiet (NSG) Fehmarnbelt entspricht dem FFH-Gebiet Fehmarnbelt (EU-Code: DE 1332-301) und liegt in der westlichen Ostsee rund 5 km nördlich der Insel Fehmarn. Es umfasst eine bis zu 35 m tiefe Meerenge zwischen Deutschland und Dänemark, durch die rund 70–75 % des Wasseraustausches zwischen Nord- und Ostsee erfolgt. Diese besonderen hydrologischen Verhältnisse führen dazu, dass das Schutzgebiet eine bedeutende ökologische Schlüsselfunktion für den Austausch und die Verbreitung mariner Arten in der Ostsee besitzt.

Fakten zum Naturschutzgebiet Fehmarnbelt (FFH-Gebiet) 2017 als NSG national unter Schutz gestelltes Natura 2000-Gebiet

 
Lebensraumtypen Sandbänke ca. 5,97 km²
  Riffe 114,4 km²
Arten/Anzahl Schweinswal (Phocoena phocoena) > 100, saisonale Nutzung durch weitere migrierende Tiere
  Seehund (Phoca vitulina) Nutzung als Nahrungshabitat

Wanderkorridor und Nahrungsgebiet für Schweinswale und Seehunde

Schweinswale (Phocoena phocoena) durchschwimmen den Fehmarnbelt auf ihren Wanderungen regelmäßig. Sie kommen sowohl im NSG als auch in den unmittelbar umgebenden Gewässern rund um Fehmarn vor. Dabei scheint das Gebiet für die Tiere nicht nur als Wanderkorridor, sondern auch als Nahrungsgebiet eine wichtige Bedeutung zu haben. Auch werden hier regelmäßig Mutter-Kalb-Paare gesichtet. Seit 2002 werden in der deutschen Ostsee im Auftrag des BfN Schweinswale durch Flugzeugerfassungen gezählt und akustisch mit Hilfe von Unterwassermikrofonen, sogenannten „Porpoise Click Detectors“ (PODs) erfasst, welche die Schweinswallaute, die „Clicks“, aufzeichnen. Die Ergebnisse des BfN-Schweinswalmonitorings und weitere interessante Daten dieses Projekts, zum Beispiel Häufigkeiten im Jahresverlauf sind in den jährlichen Monitoringberichten und den interaktiven Kartenanwendungen des BfN zu finden.

In der Gebietsbeschreibung der Ostsee-NSG werden die für das NSG Fehmarnbelt wichtigsten Nutzungen identifiziert und bewertet. Dabei zeigte sich, dass trotz aller Bemühungen des BfN derzeit leider noch immer ein starkes Defizit im Erhaltungsgrad der Schweinswalpopulation besteht, nicht nur innerhalb dieses NSG.

Als weitere Anhang II-Art der FFH-Richtlinie werden im NSG Fehmarnbelt auch Seehunde (Phoca vitulina) geschützt, die das Gebiet zur Nahrungssuche nutzen. Sie gehören zur dänischen und südschwedischen Seehundpopulation und suchen das Gebiet regelmäßig auf ihren Beutezügen auf. Für den Erhaltungsgrad der Seehunde wurde für die Jahre von 2011 bis 2019 ein mittleres Defizit festgestellt.

Seehund (Phoca vitulina)
Seehunde auf Nahrungssuche im Fehmarnbelt

Schutzziele und Schutzzweck

Die Schutz- und Erhaltungsziele für das NSG Fehmarnbelt ergeben sich aus §3 der Schutzgebietsverordnung (NSGFmbV). Dazu gehören insbesondere die Erhaltung und Wiederherstellung:

  • der spezifischen ökologischen Funktionen, der biologischen Vielfalt und der natürlichen Hydro- und Morphodynamik des Gebietes; insbesondere als Korridor für den ungestörten Austausch von aperiodisch einströmendem Salzwasser der Nordsee und ausströmendem Brackwasser der Ostsee;
  • des Fehmarnbelts als Hauptwanderweg für marine Faunen- und Florenelemente in die östliche Ostsee;
  • eines günstigen Erhaltungszustands der Lebensraumtypen "Sandbänke mit nur schwacher ständiger Überspülung durch Meerwasser" Code 1110 und "Riffe" Code 1170 mit ihren charakteristischen und gefährdeten Lebensgemeinschaften und Arten, sowie darüber hinaus insbesondere auch der naturnahen Ausprägung mariner Makrophytenbestände sowie artenreicher Kies-, Grobsand- und Schillgründe (die als § 30 BNatSchG Biotoptyp ebenfalls kleinräumig im NSG vorkommen);
  • eines günstigen Erhaltungszustands hier nach FFH-Richtlinie geschützter Arten und ihrer Habitate: Schweinswal und Seehund.
Nagelrochen (Raja clavata)
Die geringe Wachstumsrate, späte Geschlechtsreife und geringe jährliche Reproduktionsrate führen dazu, dass Nagelrochen sehr empfindlich gegenüber Fischereidruck sind. Als bodennah lebender Fisch haben Nagelrochen kaum eine Chance, den Schleppnetzen der grundberührenden Fischerei zu entgehen und landen oft als Beifang in den Netzen.

Wichtigste Nutzungen

Im NSG Fehmarnbelt findet die intensivste Nutzung durch die Schifffahrt statt: hier verläuft in West-Ost-Richtung auf einem rund 4 km breiten Streifen ein Verkehrstrennungsgebiet. In mehr als der Hälfte des Gebiets beträgt die mittlere Schiffsdichte zwischen 30 und 80 Schiffen pro km² und Tag. Solch hohe Schiffsdichten und der damit verbundene Unterwasserlärm wirken sich vor allem negativ auf Meeressäugetiere, insbesondere Schweinswale aus. Aber auch Seevögel sind betroffen, die durch die sich nähernden Schiffe aufgescheucht oder vertrieben werden.

Das Gebiet wird sowohl durch kommerzielle als auch durch Freizeitfischerei stark genutzt. Im westlichen Teil des Fehmarnbelts befindet sich aus diesem Grund eine durch die Schutzgebietsverordnung festgelegte Regulierungszone für die Freizeitfischerei. Dieser etwa 65 km² große Bereich ist ganzjährig für die Freizeitfischerei geschlossen. Er beherbergt besonders schützenswerte Riffe und Sandbankbereiche, die auch wichtige Aufwachsgebiete für Jungfische darstellen.

Regelungen für die Berufsfischerei können ausschließlich im Rahmen der Gemeinsamen Fischereipolitik (GFP) der Europäischen Union getroffen werden. Die Maßnahmenvorschläge befinden sich derzeit in gestaffelten erst nationalen und dann europäischen Abstimmungsprozessen.

Ausgewählte Karte und Kartenanwendung

Ausgewählte Publikation

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