Bundesamt für Naturschutz

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Auswirkungen


Schleppkopf-Saugbagger auf Reede in der Ostsee. Foto: Florian Herzig
Schleppkopf-Saugbagger auf Reede in der Ostsee

Zerstörung von Lebensräumen

Beide beschriebenen Abbauverfahren bedeuten einen massiven Eingriff in die Meeresumwelt.

Lokale Folgen sind ein Rückgang der Bodenlebensgemeinschaften (Benthos) um bis zu 80% und die Zerstörung von einzigartigen Lebensräumen. In Abhängigkeit von der geologischen und hydrologischen Beschaffenheit der Gebiete sowie von der Art der Lebensgemeinschaft im betroffenen Abbaugebiet vor der Sedimententnahme, benötigen die Bodengemeinschaften aus Tieren und auch Pflanzen Jahre bis Jahrzehnte, um wieder in der ursprünglichen Besiedlungs-Struktur und Arten-Zusammensetzung vorzukommen. Bei einer zu starken Veränderung können die zuvor hier lebenden Arten das Gebiet gar nicht mehr besiedeln.


Fragile Arten wie der Köpfchenpolyp (Tubularia larynx)
Köpfchenpolyp (Tubularia larynx)
oder der Bäumchenröhrenwurm (Lanice chonchilega) werden bei Berührung mit dem Schleppkopf sofort zerstört. Fotos: Hübner, Krause (BfN)
Bäumchenröhrenwurm (Lanice chonchilega)

Der Purpur-Seeigel (oder Violette Herzigel) (Spatangus purpureus) lebt in grobsandigem Substrat. Er ist in der deutschen AWZ extrem selten und wird gem. Rote Liste als vom Aussterben bedroht eingestuft. Foto: Mer&Littoral / Cyrano Groix
Purpur-Seeigel oder Violette Herzigel (Spatangus purpureus)

In Abhängigkeit von Wassertiefe, Sedimenttyp, Exposition und Baggerverfahren gibt es große Unterschiede hinsichtlich des Potenzials und der Dauer einer Wiederverfüllung der Entnahmestrukturen. Insbesondere bei Kiessandlagerstätten können die Abbauspuren lange erhalten bleiben, weil die hydro- und sedimentdynamischen Prozesse sowie das Sedimentangebot keine vollständige Wiederverfüllung oder gar Regenerierung des Meeresbodens zulassen. Eventuell können die Baggerungen oder die anschließende natürliche Wiederverfüllung zu Veränderungen des ursprünglich vorherrschenden Sedimenttyps führen.

Veränderungen der Korngröße können jedoch die Neubesiedlung des Gebietes aus der Umgebung durch die hier ehemals vorkommenden benthischen Organismen erschweren oder sogar verhindern. Auch die lokalen, bodennahen Strömungen können sich durch die Rinnen und Löcher am und im Meeresboden verändern.

In den großen Löchern, die ein Stechkopf-Saugbagger hinterlässt, kann es zu durch Sauerstoffmangel geprägte Zonen kommen („Totwasserbereiche“), die nicht vom Benthos wiederbesiedelt werden.

Beeinträchtigung des Nahrungsnetzes

Sandaale (Ammodytidae) sind ein elementarer Baustein im Nahrungsnetz der Meere und sind auf sandige Sedimente angewiesen. Foto: Uwe Lippek

Besonders betroffen von den Folgen des Sandabbaus sind auch die Sandaale. Sie bevorzugen ebenfalls gut durchlüftete und grobsandige Sedimente, in die sie sich gerne eingraben und ihre Eier ablegen. Sandaale sind eine Hauptnahrungsquelle für Vögel, Kegelrobben, Schweinswale und Fische. Würden Sandaale und viele andere benthische Lebewesen wie Muscheln, Schnecken und Würmer also ihren Lebensraum verlieren, würden die Baggereinsätze das gesamte Nahrungsnetz beeinträchtigen. Somit könnten sich die Konsequenzen auch auf andere Tiergruppen ausweiten.

Diese wichtigen ökologischen Funktionen von Sandaalen werden auch in einer Studie deutlich, die das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ostseeforschung Kiel 2019 im Auftrag des BfN zur Sandaalfischerei erstellt hat.

Störender Unterwasserlärm

Meeressäugetiere wie Kegelrobben und Schweinswale werden zudem Unterwasserlärm ausgesetzt, der von den Schiffen und Baggern ausgeht. Diese Schallbelastung hat direkte negative Effekte auf die Tiere (siehe auch
Unterwasserlärm – Folgen). Vor Sylt beispielsweise befindet sich die Entnahmestelle für Sand, der zum dortigen Küstenschutz abgebaut wird, nahe eines ausgewiesenen Schutzgebietes für Schweinswale, das die Tiere als Kinderstube nutzen.

Trübungsfahnen wirken weit entfernt

Trübungsfahnen stellen ein weiteres großräumiges Problem dar. Zum einen entstehen sie direkt beim Baggereinsatz durch das Aufwirbeln von Sediment, zum anderen nachdem Sand und Kies an Bord der Schiffe gespült oder gesiebt wurden. Überflüssiges feineres Sediment wird dabei zurück ins Meer entlassen, wo es von Strömungen aufgegriffen und verdriftet wird. Sinkt das Feinmaterial schließlich ab, kann es sogar andere vom eigentlichen Abbauort entfernte Lebensgemeinschaften überlagern, z.B. wertvolle und artenreiche Riffe. Dort lebende Tiere wie z.B. einige Muscheln oder Seescheiden, die zur Nahrungsaufnahme feinste Partikel aus dem Wasser filtern, können in ihrer Filtrierleistung eingeschränkt werden und sterben.

Die Trübungsfahnen können auch direkte Effekte auf Fische haben, denn die Überlebensfähigkeit ihrer Eier wird in solchen Fahnen stark beeinträchtigt.


Selbst Riffbereiche können durch Sand- und Kiesabbau geschädigt werden, denn die dabei entstehenden Trübungsfahnen werden verdriftet,
Riffbereiche können durch Sand- und Kiesabbau geschädigt werden
und der Sand kann auch über Riffarealen absinken und die dort lebenden Benthosorganismen beeinträchtigen. Beide Fotos Borkum Riffgrund, Hübner, Krause (BfN)
Sand kann auch über Riffarealen absinken und die dort lebenden Benthosorganismen beeinträchtigen

Karte Nordsee

Zeigt die Karte der Naturschutzgebiete sowie Sand- und Kiesabbaufelder in der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) der deutschen Nordsee. Stand: 02.2021

Naturschutzgebiete sowie Sand- und Kiesabbaufelder in der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) der deutschen Nordsee. Stand: Februar 2021

Karte Ostsee

Karte zeigt die Naturschutzgebiete sowie Sand- und Kiesabbaufelder in der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) der deutschen Ostsee. Stand: 02.2021

Naturschutzgebiete sowie Sand- und Kiesabbaufelder in der ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) der deutschen Ostsee. Stand: Februar 2021