Bundesamt für Naturschutz

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Natur auf Zeit

Dynamischer Naturschutz in Kooperation mit Unternehmen

Trotz staatlicher Bemühungen, den Rückgang der Biodiversität aufzuhalten, ist privates Naturschutzengagement unabdingbar. Das Bundesamt für Naturschutz fördert zahlreiche Vorhaben, um entsprechende Potenziale, etwa bei der naturnahen Gestaltung von Firmengeländen, zu erschließen. Unternehmen wünschen sich aber auch die Rechtssicherheit, erforderlichenfalls doch wieder auf die Flächen zugreifen zu können.

Im Projekt "Natur auf Zeit - Rechtliche und fachliche Rahmenbedingungen" wurden daher u.a. auf Basis von Recherchen, Expertenbefragungen und anhand von Fallbeispielen erste praxisbezogene Ansätze für die Ausgestaltung von "Natur auf Zeit" entwickelt und beschrieben. Das Vorhaben gibt einen Überblick über die geltende Rechtslage und zeigt mögliche Gestaltungsspielräume auf. Unter "Natur auf Zeit" versteht man dabei die Möglichkeit, dass sich auf einer in der Regel vorab bestimmten Fläche durch Nutzung, ungelenkte Sukzession oder Pflege der Zustand von Natur und Landschaft aus Naturschutzperspektive zeitweise positiv verändert und diese Veränderung unter bestimmten Voraussetzungen wieder beseitigt werden darf.

Zur Veröffentlichung "Natur auf Zeit - Rechtliche und fachliche Rahmenbedingungen"

Siehe auch HENDRISCHKE, O. „Natur auf Zeit“: Dynamische Schutzkonzepte kooperativ gestalten und rechtssicher umsetzen, in: Natur und Landschaft (NuL), 94. Jg., Aug. 2019, S. 365 f. 

Positiver Gesamtsaldo für mehr Biodiversität

Ein dynamischer Ansatz wie „Natur auf Zeit“ entspricht den Zielen des Naturschutzes. Zur dauerhaften Sicherung der biologischen Vielfalt sind nicht zwingend jedes einzelne Biotop oder Individuum einer Art, sondern die Populationen von Tieren und Pflanzen zu erhalten. Es kommt also auf den größeren Zusammenhang der Gesamtbilanz an.

Im rein nationalen Naturschutzrecht hat der Gesetzgeber umfassende Regelungsspielräume. So haben Bund und Länder im gesetzlichen Biotopschutz und bei der Kompensation von Eingriffen bestimmte Legalausnahmen für „Natur auf Zeit“ erlassen. Auch im Artenschutz kann die Naturschutzbehörde Ausnahmen zulassen, wenn der Zustand der Umwelt durch „Natur auf Zeit“ unmittelbar und kausal verbessert wird. Es ist eine Gesamtbetrachtung erforderlich, die nicht nur isoliert auf die Beeinträchtigung schaut, sondern auch die vorherige Nutzungseinschränkung mit ihren Naturschutzpotenzialen einbezieht.

Frühzeitige Verständigung schafft Planungssicherheit

Um bereits im Vorfeld der Nutzungseinschränkung Rechtssicherheit zu schaffen, kommen behördliche Zusicherungen oder vorsorgliche Vorabentscheidungen nach § 45 Abs. 7 BNatSchG in Betracht. Die Behörde kann sich aber auch durch öffentlich-rechtlichen Vertrag binden. Die Klärung der in der Praxis auftretenden Fragen in den geschilderten Rückholsituationen bedarf eines dem dynamischen Naturschutz gegenüber aufgeschlossenen Vollzugs des geltenden Rechts. Soweit Private freiwillig Naturzustände verbessern, muss dies begünstigend berücksichtigt werden, wenn behördlich über die Zulässigkeit der Wiederherstellung des ursprünglichen Zustands sowie der Aufnahme einer Nutzung zu entscheiden ist.

Dynamische Schutzkonzepte wie „Natur auf Zeit“ sind bei positiver ökologischer Gesamtbilanz sinnvoll, erwünscht und im geltenden Rechtsrahmen umsetzbar. Zu empfehlen sind Einzelfallprüfungen vor Ort und eine Abwägung der Vor- und Nachteile unter Einbeziehung der Naturschutzverwaltung. Nicht zu vergessen sind schließlich die Möglichkeiten zur Selbstbindung der Verwaltung durch Verwaltungsvorschriften, Rahmenvereinbarungen sowie Musterverträge. In einigen Ländern und Mitgliedsstaaten werden diese bereits genutzt. 


Naturnahe Gestaltung von Firmengeländen

Praxisbeispiele

Rahmenvereinbarung zwischen Hessischem Umweltministerium und Bundesverband Keramischer Rohstoffe und Industrieminerale

Amphibienprojekt mit Vertrag zwischen Rohstoffgewinnungsunternehmen, Landesbund für Vogelschutz in Bayern und Naturschutzbehörden

Leitlinie „Beleidslijn Tijdelijke Natuur“ (Niederlande)

Letzte Änderung: 15.10.2019

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