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Bundesamt für Naturschutz

Bereich IV - Pommersche Bucht

Der Bereich IV umfasst eine Größe von 2.004 km² und entspricht dem Vogelschutzgebiet Pommersche Bucht. Hier kommen neben Arten des Anhang I der Vogelschutzrichtlinie auch weitere regelmäßig auftretende Zugvogelarten vor. Insbesondere entsprechend ihrer Verbreitungsschwerpunkte erfolgte die Abgrenzung des Vogelschutzgebiets. Der gesamte Bereich IV hat durch seine Funktion als Nahrungs-, Überwinterungs-, Mauser-, Durchzugs- und Rastgebiet für die vorkommenden Vogelarten einen besonders hohen ornithologischen Wert. Dabei zählt er zu den zehn wichtigsten Überwinterungsgebieten für Seevögel in der gesamten Ostsee. Der Bereich IV überschneidet sich mit den gemeldeten Natura 2000-Gebieten Oderbank (Bereich III) und Adlergrund (Bereich II) und beinhaltet somit auch Sandbänke und Riffe, die den Seevögeln als wichtiges Nahrungshabitat dienen. In der Nähe ihrer Nahrungsgebiete rasten und mausern die Seevögel an der Meeresoberfläche oftmals in hohen Konzentrationen. Doch auch Meeresgebiete zwischen diesen Konzentrationsbereichen wurden in das Vogelschutzgebiet eingeschlossen, damit die Seevögel auch geschützt sind, wenn sie in strengen Wintern vor den entstehenden Eisfeldern ausweichen müssen.

Schlüsselarten im Schutzgebiet

 
Sterntaucher  Gavia stellata
Prachttaucher Gavia arctica
Gelbschnabeltaucher Gavia adamsii
Rothalstaucher Podiceps grisegena
Ohrentaucher Podiceps auritus
Eisente Clangula hyemalis
Trauerente Melanitta nigra
Samtente Melanitta fusca
Tordalk Alca torda
Trottellumme Uria aalge
Gryllteiste Cepphus grylle
Sturmmöwe Larus canus

Wichtige Schutzziele

Zur Sicherung des Überlebens und der Vermehrung der genannten Vogelarten und zur Sicherung ihrer Lebensräume ist insbesondere erforderlich die Erhaltung und Wiederherstellung:

  • des qualitativen und quantitativen Bestands der Vogelarten mit dem Ziel der Erreichung eines günstigen Erhaltungszustands unter Berücksichtigung der natürlichen Populationsdynamik und Bestandsentwicklung; Vogelarten mit einer negativen Bestandsentwicklung ihrer biogeographischen Population sind besonders zu berücksichtigen;
  • der wesentlichen direkten und indirekten Nahrungsgrundlagen der Vogelarten, insbesondere natürlicher Bestandsdichten, Altersklassenverteilungen und Verbreitungsmuster der den Vogelarten als Nahrungsgrundlagen dienenden Organismen;
  • der für das Gebiet charakteristischen erhöhten biologischen Produktivität an den vertikalen Frontenbildungen und der geo-hydromorphologischen Beschaffenheiten mit ihren artspezifischen ökologischen Funktionen und Wirkungen;
  • unzerschnittener Lebensräume im Naturschutzgebiet mit ihren jeweiligen artspezifischen ökologischen Funktionen, räumlichen Wechselbeziehungen sowie des ungehinderten Zugangs zu angrenzenden und benachbarten Meeresbereichen;
  • der natürlichen Qualität der Lebensräume, insbesondere ihre Bewahrung vor Verschmutzungen und Beeinträchtigungen sowie der Schutz der Vogelbestände vor erheblichen Belästigungen.

Bedeutung des Schutzgebiets am Beispiel einiger Meeresenten

Eisenten sind sowohl im Winter als auch im Frühjahr in sehr großer Anzahl in weiten Teilen der deutschen Ostsee zu finden. Der Hauptzug in die deutsche Ostsee findet von Ende Oktober bis Anfang Dezember statt. Das größte zusammenhängende Aufenthaltsgebiet der Eisenten ist im Winter (Dezember - Februar) das Meeresgebiet des Adlergrunds mit seinen herausragenden Miesmuschelbänken bis hin zu den Flachgründen der Oderbank. Bis zu 140.000 Individuen halten sich dann im Bereich IV auf, das entspricht einem sehr großen Teil des Überwinterungsbestands der deutschen Ostsee. Sie nutzen die guten Nahrungsbedingungen, um ihre Fettreserven nach der anstrengenden Brut- und Zugzeit wieder aufzufüllen. Der Heimzug in die Brutgebiete setzt ab Anfang Februar ein und erreicht Ende März bis Ende April seinen Höhepunkt.

Doch Eisenten geraten zunehmend in Bedrängnis. Untersuchungen internationaler Wissenschaftlerteams zeigen, dass die einst häufigste Meeresente in den letzten Jahrzehnten immer weiter im Bestand abnimmt. Vergleiche zwischen den Jahren 1992/1993 und 2007 bis 2009 belegen einen Rückgang der westsibirischen-nordeuropäischen Population um erschreckende 65 % von 4,1 Millionen auf 1,5 Millionen Individuen. Dieser Trend hat sich auch nach 2010 fortgesetzt. Derzeit ist noch nicht bekannt, ob hierfür vor allem ein zu geringer Bruterfolg oder eine zu hohe Sterblichkeit verantwortlich sind. Jedoch sind Eisenten durch verschiedenste Ursachen gefährdet, sowohl in ihren Brutgebieten als auch in den Rast- und Überwinterungsgebieten. Forschungsergebnisse zeigen: in der deutschen Ostsee überwintert offensichtlich ein hoher Anteil adulter und damit fortpflanzungsfähiger Tiere. Deutschland hat daher eine besonders hohe Verantwortung für den Schutz dieser Art, da die Überlebensrate der Altvögel ein sehr wichtiger Faktor für den Bestandserhalt ist.

Trauerenten sind im Winter in der deutschen Ostsee weit verbreitet. Im Frühjahr (März – Mai) liegt der Hauptverbreitungsschwerpunkt auf der Oderbank. Während im Winter (Dezember – Februar) hier bis zu 50.000 Individuen überwintern, halten sich im Frühjahr bis zu 220.000 im Schutzgebiet auf. Im Sommer (Juni – September) gilt die Pommersche Bucht auch als ein wichtiger Mauserbereich der Trauerenten. Dann sammeln sich in diesem Gebiet rund 125.000 dieser schwarzen Schönheiten.

Samtenten sind ebenfalls sehr dunkel gefärbt, unterscheiden sich aber durch das weiße Flügelfeld und einen weißen Fleck im Augenbereich von der Trauerente. Im Winter halten sich etwa 55.000 Samtenten in der Pommerschen Bucht auf, im Frühjahr sind es bis zu 70.000 Individuen. Der Mauserbestand schwankt stark und beträgt mitunter mehrere hundert Tiere.

Pressemitteilung

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