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Bundesamt für Naturschutz

Begriffserläuterungen

Der Begriff Biologische Vielfalt oder Biodiversität steht als Sammelbegriff für die Vielfalt des Lebens auf unserer Erde und ist die Variabilität aller lebender Organismen und der ökologischen Komplexe zu denen sie gehören. Biodiversität umfasst drei Ebenen: die Vielfalt der Ökosysteme (dazu gehören Lebensgemeinschaften, Lebensräume und Landschaften), die Artenvielfalt und drittens die genetische Vielfalt innerhalb der Arten.

Warum brauchen wir biologische Vielfalt?

Die biologische Vielfalt ist eine existenzielle Grundlage für das menschliche Leben. Es gibt zahlreiche ökologische, ökonomische, soziale und auch ethische Gründe, Biodiversität zu erhalten und zu bewahren.

Wir sind ethisch dazu verpflichtet, die Biodiversität zu schützen und aus Gründen der sozialen und der Generatio-nengerechtigkeit zu bewahren. Laut Grundgesetz schützt der Staat "auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen" (GG Art. 20 a).

Pflanzen und Tiere spielen bei der Ernährung des Menschen die entscheidende Rolle. Ungefähr 7000 Pflanzenarten wurden bislang für die menschliche Ernährung weltweit kultiviert – ein Prozess, der bereits vor 12 000 Jahren begann. Ferner erhalten wir zahlreiche Rohstoffe (z.B. Holz als Baumaterial oder Energielieferant) aus der Natur.

Ganz selbstverständlich nutzen wir täglich die "Dienstleistungen" der Natur: frische und saubere Luft, sauberes Wasser, Obst und Honig (erzeugt durch bestäubende Insekten wie z.B. Bienen), CO2-Speicherung (z.B. in Wäldern, Mooren, Böden, Weltmeeren) und vieles mehr. Diese Dienstleistungen kann die Natur nur aufgrund ihrer intakten Biodiversität liefern. Es sind für uns lebenswichtige, aber unentgeltliche Ökosystemfunktionen. Wir können es uns nicht leisten, auf sie zu verzichten. 

Die Vielfalt der Gene ist von enormer Bedeutung. Erbinformationen, die genetischen Ressourcen, können in der Ernährung und in der Medizin helfend eingesetzt werden. Diese genetische Vielfalt gilt es nutzbar zu machen (z.B. durch die Zucht besserer Nutztierrassen und Pflanzensorten). Damit das gelingen kann, muss die biologische Vielfalt in ihrer ganzen Breite erhalten werden.

Ein reicher Genpool führt dazu, dass Organismen, Arten und somit auch ganze Ökosysteme gesund und flexibel bleiben und sich an sich verändernde Lebensbedingungen anpassen können. Besonders in Zeiten des Klimawandels ist es wichtig, dieses Anpassungspotential aufrecht zu erhalten.

Pflanzen und Tiere haben bereits zahlreiche "Vorlagen" für technische Erfindungen geliefert (Bionik). Die Übernahme von erfolgreichen Anpassungen in der Natur kann zu leichteren und trotzdem stabileren Bauten führen und so auch dabei helfen, Rohstoffe und Energie einzusparen.

Die biologische Vielfalt der Natur dient unserer Erholung. Ob Waldspaziergänge, Reisen ans Meer oder Wanderungen in den Bergen, die Ästhetik und Schönheit der Natur aufgrund ihrer Vielfalt spielen für unser Wohlbefinden eine entscheidende Rolle.

Wo gibt es biologische Vielfalt?

Biologische Vielfalt findet sich überall auf der Erde. "Hot spots" mit besonders hohen Dichten an Arten, Ökosystemen und genetischer Vielfalt sind z.B. Bereiche der Tropen, Meere und Wälder. Weitgehend unterschätzt sind alte Kulturlandschaften, die höchst diverse Lebensräume darstellen. Inseln zeichnen sich vor allem durch spezielle Arten und Ökosysteme aus, die in vielen Fällen an keinem anderen Ort auf der Welt zu finden sind (Endemismus).

Bedeutsam ist auch die durch menschliche Züchtung über Jahrtausende hervorgebrachte Vielfalt an Nutzpflanzenrten und -tierarten, die heute ebenfalls bedroht ist. Von den ursprünglich über 7000 Pflanzenarten, die für die menschliche Ernährung kultiviert und durch Zucht verbessert wurden, liefern heute lediglich noch 15 Arten (und 8 Tierarten) ungefähr 90 % der menschlichen Nahrung weltweit.

Biodiversität ist nicht nur dann bedeutsam, wenn sie besonders hoch ist. Jedes gesunde Ökosystem funktioniert deshalb so gut, weil es genau die richtige Artenzusammensetzung besitzt. Das bedeutet, dass es in jeder Region den jeweiligen Standorten und dem jeweiligen Klima angepasste Arten und Artengemeinschaften gibt. Insofern kommt es nicht nur auf die Größe der Vielfalt, sondern auch auf die genaue Zusammensetzung der Gene, Arten und Ökosysteme an, damit die Funktionalität einer Lebensgemeinschaft gewährleistet ist. 

Warum und wodurch ist die biologische Vielfalt bedroht?

Die biologische Vielfalt ist auf vielfältige Art und Weise durch den Menschen bedroht.

Die direkte Zerstörung von Lebensräumen (z.B. der Bau von Siedlungen und Infrastrukturen, Abholzung, Brandrodung, Tagebau, Entwässerung, Überfischung, industrielle Landwirtschaft) führt weltweit zum Verlust biologischer Vielfalt.

Übernutzung und Degradation führen zur Reduktion der Biodiversität. Als Beispiele sind Überweidung, Bodenerosion, Zerschneidung von Lebensräumen, nicht-nachhaltige Brennholznutzung, Pestizideinsatz, Schadstoffeinträge, Gewässerverschmutzung, nicht-nachhaltiger Tourismus, nicht-nachhaltige Landwirtschaft, nicht-nachhaltige Fischerei und Jagd zu nennen.

In der Landwirtschaft führen veränderte Nutzungspraktiken zum zunehmenden Verlust der Agrarbiodiversität. Gründe hierfür sind u.a. die Aufgabe von extensiv genutzten Flächen (z.B. moderate Beweidung) und die Intensivierung der Landwirtschaft (z.B. Umwandlung von Grünlandnutzung in Ackerbau).

Bewusst oder unbewusst außerhalb ihrer natürlichen Verbreitung freigesetzte Arten können die heimische Flora und Fauna bedrohen und verdrängen. Beispiele in Deutschland sind die Spanische Wegschnecke, der Riesen-Bärenklau oder das Drüsige Springkraut.

Zu schnell fortschreitende Veränderungen der Umweltbedingungen haben für Ökosysteme und ihre Artenzusammensetzungen die Folge, dass sie sich nicht in der nötigen Geschwindigkeit anpassen können. Der Klimawandel wird einen massiven Verlust biologischer Vielfalt mit sich bringen.

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