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Ostsee, HELCOM MPAs


Eisenten (Clangula hyemalis) überwintern zu Zehntausenden in der Ostsee. Foto: Stefan Pfützke/Green-Lens.de
Eisenten (Clangula hyemalis) überwintern zu Zehntausenden in der Ostsee. Foto: Stefan Pfützke/Green-Lens.de

Das Helsinki-Übereinkommen über den Schutz der Meeresumwelt des Ostseegebiets von 1992 (Helsinki-Konvention; www.helcom.fi) ist im Jahr 2000 für seine Vertragsparteien (Ostseeanrainerstaaten + Europäische Union) verbindlich in Kraft getreten. Das zuvor geltende Abkommen von 1974 sollte vor allem dazu beitragen, dass die Einbringungen von Schad- und Nährstoffen oder Verschmutzungen z.B. durch Öl oder militärische Altlasten gestoppt bzw. reduziert werden. Es wurde 1992 um Aspekte des Natur- Biodiversitätsschutzes erweitert.

Schutz mariner Lebensvielfalt von besonderer Bedeutung

Der Schutz der marinen Lebensvielfalt (marinen Biodiversität) der Ostsee ist im neuen Artikel 15 der Helsinki-Konvention festgelegt. Er enthält die Verpflichtung der Vertragsparteien, sowohl alleinverantwortlich als auch gemeinsam alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die natürlichen Lebensräume und Prozesse sowie die biologische Vielfalt im Meeresgebiet und an den Küsten der Ostsee zu erhalten und zu schützen. Hierzu gehört auch die Entwicklung und Umsetzung eines zusammenhängenden Netzwerks von Schutzgebieten.

Innerhalb der Helsinki-Kommission nimmt die Arbeitsgruppe HELCOM-State & Conservation die fachlichen Aufgaben wahr, die sich aus diesem Artikel 15 ergeben.

Gemeinsames Netzwerk von Meeresschutz-gebieten

Auf der gemeinsamen Ministerkonferenz der OSPAR- und Helsinki-Kommissionen in Bremen im Jahr 2003 formulierten die Vertragsparteien beider Abkommen das Ziel, bis 2010 ein ökologisch kohärentes Netzwerk von effektiv gemanagten Meeresschutzgebieten im Nordostatlantik und der Ostsee zu errichten. Um dies zu realisieren, einigten sie sich auf ein gemeinsames Arbeitsprogramm. Im Februar 2010 hatten die HELCOM Vertragsstaaten 159 Baltic Sea Protected Areas (BSPA) an die Helsinki-Kommission gemeldet, das waren 10,4 % des Meeresgebietes. Die Baltic Sea Protected Areas werden inzwischen als HELCOM MPA bezeichnet und umfassten in 2018 mit 176 Gebieten 12 % der Ostsee.

Kohärentes und effektiv gemanagtes Schutzgebiets-netzwerk?

Mit der HELCOM Recommendation 35/1 wurde 2014 nochmals von der HELCOM unterstrichen, dass ein kohärentes und effektiv gemanagtes Netzwerk von marinen Schutzgebieten in der Ostsee geschaffen werden soll. Diese Anstrengungen wurden auch weiterhin fortgesetzt. Siehe hierzu die jeweils aktuelle Karte in der rechten Spalte.

Die jüngste ökologische Bewertung seines MPA Netzwerks erfolgte durch HELCOM in 2016, siehe www.helcom.fi/helcom-at-work/publications/baltic-sea-environment-proceedings/

Für die Bewertung der ökologischen Kohärenz verwendet HELCOM folgende vier Kriterien: Repräsentativität, Replikation, Angemessenheit und Konnektivität. Hinsichtlich der Repräsentativität wird der Frage nachgegangen, ob die MPAs genügend Schutzgüter enthalten? Im Ergebnis ist das Ziel für die Ostsee insgesamt erreicht, aber es bestehen noch Lücken für einzelne geographische Bereiche. Zur Bewertung der Replikation wird untersucht, ob es genügend Wiederholungen der Schutzgüter in verschiedenen MPAs gibt, was für fast alle mit Ausnahme zweier Biotopkomplexe bejaht werden kann. Inwieweit das Netzwerk angemessen ist, wird anhand der Größe der einzelnen MPAs untersucht. Es zeigt sich, dass dies nicht der Fall ist. Auch die Bewertung der Konnektivität fällt negativ aus, denn das Netzwerk bietet keine ausreichenden Möglichkeiten für Migration und Verdriftung (z. B. für Larven) zwischen MPAs. Insofern ist das HELCOM Netzwerk bislang weder zusammenhängend bzw. ökologisch kohärent noch komplett. 

Darüber hinaus sollen von den Vertragsstaaten auch Managementpläne für die einzelnen Gebiete entwickelt und umgesetzt werden. Hierbei wurden ebenfalls Anstrengungen unternommen, jedoch gelten 2018 nur etwa 67 % der MPAs als „managed“ und 5 % als „partly managed“ – eine Aussage über die Effektivität des Managements kann derzeit nicht getroffen werden. 

Die drei deutschen HELCOM MPAs in der AWZ werden auf Grundlage der FFH- und Vogelschutz-Richtlinien geschützt. Siehe: www.bfn.de/themen/meeresnaturschutz/nationale-meeresschutzgebiete.html

Weitere Informationen:
www.helcom.fi/action-areas/marine-protected-areas


Die Miesmuschelbänke (Mytilus edulis) im Schutzgebiet Pommersche Bucht – Rönnebank gehören ebenfalls zum HELCOM MPA Netzwerk. Foto: M. Brand (BfN)
Die Miesmuschelbänke (Mytilus edulis) im Schutzgebiet Pommersche Bucht – Rönnebank gehören ebenfalls zum HELCOM MPA Netzwerk. Foto: M. Brand (BfN)
Schweinswal (Phocoena phocoena), Population der östlichen Ostsee vom Aussterben bedroht. Foto: Verhoog/juniors@wildlife
Schweinswal (Phocoena phocoena), Population der östlichen Ostsee vom Aussterben bedroht. Foto: Verhoog/juniors@wildlife

Karte

Schutzgebietsnetzwerk in der Ostsee (HELCOM MPAs) Stand: März 2019

Schutzgebietsnetzwerk in der Ostsee (HELCOM MPAs)
Stand: März 2019