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Bundesamt für Naturschutz

Zehn Jahre „Landschaft der Industriekultur Nord“ im Saarland

Gemeinsame Pressemitteilung mit dem Ministerium für Umwelt und Verbraucherschutz des Saarlandes und dem Zweckverband LIK Nord
Presse
Naturschutzgroßprojekte
Bundesprogramm Biologische Vielfalt
Arten
13.09.2019
Landweiler-Reden/Bonn
Industriebrachen, Schlammweiher und Halden des Steinkohlebergbaus werden im Saarland zu naturnahen Lebensräumen für Tiere und Pflanzen entwickelt – im Rahmen des Natur-schutzgroßprojekts „Landschaft der Industriekultur Nord“. Der gleichnamige Zweckverband hat heute mit rund 100 Gästen das 10-jährige Bestehen von „LIK Nord“ gefeiert. Das Projekt wird mit insgesamt 9,6 Millionen Euro durch das Bundesumweltministerium im Programm „chance.natur – Bundesförderung Naturschutz“ gefördert.
Beobachtungsplattform am Schlammweiher Kohlbach, der Teil des Landschaftslabors „Forstwirtschaft und natürliche Prozesse“
Beobachtungsplattform am Schlammweiher Kohlbach, der Teil des Landschaftslabors „Forstwirtschaft und natürliche Prozesse“

„Unter unseren 80 Naturschutzgroßprojekten ist LIK Nord etwas ganz Besonderes: Es war bei seinem Start 2009 das erste Naturschutzgroßprojekt im dicht besiedelten Raum und das einzige mit dem expliziten Ziel, einer von starkem Strukturwandel geprägten, urban-industriellen Landschaft mit Hilfe des Naturschutzes zukunftsfähige Perspektiven zu eröffnen“, sagt die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Prof. Dr. Beate Jessel. In ihrem Grußwort würdigte sie die Arbeit aller Beteiligten: „In Zusammenarbeit von Ehrenamt und Hauptamt, mit Unterstützung von Kommunen, Land und Bund wird hier vor Ort nicht nur für den Naturschutz, sondern gerade auch für die Region und die Bevölkerung Großes erreicht.“

„Mit der Bewilligung dieses Naturschutzgroßvorhabens ist es erstmalig gelungen, ehemals bergbaulich und industriell genutzte Flächen im Sinne des Naturschutzes neu in Wert zu setzen und weiter zu entwickeln. Damit sticht dieses Projekt aus der Reihe sonstiger Naturschutzgroßprojekte des Bundes deutlich hervor. Es passt natürlich in unser Land mit seiner wechselvollen bergbaulichen und industriellen Geschichte. Wir wollen dieses Erbe aus Bergbau und Stahlgewinnung in eine neue Zukunft führen“, so der saarländische Umweltminister Reinhold Jost.  

„Seit dem Jahr 2015 sind in den vier unterschiedlichen Landschaftslaboren bereits umfangreiche Investitionen im Grunderwerb und zur Förderung der Artenvielfalt und der Besucherinformation getätigt worden. Unter anderem wurden Verbauungen etwa im Fahrbachtal entfernt, Teiche und Wiesen renaturiert sowie Wanderwege und Beobachtungsplattformen konzipiert, die auch Menschen mit Gehbehinderung das Naturerleben erlauben“, so der Verbandsvorsteher von LIK Nord, Bürgermeister Lutz Maurer.

Hintergrund

Naturschutzgroßprojekt „Landschaft der Industriekultur Nord“

Bei dem Projektgebiet im mittleren Saarland handelt es sich um eine typische Bergbaufolgelandschaft: kleinteilig, dicht besiedelt und von Verkehrswegen zerschnitten. Die Landschaft zeichnet sich durch ein Mosaik spezialisierter Lebensräume aus. Insgesamt kommen hier nahezu 100 Rote-Liste-Arten vor. Der Niedergang von Bergbau und Schwerindustrie hat viele alte Strukturen in der Region tiefgreifend verändert. Das Projekt soll den besonderen Wert der dabei entstandenen Landschaft sichern und weiter entwickeln. Das Bundesumweltministerium fördert das Vorhaben seit 2009 bis 2024 mit 9,6 Millionen Euro.

In einer ersten Projektphase von 2009 bis 2012 hatte der Projektträger, ein Zweckverband aus Gebietskörperschaften der Region, einen umfassenden Pflege- und Entwicklungsplan erstellt. In der anschließenden zweiten Phase geht es jetzt um die Umsetzung konkreter Maßnahmen: die Entwicklung einer großflächigen Weidelandschaft im Umfeld eines Schlammweihers, die Reaktivierung der für das Saarland typischen Streuobstwiesen, den Umbau von Nadelholzbeständen in lichte Laubwälder sowie die Renaturierung von zwei Bächen. Außerdem sollen Natur- und Landschaftsführer ausgebildet werden, die Exkursionen anbieten.

40 Jahre Förderprogramm „chance.natur - Bundesförderung Naturschutz“

Mit dem Programm „chance.natur“ verfolgt die Bundesregierung das Ziel, die herausragenden repräsentativen Landschaften Deutschlands zu erhalten und zu sichern. Bislang wurden 80 Naturschutzgroßprojekte mit einer Gesamtfläche von mehr als 3.700 Quadratkilometern gefördert. 65 davon sind abgeschlossen, 15 laufen noch. Dafür hat der Bund seit 1979 rund 500 Millionen Euro bereitgestellt. Derzeit stehen jährlich 14 Millionen Euro für die Erhaltung und die Optimierung bundesweit bedeutender Natur- und Kulturlandschaften zur Verfügung. 

Kontakt

Bundesamt für Naturschutz
Referat Presse, Öffentlichkeitsarbeit
0228 - 8491 - 4444
Konstantinstraße 110, 53179 Bonn
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