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Bundesamt für Naturschutz

Vögel und Antikollisionssysteme (AKS)

Unter Antikollisionssystemen (AKS) versteht man Systeme, die in der Lage sind am Windenergieanlagen-Standort bestimmte Zielvogelarten, insbesondere Groß- und Greifvögel, kamerabasiert in Echtzeit zu erkennen, um beim Eintritt in den Gefahrenbereich den Betrieb automatisch abzuregeln. Neuentwicklungen fokussieren auf die Detektion von Bewirtschaftungsereignissen zur vorübergehenden Abschaltung von Windenergieanlagen, da insbesondere bei bestimmten landwirtschaftlichen Bearbeitungsformen eine erhebliche Anlockung von Vögeln besteht.
Kameras des BirdRecorder montiert auf einem waagerechtem Träger auf einem Gebäude
Kameras montiert auf waagerechtem Träger auf einem Gebäude vor blauem Himmel auf der Dachterrasse des ZSW Stuttgart

Antikollisionssysteme werden im § 45 b Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) als eine der möglichen Schutzmaßnahmen genannt, mit denen Kollisionsrisiken von Vögeln an Windenergieanlagen vermieden beziehungsweise gesenkt werden können. AKS können als Alternative zu anderen Maßnahmen, wie zum Beispiel pauschalen Abschaltungen, eingesetzt werden.

In einem vom Kompetenzzentrum Naturschutz und Energiewende gGmbH (KNE) bearbeiteten BfN-Forschungsvorhaben "Wissenstransfer und Anforderungen an technische Vermeidungsmaßnahmen" (FKZ 3522 86 0800) konnten die Rahmenbedingungen für den Einsatz von AKS geklärt werden. Das Vorhaben zielte darauf ab, die Anwendung der AKS in Genehmigungsverfahren auf eine fachwissenschaftlich abgesicherte Grundlage zu stellen. Die Ergebnisse sind in der BfN-Schrift 754 zusammengestellt.

Das Forschungsvorhaben führte die zurückliegende Arbeit des BfN u. a. gemeinsam mit dem KNE und der Fachagentur Windenergie an Land e. V. (heute Fachagentur Wind und Solar e. V.) zur naturschutzfachlichen, qualifizierten Einführung von AKS und die Empfehlungen für mögliche Einsatzbereiche und konkrete Anforderungen von automatischen Detektions- und Abschaltsystemen fort. Die Ergebnisse liegen als Veröffentlichungen (BfN-Schrift 571; BfN-Schrift 610) vor.

Das dreijährige Forschungsvorhaben "BirdRecorder" (FKZ 3518 86 010B), welches durch das BfN mit Mitteln des BMUV gefördert wurde, zielte auf die Entwicklung und Erprobung eines Systems zur Vermeidung von potentiellen Kollisionen von Vögel durch die Windenergie ab. Der BirdRecorder dient der automatischen Erfassung und Erkennung von Rot- und Schwarzmilan. Damit ist er eine wesentliche Komponente für ein funktionstüchtiges AKSim Rahmen eines vogelfreundlichen Betriebes von Windenergieanlagen. Die Ergebnisse des Vorhabens sind in der BfN-Schrift 651 zusammengestellt.

Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie wurden die Möglichkeiten und Anforderungen an eine, im Unterschied zur Vogeldetektion, landbewirtschaftungsabhängige Steuerung der Abschaltungen von Windenergieanlagen analysiert. Bei landwirtschaftlichen Ernte- und Bearbeitungsvorgängen unter Windenergieanlagen bzw. innerhalb eines Windparks erhöht sich temporär das Nahrungsangebot und damit sehr deutlich die Flugaktivität und die Kollisionsgefahr insbesondere von Großvögeln. Die Schutzmaßnahme „Abschaltung bei landwirtschaftlichen Bewirtschaftungsereignissen“ stellt eine sehr wirksame Maßnahme dar. 

Eine automatische Erfassung der Bewirtschaftung soll daher einen Beitrag leisten, zum einen aufwendige, vertraglich zu sichernde Meldeketten zu ersetzen und zum anderen den Schutz der Vögel zu gewährleisten. Funktionieren die Systeme vollautomatisiert, so lösen sie bei Detektion selbständig eine Abschaltung aus. Die Gesamtdauer der Unterbrechungen sind in der Steuerung der WEA hinterlegt. Damit sind weder Meldungen von Bewirtschafter*innen noch manuelle Reaktionen der WEA-Betriebsführung erforderlich. Jedoch weisen diese Systeme noch Herausforderungen auf – es muss zwischen relevanten (z. B. Mahd, Pflügen) und nichtrelevanten (z. B. Eggen) Bewirtschaftungsereignissen unterscheiden, denn unnötige Abschaltungen sollen aus wirtschaftlichen Gründen vermieden werden. Daher werden die Systeme aktuell noch assistiert oder halbautomatisiert angewendet – diese sind aber bereits marktverfügbar und technisch wie ökonomisch einsetzbar. Eine Zusammenstellung der Ergebnisse der Machbarkeitsstudie ist in der BfN-Schrift 783 verfügbar. 

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