Öffnet eine externe Seite Link zur Startseite

Bundesamt für Naturschutz

Stoffeinträge

Pestizide und Düngemittel belasten Agrarökosysteme, reichern sich in Böden an und gefährden die Artenvielfalt in der Agrarlandschaft und naturnahen Lebensräumen. Für den Biodiversitätsschutz ist es daher dringend erforderlich, verbindliche Standards für einen ausbalancierten und risikoverminderten Einsatz von Pestiziden und Düngemitteln zu schaffen.

Pestizide

Der Einsatz von Pestiziden ist vor allem in der konventionellen Landwirtschaft weit verbreitet und erlaubt eine Flächenbewirtschaftung, die weitestgehend unabhängig von natürlichen ökologischen Regulationsprozessen wie standortbedingter Bodenfruchtbarkeit ist. Natürliche Ökosystemleistungen der Biodiversität in der Agrarlandschaft treten so weit in den Hintergrund der landwirtschaftlichen Produktion. Dabei könnten sowohl die Biodiversität als auch die Landwirtschaft von einem ausbalancierten Pestizideinsatz, ganz nach den Leitlinien des integrierten Pflanzenschutzes, profitieren.

Übermäßiger Pestizideinsatz wirkt sich gleich dreifach negativ auf die Artenvielfalt aus:

  • Pestizideinsatz ist das zentrale Element industrialisierter Landwirtschaft. Erst chemisch synthetische Pflanzenschutzmittel erlauben den Einsatz von erhöhten Nährstofffrachten sowie den großflächigen Anbau von Einzelkulturen in engen Fruchtfolgen. Die Folge sind monotone, strukturarme Agrarlandschaften.
  • Die meisten der eingesetzten Pestizide sind wenig selektiv. Obwohl nur eine geringe Anzahl von Organismen einen wirtschaftlichen Schaden an den Kulturpflanzen verursacht, werden durch die Schutzmaßnahmen viele Nicht-Zielorganismen abgetötet. 
  • Pestizide verbleiben nicht immer auf den Flächen, auf denen sie ausgebracht wurden. Etwa durch Abdrift oder Erosion werden die Substanzen und schädliche Metabolite in naturnahe angrenzende Flächen ausgetragen. Auch wenn die Konzentrationen hier unterhalb der tödlichen Dosis liegen, werden viele Arten in ihrem Vorkommen langfristig geschwächt.

Das BfN tritt daher für einen naturverträglichen Einsatz von Pflanzenschutzmitteln ein. Dazu setzt es sich etwa im Rahmen des Nationalen Aktionsplans zur nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln (NAP) dafür ein, dass die Leitlinien des integrierten Pflanzenschutzes Beachtung finden und die dort zugrunde liegenden Schadschwellen ökologische Folgekosten einer Pestizidanwendung berücksichtigen. Im Rahmen des Aktionsprogramms Insektenschutz setzte sich das BfN zudem dafür ein, dass zukünftig besonders sensible Bereiche, wie Schutzgebiete ohne Pestizideinsatz bewirtschaftet werden. Naturnahe Ökosysteme müssen zudem durch angemessen dimensionierte unbehandelte Ackerrandstreifen vor ungewünschten Schadstoffeinträgen geschützt werden.

Ausgewählte Publikation

Düngung

Düngung sollte der optimalen Versorgung von Kulturpflanzen dienen. Die damit verbundenen Nährstofffrachten fördern aber auch die Eutrophierung (Überversorgung mit Nährstoffen) von Ökosystemen und tragen somit erheblich zum Artenschwund bei. Nur wenige Arten können von hohen Nährstoffgaben profitieren und verdrängen in der Folge den Großteil der heimischen Arten. Dies gilt besonders für den Stickstoffeintrag in intensiven Viehhaltungsregionen.

Das BfN setzt sich dafür ein, dass Düngung wieder als Bestandteil eines integrierten Pflanzenbaus verstanden wird. Kulturpflanzen, die aufgrund hoher Stickstoffversorgung schnell wachsen, sind gleichwohl anfällig gegenüber Schädlingsbefall und haben daher auch einen höheren Bedarf an Pestizidbehandlungen. Vielmehr sollte sich Düngung daher standortgerecht am Boden orientieren und so das Wachstum vitaler und robuster Kulturpflanzen fördern. Ein weiterer Fokus sollte auf der natürlichen Schädlingskontrolle sowie die Bodenfruchtbarkeit liegen, um die Erträge auch vor dem Hintergrund des Klimawandels in Zukunft stabil zu halten.

Organischen Düngern wie Festmist sollte daher gegenüber mineralischen Düngern stets der Vorzug gegeben werden. Um eine regional gleichmäßige Verfügbarkeit von organischen Düngern zu fördern, sollte die Viehhaltung an die Fläche gebunden werden und maximal zwei Großvieheinheiten pro Hektar nicht überschreiten. Eine Kontamination von Wirtschaftsdüngern mit Rückständen von Medikamenten oder Schwermetallen muss dabei ausgeschlossen werden können.

Bei Ausbringung von Nährstoffen ist sicherzustellen, dass diese auf den landwirtschaftlichen Flächen verbleiben. Ein Austrag durch Ausgasung, Erosion oder falsch eingestellte Technik muss verhindert werden. Angemessene dimensionierte und ungedüngte Ackerrandstreifen sowie eine zügige Einarbeitung sind ein angemessenes Mittel, um Einträge in naturnahe Ökosysteme zu minimieren.

Zurück nach oben