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Tiere, Pflanzen und Pilze

Wild lebende gebietsfremde Tier-, Pflanzen- und Pilzarten in Deutschland

In Deutschland kommen rund 1.000 gebietsfremde Arten dauerhaft in freier Natur vor

Seitdem Menschen Landwirtschaft und Gartenbau betreiben, überregional handeln, reisen und neue Gebiete besiedeln, verbreiten sie gebietsfremde Arten – ungewollt oder absichtlich. Bislang konnten sich in Deutschland rund 1.000 gebietsfremde Arten – zumeist aus Regionen mit ähnlichen Klimabedingungen – in der Natur dauerhaft etablieren und ausbreiten.


Gebietsfremde Arten sind Arten, die von Natur aus nicht in einem Gebiet vorkommen, sondern dort durch den Menschen absichtlich oder unabsichtlich eingebracht wurden beziehungsweise werden. Nur ein kleiner Anteil dieser gebietsfremden Arten gefährdet die biologische Vielfalt und wird daher als „invasiv“ bezeichnet.

Bislang konnten sich in Deutschland insgesamt rund 1.000 gebietsfremde Arten – zumeist aus Regionen mit ähnlichen Klimabedingungen – in der Natur dauerhaft etablieren und ausbreiten. Nach dem Zeitpunkt ihres ersten Auftretens in einem Gebiet werden gebietsfremde Arten in Archäobiota und Neobiota unterschieden. Das Jahr 1492 (Entdeckung Amerikas und Beginn des transkontinentalen Handels) gilt dabei als zeitliche Trennlinie. Neobiota sind solche Arten, die erst nach 1492 bei uns eingeführt worden sind.

Die meisten gebietsfremden Arten sind Gefäßpflanzen

Die Gefäßpflanzen bilden mit Abstand die größte Gruppe bei den gebietsfremden Arten. Dies steht in Zusammenhang mit ihrer vielfältigen Nutzung im Freiland durch Gartenbau, Land- und Forstwirtschaft, wodurch sie absichtlich oder durch Verwilderung in die freie Natur gelangen. Ein bekanntes Beispiel ist die Herkulesstaude, die vor rund 160 Jahren erstmals wild lebend in Brandenburg entdeckt wurde. Schon vor einigen tausend Jahren gelangten besonders viele Ackerwildkräuter (wie beispielsweise die Kornblume oder der Klatschmohn) im Zuge der Ausbreitung des Ackerbaus unabsichtlich von Asien nach Mitteleuropa.

Gebietsfremde Tierarten wurden überwiegend absichtlich eingeführt

Von den gebietsfremden Tierarten, die sich schon vor dem Jahr 1492 dauerhaft in Deutschland etabliert haben, kommen heute insgesamt noch rund 20 bei uns vor. Diese wurden größtenteils absichtlich eingeführt (wie der Damhirsch und der Karpfen) oder sie sind dem Menschen bei seinen Reisen gefolgt (wie zum Beispiel die Hausratte). Seit 1492 haben sich zusätzlich 319 neue gebietsfremde Tierarten in Deutschland etablieren können. Dazu zählt beispielsweise der nordamerikanische Waschbär.

Zusätzlich zu den etablierten Arten gibt es aktuell rund 1.600 gebietsfremde Pflanzen- und 450 gebietsfremde Tierarten, die bisher nur vereinzelt nachgewiesen werden konnten und damit als unbeständig gelten. Insgesamt ist vor allem bei den wirbellosen gebietsfremden Tierarten sowie bei den niederen Pflanzen und Pilzen mit einer hohen Dunkelziffer zu rechnen, da diese bislang nur unzureichend erfasst sind.

Weiterführende Infos

Neobiota Informationsportal über gebietsfremde und invasive Arten in Deutschland

Positionspapier des BfN: Gebietsfremde Arten (BfN-Skripten 128)