Bundesamt für Naturschutz

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Stand der Umsetzung in Deutschland


Managementpläne für FFH-Gebiete werden in allen Bundesländern und beim Bund (zuständig für die marinen FFH-Gebiete in der AWZ) als ein wichtiges Instrument zur Ableitung der notwendigen Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen betrachtet und sind somit als ein entscheidendes Steuerungsinstrument für das Gebietsmanagement. Darüber hinaus dienen sie in der Regel auch zur Konkretisierung der in Schutzgebietsverordnungen oder Erhaltungsziel-Verordnungen festgelegten allgemeinen Erhaltungs- und Entwicklungsziele.

Im Rahmen des Nationalen FFH-Berichtes 2019 nach Artikel 17 FFH-Richtlinie wurde die Anzahl bereits fertig gestellter bzw. bearbeiteter Managementpläne in den FFH-Gebieten für alle Bundesländer erhoben. Danach lagen Mitte 2019 für 3.391 der 4.544 FFH-Gebiete Deutschlands Managementpläne vor. Diese Managementpläne decken insgesamt 73,6 % der Fläche aller FFH-Gebiete Deutschlands ab.

In fast allen Bundesländern liegen umfassende Anleitungen für die Erstellung der Managementpläne vor. Trotz zum Teil deutlicher Unterschiede bei der Erstellung und Umsetzung der Managementpläne in den verschiedenen Bundesländern, lassen sich folgende Verallgemeinerungen zur Managementplanung in Deutschland treffen (Stand 2020; in Anlehnung an Ackermann & Runge 2020):

  • Die Managementplanung ist im Regelfall eine unabhängige Naturschutzfachplanung.

  • In einzelnen Bundesländern und für die AWZ ist eine Behördenverbindlichkeit vorgesehen (zum Teil nur für Naturschutzbehörden). Die Verbindlichkeit und die Möglichkeiten der Umsetzung können daher in Deutschland eingeschränkt sein, während z. B. in Frankreich die Managementpläne, sog. Documents d'Objectifs (DOCOB) gesetzlich für alle Natura 2000 Gebiete vorgeschrieben sind und allgemein verbindlich in Kraft gesetzt werden.

  • Lebensraumtypen (Anhang I FFH-Richtlinie) und Arten (Anhang II FFH-Richtlinie) sowie Vögel (Anhang I Vogelschutzrichtlinie) sind in allen Bundesländern Gegenstand der FFH-Managementplanung.

  • Arten des Anhangs IV werden bisher in einigen Ländern noch nicht (ausreichend) berücksichtigt bzw. in separat außerhalb der Managementplanung behandelt. Gleiches gilt auch für Entwicklungsflächen (Potentialflächen für Neuentwicklung oder Wiederherstellung von LRT-Flächen oder Arthabitaten).

  • Etwa die Hälfte der Bundesländer plant parzellenscharf; die anderen Länder auf etwas gröberem Maßstab, aber ebenfalls ausreichend flächenscharf für die konkrete Umsetzung der Maßnahmen vor Ort.

  • In fast allen Leitfäden der Länder wird zwischen Erhaltungs- und Entwicklungsmaßnahmen unterschieden, aber nur teilweise eine Priorisierung der Maßnahmen gefordert.

  • In der Regel ist vorgesehen die Maßnahmenvorschläge hinsichtlich ihrer Umsetzungsmöglichkeiten zu bewerten und Hemmnisse und verbleibende Konflikte (z.B. mit Eigentümerinnen und Eigentümern) zu beschreiben. Auch die Darstellung naturschutzfachlicher Zielkonflikte (z.B. Erhaltung Offenland-LRT versus Wildnisentwicklung) ist zumeist vorgesehen.

  • Die Umsetzungsorientierung bei der Managementplanung kann noch weiter verbessert werden. Hinweise zu Zuständigkeiten für die Umsetzung der geplanten Maßnahmen oder zur späteren Erfolgskontrolle fehlen bei einigen Bundesländern.

  • Die Umsetzung erfolgt bevorzugt durch Vertragsnaturschutz, ferner durch Kompensationsmaßnahmen, Eigenmittel, Sponsoring oder EU-Kofinanzierung (Finanzierung).

  • Die regelmäßige Beteiligung der Träger öffentlicher Belange und der Öffentlichkeit ist bei der Managementplanung in fast allen Bundesländern vorgesehen. Art und Umfang der Beteiligung sind sehr unterschiedlich und reichen von Informationsveranstaltungen über Runde Tische bis zu Planungsbeiräten.

  • Die Managementpläne sind bereits überwiegend im Internet verfügbar bzw. werden im Regelfall nach Abschluss der Planung öffentlich zugänglich sein.

Für eine erfolgreiche Umsetzung des europäischen ökologischen Netzes Natura 2000 sind die Managementplanung, die Bereitstellung der notwendigen Instrumente zur Förderung und Finanzierung sowie die rechtliche Sicherung der Gebiete essentiell und sollten Hand in Hand gehen.


Literatur:

Ackermann, W. & Runge, S. (2020): Analyse der Wirksamkeit von Natura 2000 für den Schutz der Biodiversität und zum Erreichen der 2020-Ziele. Abschlussbericht des gleichnamigen F+E-Vorhabens (FKZ 3515 82 0300). Königs Wusterhausen, München (unveröffentlicht): 538 S. [Veröffentlichung als BfN-Skript in Vorbereitung]

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Letzte Änderung: 24.04.2020

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