Asien
Kooperation mit China
Das BfN pflegt eine langjährige Kooperation mit chinesischen Partnerorganisationen zu verschiedenen naturschutzfachlichen Themen. Dabei liegt der Schwerpunkt auf dem Austausch zu wissenschaftlichen Projekten und methodischen Ansätzen des Biodiversitätsschutzes, zu nationalen Strategien und der praktischen Umsetzung von Naturschutzprojekten.
Beschreibung
Ziel der bilateralen Zusammenarbeit ist das gegenseitige voneinander Lernen, die Weiterentwicklung von zielführenden Ansätzen und die Vernetzung von Akteuren. Konkret beinhaltete die Kooperation in den letzten Jahren unter anderem den Austausch zu Biodiversitätsmonitoring, Schutzgebietsmanagement, der ökonomischen Bewertung von Biodiversität und Ökosystemleistungen und dem Konzept der naturbasierten Lösungen.
Die Chinese Research Academy of Environmental Sciences (CRAES) ist eine Forschungseinrichtung, die dem im Jahr 2008 eingerichteten chinesischen Umweltministerium zugeordnet ist. Zu den Aufgaben von CRAES zählen unter anderem Forschung, Politikberatung und technische Unterstützung bei der Umsetzung von nationalen Strategien und Politiken in den Bereichen Klima-, Umwelt- und Naturschutz. Ein zentrales Element der Kooperation ist der Wissensaustausch im Bereich Biodiversität und Ökosystemleistungen. In diesem Zusammenhang organisieren BfN und CRAES seit 2008 gemeinsame jährliche Workshops zu aktuellen Themen, welche abwechselnd in China und Deutschland stattfinden. Die Kooperation zwischen CRAES und BfN wurde in Regierungskonsultationen und im deutsch-chinesischen Aktionsplan „Innovation gemeinsam gestalten!“ hervorgehoben.
Neben der Zusammenarbeit mit CRAES primär in den Bereichen Biodiversität und Ökosystemleistungen kooperiert das BfN auch mit weiteren chinesischen universitären, staatlich oder nicht-staatlichen Organisationen, teilweise im Verbund mit anderen deutschen oder internationalen Partnern. Ziel ist es dabei einen Beitrag zur Weiterentwicklung des Naturschutzes in China und Deutschland und darüber hinaus zu leisten sowie zur Netzwerkbildung.
In 2022 hat das BfN erstmals in enger Zusammenarbeit mit CRAES und dem UNEP -International Ecosystem Management Programme (UNEP-IEMP) einen virtuellen Workshop speziell für Nachwuchswissenschaftler*innen aus China und Deutschland organisiert. Mit den ca. 80 Teilnehmenden konnten konkrete Handlungsvorschläge entwickelt werden, um Forschung zu ökosystembasierten Ansätzen als auch die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu stärken. Hierbei wurden u.a. wichtige Forschungslücken und Herausforderungen identifiziert. Dazu zählen unter anderem: das immer noch sehr begrenzte Wissen hinsichtlich der Anpassung von Ökosystemen an die Folgen des Klimawandels, limitierte Daten zur Anwendung von ökosystembasierten Ansätzen auf Landschaftsebene und die Schwierigkeit der
Um sich in Fragen von Umwelt und Entwicklung beraten zu lassen, hat der chinesische Staatsrat 1992 den chinesischen Nachhaltigkeitsrat (China Council for International Cooperation on Environment and Development - CCICED) eingerichtet. Das hochrangige Beratungsgremium hat 2018 eine Arbeitsgruppe (Special Policy Study – SPS) zu „Post-2020: Global Biodiversity Conservation“ ins Leben gerufen, u.a. um sich für die 15. Vertragsstaatenkonferenz der CBD beraten zu lassen. Darüber hinaus war das BfN von 2021 bis 2022 Mitglied in der CCICED Arbeitsgruppe zu naturbasierten Lösungen (NbS) und hat die Studie zur Wertschätzung von NbS (Value Assessment of Nature-based Solutions) unterstützt. Der Schwerpunkt dieser Studie lag in der Entwicklung eines Rahmenwerks für die Planung und Umsetzung von NbS, welches kompatibel mit chinesischen Politiken ist. Zudem wurde ein Prototyp für eine NbS Datenbank entwickelt, um nationale und internationale Projekte systematisch zu erfassen. Des Weiteren hat die Arbeitsgruppe ein System vorgeschlagen um die Beiträge, besonders der sozialen Aspekte, von NbS, konsequent und umfassend zu messen, unter Berücksichtigung der internationalen Bilanzierungsprinzipien für Naturkapital.
In der Zusammenarbeit mit chinesischen Partnern hat sich das BfN auf den Austausch zu integrativen und innovativen Naturschutzansätzen konzentriert. So wurden auch Möglichkeiten der Integration von Biodiversitätsbelangen in die Stadtplanung untersucht. Das BfN hat gemeinsam mit seinen Partnern, wie z.B. ICLEI Ostasien, einen funktionalen Ansatz verfolgt, der die vielfältigen Funktionen von Stadtnatur und grün-blauer Infrastruktur, beispielsweise für die Anpassung an den Klimawandel oder das menschliche Wohlergehen, in den Mittelpunkt stellt. Neben der Integration in Stadt- und Regionalplanung ging es auch um die Stärkung subnationaler und lokaler Regierungen für die Umsetzung globaler Biodiversitätsziele.
Seit 2008 finden in regelmäßigen Abständen und abwechselnd in China und in Deutschland deutsch-chinesische Workshops des BfN zu ausgewählten Biodiversitäts- und Naturschutzthemen statt.
Diese stellen ein zentrales Element der deutsch-chinesischen Kooperation zwischen dem BfN und unserem Kooperationspartner, der chinesischen Umweltforschungsakademie (CRAES), dar. Ziel der Veranstaltungen ist sowohl der wissenschaftliche Austausch zu methodischen Ansätzen und Forschungsergebnissen wie auch der Austausch zu aktuellen und geplanten Projekten und politischen Programmen im Bereich Biodiversität. Darüber hinaus bieten die Workshops aber auch Gelegenheit, die Schwerpunkte und Handlungsstrategien des Engagements Deutschlands im Bereich Biodiversität zu diskutieren und die Möglichkeiten einer engeren Kooperation und Vernetzung deutsch-chinesischer Organisationen zu erörtern.
In der Vergangenheit lagen die Schwerpunkte dieser Workshopreihe auf Themen wie z.B. der Integration von Biodiversitätsaspekten in andere Politikbereiche (Mainstreaming), auf der Bewertung von Ökosystemleistungen (z.B. im Zusammenhang mit TEEB - The Economics of Ecosystems and Biodiversity), als auch auf dem Schutz und dem nachhaltigen Management verschiedener Biome wie z.B. Wald, Wasser/Feuchtgebiete als auch urbaner Ökosysteme. Zuletzt widmete sich der 12. Bilaterale Workshop dem Konzept der naturbasierten Lösungen.
13. Bilateraler Workshop: “Implementing the Kunming-Montreal Global Biodiversity Framework - Enhancing Biodiversity and Ecosystem Functions through forest and wetland restoration”, 6.-9. November 2023, Wuzhishan, China
Im Rahmen des Workshops tauschten sich Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen sowohl aus China und Deutschland als auch anderen europäischen und asiatischen Staaten zu Projekten, Studienergebnissen und Plänen zur Umsetzung des globalen Biodiversitätsrahmens von Kunming-Montreal im Themenbereich Wiederherstellung von Wäldern und Feuchtgebietsökosystemen aus.
Aus den Beiträgen und Diskussionen ergaben sich einige wichtige Punkte, die bei der Planung, Umsetzung als auch beim Monitoring von Wiederherstellungsprojekten Beachtung finden sollten. So wurde auf die Bedeutung von Langzeitmonitoring von Renaturierungsprojekten und die damit zusammenhängende wissensbasierte Planung von Projekten, die Einbeziehung der lokalen Bevölkerung in die Projektplanung als auch die Schaffung von Anreizsystemen und einkommensgenerierenden Maßnahmen zur stärkeren Valorisierung von Biodiversität und Ökosystemleistungen hingewiesen. Interessenkonflikte, Finanzierungsmöglichkeiten, politische Prioritätssetzung und fehlende langfristige Planungssicherheit wurden als Herausforderungen benannt.
Eine der zentralen Fragen des Workshops befasste sich außerdem mit den Unsicherheiten und Veränderungen, die durch den Klimawandel bedingt sind und den möglichen Handlungsoptionen, um diese in Wiederherstellungsprojekten zu berücksichtigen. Mögliche Synergien zwischen Biodiversität und Klimaschutz wurden aufgezeigt und so zum Beispiel die Biodiversität von Wäldern als ein Resilienzfaktor im Zusammenhang mit dem Klimawandel betont. So sind artenreiche Wälder nicht nur widerstandsfähiger, sondern weisen auch höhere Kohlenstoffbindungsraten auf.
Ohne die Bedeutung von Wiederherstellungsmaßnahmen in Frage zu stellen, wurde die grundlegende Bedeutung von Schutzmaßnahmen von natürlichen Ökosystemen betont. Diese sind zum einen kosteneffektiver und zum anderen haben natürliche Ökosysteme einen höheren Stellenwert in Bezug auf Qualität und Funktion als wiederhergestellte Lebensräume.
Auch die wichtige Rolle von Nichtregierungsorganisationen im Hinblick auf den Erfahrungsaustausch zur Umsetzung naturbasierter Lösungen wurde betont und auch durch den Beitrag der chinesischen Organisation „Society of Entrepreneurs and Ecology“ unterstrichen.
Exkursionen in den Hainan Tropical Rainforest National Park und in das Mangrovenschutzgebiet Dongzhaigang rundeten den Workshop ab.
Kooperation mit Russland
Zwischen dem BfN und verschiedenen staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen in der Russischen Föderation gab es zum Teil langjährige Kooperationen. Sie basierten auf dem Deutsch-Russischen Regierungsabkommen zum Umwelt- und Naturschutz von 1992, auf dessen Grundlage 1996 die Ständige Deutsch-Russische Arbeitsgruppe „Naturschutz und Biologische Vielfalt“ eingerichtet wurde.
Beschreibung
Schwerpunkte der Kooperation lagen auf der Entwicklung von Konzepten und Instrumenten für den Schutz und die nachhaltige Nutzung von Natur und Landschaft (Landschaftsplanung), Schutzgebietsentwicklung (z.B. UNESCO-Weltnaturerbegebiete und UNESCO Biosphärenreservate), der Bewertung von Biodiversität und Ökosystemleistungen sowie im Bereich der Umweltbildung. Durch die stark wissenschaftlich geprägte, bilaterale Zusammenarbeit entstand in der Vergangenheit Mehrwert für beide Seiten.
Im Rahmen der Kaliningrader Umwelttage, die seit 2002 jährlich stattfanden, wurde vor einigen Jahren die Unterstützung Deutschlands bei einer nachhaltigen Regionalentwicklung im Kaliningrader Gebiet erörtert. Seit 2007 liegen erste Machbarkeitsstudien und Zonierungsvorschläge für die Entwicklung eines Großschutzgebietes Rominter Heide vor. In einem im August 2022 abgeschlossenen Projekt arbeiteten deutsche und russische Fachleute und Akteure zusammen, um insbesondere den Naturpark "Wystinets", bei der Nominierung des russischen Teils der Rominter Heide als UNESCO-Biosphärenreservat zu unterstützen. Konkret wurden u. a. gemeinsam Antragsdokumente zur offiziellen Einreichung durch die Russische Föderation bei der UNESCO erarbeitet sowie ein Managementplan zum Schutz und zur nachhaltigen Entwicklung des zukünftigen Biosphärenreservates erstellt. Da es bislang noch kein Biosphärenreservat im Kaliningrader Gebiet gibt, wäre die Nominierung auch ein wesentlicher Schritt zur stärkeren Einbeziehung Kaliningrads in das internationale Wissenschaftsprogramm „Der Mensch und die Biosphäre“ der UNESCO. Die Region hätte somit auch einen Modellcharakter für den Schutz und eine nachhaltige Nutzung seiner natürlichen Ressourcen, auch durch sanften, ökologisch vertretbaren Tourismus, Umweltbildung, sowie öffentliche Beteiligung und Kommunikation.
Seit 2013 wurden gemeinsam mit russischen Akteuren Projekte zu TEEB (The Economics of Ecosystems and Biodiversity), also zur Bestimmung des ökonomischen Werts der Leistungen der Natur und der Kosten der Naturzerstörung, umgesetzt. In Zusammenarbeit deutscher (Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung) und russischer Wissenschafts- und Nichtregierungsorganisationen (Biodiversity Conservation Center Moscow), der Russischen Akademie der Wissenschaften und des Russischen Umweltministeriums mit Unterstützung von BMUV und BfN wurde ein erster, konsolidierter Bewertungsansatz von Ökosystemleistungen in Russland veröffentlicht. Dieser konnte mit maßgeblichen Entscheidungsträgern diskutiert werden. Die Studie war auch die Grundlage für regionale Berichte (Russland und ausgewählte Nachbarstaaten) für die Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services. Aufbauend auf der Grundlagenstudie wurden die herausgearbeiteten Ansätze in einer Folgestudie weiterentwickelt, ergänzt und evaluiert. Darin werden Optionen für die Integration von Biodiversität und Ökosystemleistungen in verschiedene Politikfelder (u.a. urbane Ökosysteme/Stadtnatur, Moorschutz, Bestäubung als Grundlage landwirtschaftlicher Produktion) und erste Schritte einer Integration von Werten in die ökonomische Gesamtrechnung behandelt.
Projekte mit weiteren asiatischen Partnerländern
Das BfN unterstützt weitere Partnerländer in Asien, vor allem bei der Nominierung von UNESCO Biosphärenreservaten und Welterbestätten. Im Rahmen des Beratungshilfe-Programms des BMUKN betreut das BfN zudem schwerpunktmäßig Naturschutzprojekte in Zentralasien.
Entwicklung eines UNESCO-Biosphärenreservats Indawgyi-See in Myanmar
Im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit deutscher Biosphärenreservate mit Biosphärenreservaten aus dem Weltnetz, entwickelte sich eine Kooperation Brandenburger Biosphärenreservate mit dem Biosphärenreservat Indawgyi-See in Myanmar. Der Indawgyi-See ist der einzige Süßwassersee Myanmars und ist von internationaler Bedeutung für den Schutz der Biodiversität und der Lebensgrundlage mehrerer zehntausend Menschen. Das Projekt beschäftigte sich mit der Unterstützung des Biosphärenreservats Indawgyi-See in den Bereichen Capacity Building, See-Monitoring, Durchgängigkeit von Fließgewässern und dem Umgang mit den Folgen des illegalen Goldbergbaus.
Nominierung der Ostmongolischen Steppen als UNESCO-Weltnaturerbe
Das Projekt zur Nominierung der ökologisch wertvollen Ostmongolischen Steppen als UNESCO-Weltnaturerbe wurde erfolgreich abgeschlossen und das erstellte Nominierungsdossier dem UNESCO-Welterbekomitee zur Prüfung vorgelegt. Im Rahmen des Projektes wurde eine integrative Managementstruktur entwickelt und implementiert, um die nachhaltige Bewirtschaftung des Gebiets sicherzustellen und einen bedeutenden Beitrag zum langfristigen Schutz dieses einzigartigen Steppenökosystems zu leisten.
Daurische Steppe - Nominierung als UNESCO-Weltnaturerbe (Russland, Mongolei)
Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie wurde die Eignung der Daurischen Steppe (Russische Föderation/Mongolei) als Weltnaturerbe untersucht. Auf Basis dieser Ergebnisse wurden die Akteure vor Ort bei der Erstehung eines Nominierungsdossiers unterstützt. Die gemeinsame Welterbestätte wurde 2017 als „Daurian Landscapes“ vom UNESCO-Welterbekomitee anerkannt und umfasst neben den Steppen auch wichtige Feuchtgebiete. Sie ist Anerkennung der langjährigen grenzüberschreitenden Kooperation und bietet einen wichtigen Schutzraum für Zugvögel sowie die Mongolische Antilope entlang ihrer jeweiligen Flug- und Wanderrouten.