Bundesamt für Naturschutz

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Position des BfN zur energetischen Biomassenutzung

Ein verstärkter Biomasseanbau kann sowohl Chancen als auch Risiken für Biodiversität, Naturhaushalt und Landschaftsbild bergen.

Negative Auswirkungen sind vor allem durch eine Intensivierung und Ausweitung des Biomasseanbaus zu erwarten, die Flächenkonkurrenzen zwischen der Bioenergieproduktion, der Nahrungsmittelerzeugung und dem Naturschutz nach sich ziehen.

Positive Auswirkungen oder Synergieeffekte zwischen den Ausbauzielen für Bioenergie und Naturschutz z.B. durch den Energiepflanzenanbau sind möglich und treten immer dann ein, wenn eine Verbesserung des Ausgangszustands durch den Energiepflanzenanbau, z.B. durch ein breiteres Artenspektrum als beim Anbau von Lebens- und Futtermitteln, erreicht wird. Beispielsweise trifft dies zu, wenn alte Kultursorten eingesetzt, extensives Grünland und naturschutzfachlich wertvolle Flächen erhalten werden oder wenn Landschaftspflegematerial zur energetischen Nutzung verwendet wird.

In ausgeräumten, strukturarmen Landschaften kann es durch bestimmte Anbauformen, wie z.B. Kurzumtriebsplantagen oder Agroforstsystemen zu einer Diversifizierung des Landschaftsbilds und der Lebensräume kommen.

Außerdem kann der Biomasseanbau zusätzliche Einnahmequellen für Landwirte bieten, die zu einer Stärkung des ländlichen Raumes und damit zu einer Erhaltung von Kulturlandschaften beitragen.

Zu einer Gefährdung der biologischen Vielfalt und negativen Klimabilanzen kann es bei entsprechender Standortwahl durch direkte Landnutzungsänderungen wie Grünlandumbruch, Inanspruchnahme von Stilllegungsflächen oder naturschutzfachlich bedeutsamer Gebieten zugunsten des Anbaus von Energiepflanzen kommen. Ebenso bedroht die Umstellung von bisher extensiv genutzten Agrarflächen auf intensive Produktion von Energiepflanzen die Biodiversität.

Vergleichbare Auswirkungen haben indirekte Landnutzungsänderungen, wenn zwar bisherige Ackerflächen zum Anbau von Energiepflanzen dienen, dafür aber die für die Nahrungs- oder Futtermittelproduktion fehlenden Flächen an anderer Stelle neu in Nutzung genommen werden.

Bereits heute bestehen auch in Deutschland Flächenkonkurrenzen zwischen Energiepflanzen (neben Flächen zur Nahrungs- und Futtermittelproduktion) und Flächen mit oftmals durch Agrarumweltprogramme geförderten Extensivierungsmaßnahmen, zu naturschutzfachlich bedeutsamen Stilllegungsflächen oder zu extensiv genutztem Grünland. Auch bei einer Intensivierung (z.B. Erhöhung der Mahdfrequenz, Düngung) weiterer, aus Sicht des Naturschutzes sensibler Standorte, gehen solche Flächen als Lebensräume für bestimmte Tiere und Pflanzen verloren.

Auch die Intensivierung angrenzender landwirtschaftlicher Nutzflächen kann eine Verschlechterung des Erhaltungszustands von FFH-Lebensraumtypen bewirken. Veränderte Erntetermine wie z.B. bei der Ernte von Grünroggen oder der Mehrkulturnutzung beeinträchtigen Niederwild und Bodenbrüter und erschweren die Aussamung von Ackerwildkräutern.

Hinsichtlich des Naturhaushalts und der biologischen Vielfalt sind negative Trends zu verzeichnen, wie der vermehrte Anbau weniger vorzüglicher Kulturen, die aufgrund der hohen energetischen Ertragsleistungen und größeren Ausbeute einiger Feldfrüchte (insbesondere Raps zur Biokraftstoffproduktion und Mais zur Biogasproduktion) verstärkt angebaut werden.

Dies kann zu einer Verengung oder sogar zur Aufgabe von Fruchtfolgen führen, die neben dem Verlust an biologischer Vielfalt, auch eine Verringerung der Kulturartenvielfalt und eine Monotonisierung von Landschaftsstrukturen nach sich ziehen können.

Zudem besteht die Gefahr der Zunahme des Befallsrisikos durch Schädlinge und Krankheiten. Dies führt zu einer vermehrten Verwendung von Pflanzenschutzmitteln bzw. kann argumentativ dazu dienen, den Einsatz von gentechnisch veränderten Organismen zu fordern.

Gleichzeitig nimmt die Düngung und damit ggf. auch die Auswaschung von Düngemitteln zu sowie die Erosionsgefahr.

Auch die Humusbilanz des Bodens kann sich dadurch sowie durch die Entnahme der gesamten Pflanze negativ entwickeln.

Kurzumtriebsplantagen (KUP) und erhöhte Wasserentnahmen für Bewässerungszwecke (KUP in Auen, Mais in trockenen Gebieten) können die Grundwasserneubildungsrate reduzieren. Hierdurch werden auch natürliche und angrenzende naturnahe Biotoptypen durch Absenkung des Grundwasserspiegels beeinflusst.

Reststoffe

Durch die Nutzung von Reststoffen aus organischen Material wie Waldrestholz und Stroh lassen sich günstigere Klimabilanzen als bei eigens angebauten Energiepflanzen erzielen. Jedoch birgt die Entnahme von Restholz aus dem Wald und Stroh vom Acker die Gefahr, dass dort nicht mehr ausreichend organische Substanzen und Mineralien verbleiben.

Die konzentrierte Ausbringung von Gärresten auf Flächen im Umkreis der Biogasanlage kann eine Akkumulierung von Nährstoffen und erhöhte Nitrateinträge durch Auswaschung ins Grundwasser verursachen.

Das Bundesamt für Naturschutz untersucht daher in mehreren Forschungsvorhaben die positiven und negativen Auswirkungen des Biomasseanbaus auf Biodiversität, Naturhaushalt und Landschaftsbild, um Anforderungen an einen nachhaltigen und naturverträglichen Biomasseanbau aufzustellen und damit zu einer Optimierung der Ausbaustrategie für Bioenergie beizutragen. Dafür sind einerseits Erweiterungen landwirtschaftlicher Auflagen, wie z.B. einer Überarbeitung und Anpassung der „Guten fachlichen Praxis in der Landwirtschaft“ zu diskutieren, wie auch standortbezogene Entnahmegrenzen für die energetische Reststoffverwendung.  

Für die Erzeugung und Nutzung von Bioenergie werden derzeit für die nationale sowie internationale Ebene Nachhaltigkeitsstandards erarbeitet, die auch Naturschutzaspekte umfassen. Gleichzeitig werden Instrumente für die planerische und finanzielle Steuerung des Ausbaus der Bioenergienutzung geprüft und entwickelt.

Aber auch auf anderen naturschutzfachlich wertvollen Standorten ist eine Verschlechterung der Lebensraumqualität durch verstärkte Landwirtschaft zu beobachten.



Letzte Änderung: 09.02.2017

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