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Monitoring von Großraubtieren in Deutschland

Aktuelle Informationen zu Luchs und Wolf

Bundesweite Informationen zu Luchs- und Wolfsvorkommen sind für das abgeschlossene Monitoringjahr im Seitenbereich “Downloads” zu finden.

Aktuelles Schwerpunktheft "Luchs und Wolf zurück in Deutschland"

Cover Schwerpunktausgabe © Kohlhammer Verlag
Cover Schwerpunktausgabe © Kohlhammer Verlag

 

 

Die aktuelle Schwerpunktausgabe „Luchs und Wolf zurück in Deutschland“ (Januar 2021, 96. Jahrgang 2021, Heft 1) gibt einen aktuellen Überblick über Entwicklung und Status der deutschen Luchs- und Wolfsvorkommen und soll weitergehende Einblicke in die aktuelle Forschung sowie in die Praxis des Managements beider Arten ermöglichen.

 

 

 

 

 Das Heft beinhaltet folgende Beiträge:

  • Status des Luchses in Deutschland - Wölfl et al., 2021 

  • Erforschung der Populations- und Bewegungsökologie des Luchses als Grundlage eines Metapopulationsmanagements der kontinentaleuropäischen Luchspopulationen (Lynx lynx) - Heurich et al.,2021

  • Erkenntnisse zur Wiederausbreitung des Wolfs in Deutschland – Reinhardt et al., 2021

  • Gesellschaftliche Einstellungen zur Rückkehr des Wolfs nach Deutschland – Lehnen et al., 2021

  • Luchs und Wolf in Deutschland – Bewertung des Erhaltungszustands gemäß FFH-Richtlinie – Tiesmeyer et al., 2021 

  • Weiterentwicklung von Monitoringmethoden für Luchs (Lynx lynx) und Wolf (Canis lupus) durch den Einsatz von Suchhunden – Hollerbach 2021 

  • Management von Großkarnivoren am Beispiel des Herdenschutzes von Rindern – Kamp 2021

Die Zusammenfassung der Beiträge sind weiter unten auf dieser Seite aufgeführt. Die Beiträge können via https://www.natur-und-landschaft.de/de/zeitschrift/natur-und-landschaft-1-2021-157 eingesehen werden(kostenpflichtig).

Rückkehr der Großraubtiere

Seit zwei Jahrzehnten sind mit Luchs und Wolf wieder wildlebende Großkarnivoren in mehreren Regionen Deutschlands heimisch. Während die heutigen Luchspopulationen auf Auswilderungen zurückgehen, ist der Wolf auf natürlichem Wege wieder nach Deutschland eingewandert. Auch Bären lassen sich in den vergangenen 20 Jahren gelegentlich in Deutschland nachweisen. Nach der vollständigen Ausrottung im 19. Jahrhundert stellt die Rückkehr dieser Arten die Menschen in Deutschland vor neue Aufgaben, die gemeinsam gemeistert werden müssen. Wissenschaftliche Untersuchungen und das Monitoring liefert hierfür wichtige Daten zum Bestand und Vorkommen der Großraubtiere.


Luchs (Lynx lynx) ©Steyer
Luchs (Lynx lynx) ©Steyer

Der Eurasische Luchs (Lynx lynx) ist in Deutschland streng geschützt. Nachdem er lange Zeit aus seinem heimischen Lebensraum verschwunden war, gibt es heute drei voneinander isolierte Vorkommen in der Harzregion, in Ostbayern und in Rheinland-Pfalz. Heutige Luchsvorkommen gehen auf Wiederansiedlungsprojekte in den vergangenen Jahrzehnten und auf aus Nachbarländern zugewanderte Tiere zurück. Die häufigsten nachgewiesenen Todesursachen sind Verkehrsunfälle, Krankheiten und illegale Tötungen. In vielen weiteren Fällen blieb die Todesursache von tot aufgefunden Luchsen unbekannt. Im Nahrungsspektrum der Luchse machen Rehe den größten Anteil aus, Nutztiere bilden nur einen sehr geringen Anteil.


Wolf (Canis lupus) ©Anders
Wolf (Canis lupus)©Anders

Wie auch der Luchs ist der Wolf (Canis lupus) streng geschützt. Das Wolfsvorkommen konzentriert sich auf das Gebiet von Sachsen in nordwestlicher Richtung über Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern nach Niedersachsen. Weitere Wolfsterritorien wurden in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Thüringen nachgewiesen. Die meisten Rudel leben in Brandenburg. Nach Verkehrsunfällen ist die illegale Tötung die zweithäufigste Todesursache. Ausführliche Informationen zur Population, zu Rudelterritorien sowie zur Gesamtentwicklung seit dem Jahr 2000, zu Totfunden und Todesursachen bietet die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) unter: www.dbb-wolf.de.

Artenportraits dieser streng geschützten Arten der FFH-Richtlinie finden sich im FFH-Internethandbuch.

Bedeutung und Umsetzung des Monitorings von Großraubtieren    

Monitoring nimmt im Naturschutz eine wichtige Rolle ein, um Erhaltungsmaßnahmen optimal zu koordinieren und das langfristige Erreichen und Beibehalten von Erhaltungszielen zu prüfen. Die Mitgliedstaaten der EU stehen nach der FFH-Richtlinie Art. 11 in der Verpflichtung, den Erhaltungszustand streng geschützter Arten zu überwachen, zu denen neben vielen weiteren Arten auch Wolf, Luchs und Braunbär zählen. Informationen zu Vorkommen und Populationsgrößen sind von großer Bedeutung, damit Managementmaßnahmen möglichst effektiv angewendet werden können (Webseite BfN Management von Großraubtieren). Eine wichtige Rolle des Monitorings ist zudem, dass Bürger*innen über aktuelle Vorkommen informieren können.

In Deutschland liegt die Zuständigkeit für das Monitoring bei den Bundesländern und wird aus diesem Grund auf Länderebene umgesetzt. Das BfN unterstützt die Länder, in deren Verantwortung das Wolfsmonitoring und -management liegt, durch wissenschaftliche Handreichungen. Diese befassen sich unter anderem mit einheitlichen Methoden der Erfassung und Bewertung von Vorkommen, der Einschätzung von Wolfsverhalten, empfohlenen Herdenschutzmaßnahmen oder aber auch der Abschätzung, wo in Deutschland geeignete Lebensräume für Wölfe vorhanden sind.


Cover BfN Skript 413

 

 

Damit eine bundesweite Vergleichbarkeit der Monitoringdaten gewährleistet ist, hat das BfN 2009 erstmals länderübergreifend abgestimmte Standards für das Monitoring von Großraubtieren im Rahmen eines Projekts erarbeitet und diese 2015 weiterentwickelt (BfN-Skript 413). Die Entwicklung dieser Standards erfolgte auch im Austausch mit europäischen Expertinnen und Experten für Großraubtiere. Darin festgehalten sind insbesondere einheitliche Standards, welche Parameter erhoben werden sollen und wie die Auswertung und Interpretation der erhobenen Daten erfolgen soll.

Es werden zunächst alle Anhaltspunkte dokumentiert, die auf eine Anwesenheit von Großraubtieren hindeuten. Dazu gehören unter anderem Fotos aus Zufallsbegegnungen oder Fotofallen, genetisches Material für Analysen, Spuren oder auch Sichtungen. Basierend auf den international anerkannten SCALP-Kriterien werden die Hinweise anhand ihrer Überprüfbarkeit fachlich eingeordnet (s. hierzu Link DBBW https://www.dbb-wolf.de/Wolfsmanagement/monitoring/scalp-kriterien).

Das jährliche Monitoring läuft jeweils vom 1. Mai bis 30. April des darauffolgenden Jahres und umfasst einen Fortpflanzungszyklus, von der Geburt der Jungtiere bis zu deren erstem Lebensjahr. Die Bundesländer erheben in diesem Zeitabschnitt die Daten nach einheitlichen Standards, sodass eine Vergleichbarkeit gewährleistet ist. Im Anschluss werden die von den Bundesländern erhobenen Daten validiert und abgeglichen. Das BfN und die DBBW führen sie anschließend bundesweit zusammen. Die Ergebnisse werden anschließend auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht (Verbreitungskarten). Auf der Webseite der DBBW finden sich die Ansprechpersonen der Bundesländer, die für das Monitoring von Großraubtieren zuständig sind (LINK https://www.dbb-wolf.de/Wolfsmanagement/bundeslaender/ansprechpartner).

Die FFH-Richtlinie erfordert alle sechs Jahre einen Bericht über den Erhaltungszustand von Wolf, Luchs und Bär an die EU-Kommission. Der letzte Bericht wurde 2019 erstellt (https://www.bfn.de/themen/natura-2000/berichte-monitoring/nationaler-ffh-bericht.html).


Weitere Informationen:

Monitoring von Wolf, Luchs und Bär in Deutschland, BfN-Skripten 413, 2015, pdf-Datei (2,2 MB)

Standards for the monitoring of the Central European wolf Population in Germany and Poland, BfN-Skripten 398, 2015, 43 S.

Leben mit Wölfen, BfN-Skripten 201, 2007, pdf-Datei (3,3 MB)

Schwerpunktheft “Luchs und Wolf zurück in Deutschland“ - Zusammenfassungen der Beiträge

  • Status des Luchses in Deutschland - Wölfl et al., 2021(doi 10.17433/1.2021.50153865.2-10)Zusammenfassung:                                                                                                                          Der Luchs kommt in Deutschland derzeit in drei wieder angesiedelten Populationen vor: in Ostbayern, im Harzer Mittelgebirge und im Pfälzerwald. Die Statusermittlung erfolgt nach bundesweit abgestimmten Monitoringstandards und wird in jährlichen Vorkommenskarten auf Basis des 10km x 10km EU-Grids (ETRS89 LAEA) dargestellt. Die Luchspopulation in Bayern besteht seit Mitte der 1990er-Jahre, zeigt jedoch nur schwache Ausbreitungstendenzen. Hierfür ist vor allem ein hohes Ausmaß an illegaler Nachstellung verantwortlich. Die Harzer Luchspopulation dagegen breitet sich aus und einzelne männliche Luchse wanderten z.B. bis nach Brandenburg oder Bayern. Im Pfälzerwald wurde 2015 ein Wiederansiedlungsprojekt gestartet; mittlerweile werden dort jährlich im Freiland geborene Jungtiere nachgewiesen. In Baden-Württemberg sind immer wieder einzelne männliche Luchse nachgewiesen worden, die überwiegend aus der Schweiz zugewandert sind; eine Zuwanderung von Weibchen ist aufgrund der mangelnden Lebensraumvernetzung wenig wahrscheinlich. Für die langfristige Überlebensfähigkeit des Luchses in Deutschland ist die Vernetzung der bestehenden Luchsvorkommen auf mitteleuropäischer Ebene notwendig. Im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) werden in einem deutschlandweit abgestimmten fachlichen Rahmenkonzept Maßnahmen skizziert, um den Luchs in einen günstigen Erhaltungszustand zu bringen.

  • Erforschung der Populations- und Bewegungsökologie des Luchses als Grundlage eines Metapopulationsmanagements der kontinentaleuropäischen Luchspopulationen (Lynx lynx) - Heurich et al., 2021 (doi 10.17433/1.2021.50153867.11-18)Zusammenfassung:                                                                                                                         Mehr als ein Jahrhundert nach Ausrottung begann die Rückkehr der Luchse durch gezielte Wiederansiedlungsprogramme in Mitteleuropa. Obwohl diese Maßnahmen meist erfolgreich verlaufen sind, stehen die oft noch sehr kleinen Luchspopulationen heute unter großem Druck. Um das Überleben der Luchse in Mitteleuropa dauerhaft zu sichern und deren Ausbreitung zu ermöglichen, wird eine staatenübergreifende Strategie zur Erhaltung und Vernetzung der noch vorhandenen Lebensräume sowie zur Bekämpfung der Wilderei benötigt. Grundlage für die Entwicklung dieser Strategien ist ein profundes Wissen über die Ökologie von Luchspopulationen und dessen Integration in Simulationsmodelle. In diesem Beitrag wird der aktuelle Wissensstand zur Bewegungsökologie und Demographie der Luchse vorgestellt, Wissenslücken werden aufgezeigt. Darüber hinaus wird beschrieben, wie man das Verhalten individueller Luchse mit einem räumlich-expliziten, individuenbasierten Modell abbilden kann und welche Fragestellungen des Naturschutzmanagements damit schon beantwortet wurden. Anschließend geht der Beitrag der Frage nach, wie die bestehenden Ansätze verbessert werden können, so dass realitätsgetreuere Simulationen möglich werden. 

  • Erkenntnisse zur Wiederausbreitung des Wolfs in Deutschland – Reinhardt et al., 2021 (doi 10.17433/1.2021.50153869.19-26)Zusammenfassung:                                                                                                                         Seit der Wolf im Jahr 2000 nach Deutschland zurückgekehrt ist, hat sich die Art wieder in vielen Regionen des Landes etabliert. Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die aktuellen Erkenntnisse zu Bestandssituation, genetischer Struktur, Krankheiten und Todesursachen sowie Nahrungsökologie des Wolfsbestands in Deutschland und erläutert, wie diese Daten erhoben werden. Die Ausbreitung des Wolfs erfolgte von der Lausitz ausgehend v.a. in nordöstliche Richtung, aber zunehmend werden auch Regionen in anderen Landesteilen besiedelt. Das Populationswachstum betrug von 2000 bis 2019 jährlich 28%, kann aber regional sehr unterschiedlich verlaufen. Tot aufgefundene Wölfe kamen in zwei Drittel der Fälle durch den Straßenverkehr um; immer wieder kann auch illegaler Beschuss nachgewiesen werden. Die Wölfe in Deutschland bilden aus genetischer Sicht zusammen mit den Tieren im westlichen Polen eine weitgehend homogene Population, die sich bislang nur wenig mit benachbarten Populationen vermischt hat. Die Hybridisierungsrate in Deutschland ist mit <1% sehr gering. Die Hauptnahrung der Wölfe in Deutschland sind Rehe, durch die opportunistische Ernährungsweise kann sich die Nahrungszusammensetzung aber regional unterscheiden. Nutztiere sind mit weniger als 2% der konsumierten Biomasse in der Wolfsnahrung enthalten. Die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) wird weiterhin die Monitoringergebnisse zum Wolf zusammenführen und sie der Öffentlichkeit und den Behörden zugänglich machen.

  • Gesellschaftliche Einstellungen zur Rückkehr des Wolfs nach Deutschland – Lehnen et al., 2021 (doi 10.17433/1.2021.50153871.27-33)Zusammenfassung:                                                                                                              Bundesweite Umfragen zeigen, dass die Mehrheit der Menschen in Deutschland die Rückkehr des Wolfs begrüßt und ihn als Bereicherung wahrnimmt. Auf Grund starker Ablehnung des Wolfs durch einen kleinen Bevölkerungsteil ist die Rückkehr aber auch mit sozialen Spannungen und Unzufriedenheit verbunden. Wegen deren potenzieller Auswirkungen auf die Naturschutzpolitik sollten für einen langfristig wirkungsvollen Wolfsschutz Faktoren berücksichtigt werden, die Akzeptanz und Ablehnung zu Grunde liegen. Empfundene Vorteile und Freude über die Anwesenheit des Wolfs begünstigen Akzeptanz, während Angst und empfundene Risiken Ablehnung stärken. Studien zeigen, dass neutrale Informationsquellen zum Abbau angstfördernder Vorurteile beitragen können, während Quellen, die Konflikte und Stereotype betonen, sie intensivieren. Auch Wertvorstellungen und darauf basierende Gruppenidentitäten können für die Akzeptanz des Wolfs eine wichtige Rolle spielen. Die Würdigung der Vielfalt und Belange von Interessengruppen sowie das Herausarbeiten gruppenübergreifender Gemeinsamkeiten und Ziele sind wichtige Schritte für die Koexistenzplanung und für die Akzeptanz von Entscheidungen im Wolfsmanagement.

  • Luchs und Wolf in Deutschland – Bewertung des Erhaltungszustands gemäß FFH-Richtlinie – Tiesmeyer et al., 2021 (doi 10.17433/1.2021.50153873.34-42)Zusammenfassung:                                                                                                                          Der Fokus des Artikels liegt auf der methodischen Herleitung der Bewertungsgrundlagen sowie der Vorgehensweise im Rahmen der Berichtspflichten nach Art. 17 Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. Im Detail werden am Beispiel der beiden Großraubtierarten Luchs (Lynx lynx) und Wolf (Canis lupus) die wissenschaftlichen Grundlagen und die methodische Vorgehensweise anhand der Parameter Verbreitungsgebiet und Population dargestellt, die eine Bewertung der Gesamtentwicklung des Erhaltungszustands in Deutschland ermöglichen. Der Erhaltungszustand von Luchs und Wolf in Deutschland für die Berichtsperiode 2013-2018 wird zudem anhand der Parameter Verbreitungsgebiet, Populationsstatus, Habitat der Art und Zukunftsaussichten sowie der Gefährdungen und Beeinträchtigungen dargestellt. Zusätzlich werden die Ergebnisse mit den Bewertungen in den nationalen Berichten der angrenzenden EU-Mitgliedstaaten in Bezug gesetzt.

  • Weiterentwicklung von Monitoringmethoden für Luchs (Lynx lynx) und Wolf (Canis lupus) durch den Einsatz von Suchhunden – Hollerbach 2021 (doi 10.17433/1.2021.50153875.43-46)Zusammenfassung:                                                                                                                 Genetisches Monitoring ist ein wichtiger Bestandteil des verpflichtenden Monitorings von Luchs und Wolf in Deutschland. Proben (z.B. Kot) dieser Arten für genetische Analysen sind jedoch oftmals nicht leicht zu finden. Suchhunde können die Probenzahlen und somit die Aussagekraft genetischer Studien signifikant erhöhen und kurzfristig für die Intensivierung des Monitorings als Grundlage für Managemententscheidungen eingesetzt werden. Mit dem Einsatz von Suchhunden für das Monitoring von Großkarnivoren sind einige Herausforderungen verbunden, die in diesem Beitrag diskutiert und zu denen entsprechende Empfehlungen gegeben werden. In der Weiterentwicklung von Monitoringmethoden für Luchs und Wolf haben Suchhunde ein großes Potenzial, das noch nicht voll ausgeschöpft ist.

  • Management von Großkarnivoren am Beispiel des Herdenschutzes von Rindern – Kamp 2021 (doi  10.17433/1.2021.50153877.47-52)Zusammenfassung:                                                                                                                         Seit dem Beginn der natürlichen Wiederbesiedlung Sachsen-Anhalts durch wilde Wölfe 2008 hat sich die Population auf weitere Teile des Bundeslands ausgebreitet. Gleichzeitig wurde auch eine Zunahme tödlicher Wolfsübergriffe auf Nutztiere registriert. In den Jahren 2016 und 2017 gab es einen starken Anstieg von Übergriffen auf Rinder. Die Opfer waren in den meisten Fällen nicht älter als 14 Tage und durch eine Zäunung mit ein oder zwei Stromlitzen gesichert, die leicht von Wölfen und Kälbern unterwunden werden konnte. Um geeignete Herdenschutzmaßnahmen zu evaluieren, startete das Landesamt für Umweltschutz mit den zwei am stärksten betroffenen Betrieben ein Pilotprojekt. Das Ziel war, den Mehraufwand eines 5-Litzen-Zaunsystems zu erfassen und herauszufinden, inwieweit dieses System praktisch umsetzbar ist. Mit Beginn der Vegetationsperiode gaben beide Betriebe an, dass ein Umsetzen und Freimähen des Zauns sowie die geplante Datenerfassung auf Grund des hohen Mehraufwands nicht möglich seien. Es wurden verschiedene Lösungsansätze mit den beteiligten Betrieben besprochen, die jedoch in der Projektphase nicht umgesetzt wurden. Nachdem einer der Betriebe das Zaunmaterial zurückgegeben hatte, wurde das Projekt in einem neuen Betrieb fortgeführt. Nach kurzer Zeit gab auch dieser Betrieb einen erhöhten Arbeitsaufwand an, führte das Projekt aber fort und sammelt die benötigten Daten zum Mehraufwand. In keinem der Betriebe gab es Übergriffe von Wölfen auf Rinder, die mit dem 5-Litzen-Zaun gesichert waren. Das Projekt wird weitergeführt. Am Ende wird evaluiert, inwieweit das Zaunsystem praktisch einsetzbar ist und ob Betriebe in der Umsetzung staatlich unterstützt werden sollten.


Die Beiträge können via https://www.natur-und-landschaft.de/de/zeitschrift/natur-und-landschaft-1-2021-157 gelesen werden (kostenpflichtig).

Pilotstudie zur Abwanderung und zur Ausbreitung von Wölfen in Deutschland 2006-2011

Im Rahmen eines Forschungs- und Entwicklungsvorhabens (Zeitraum 2006-2011) sollten zentrale Fragen zum Abwanderungsverhalten von Jungwölfen in Deutschland untersucht werden. Beteiligte Partner waren das Kontaktbüro „Wolfregion Lausitz“, das sächsisches Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft, die Umweltministerien und Fachbehörden weiterer Bundesländer und das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit. Die Fachbetreuung erfolgte durch das Fachgebiet II 1.1, Zoologischer Artenschutz, im Bundesamt für Naturschutz.

In der Regel verlassen Jungwölfe im Alter zwischen 1 und 3 Jahren ihr elterliches Rudel, um sich einen Paarungspartner zu suchen und ein eigenes Territorium zu besetzen. Um erstmalig Kenntnisse über Ausbreitungsrichtungen, Bewegungsmuster und mögliche Beeinträchtigungen bei der Abwanderung in Mitteleuropa zu erlangen, sollten Wölfe in der Lausitz/ Sachsen gefangen und mit GPS-Halsbandsendern versehen werden.

Nach mehreren erfolglosen Versuchen mit der sogenannten Lappjagd sowie unterschiedlichen Fallen-Typen und Lockstoffen wurden im Jahr 2009 drei Wolfsrüden mit Namen „Karl“, „Rolf“ und „Alan“ gefangen. Drei weiter Wölfe („Lisa“, „Einauge“ und „Mona“) wurden 2010 gefangen und besendert. Mittels der Sender konnten die Aufenthaltsorte der Wölfe via Satellit festgestellt werden. Während sich die ersten beiden Tiere, von Ausflügen in das benachbarte Brandenburg abgesehen, weiterhin in der Nähe ihrer Herkunftsgebiete aufhielten und dort eigene Territorien etablierten, wanderte „Alan“ in 47 Tagen mehr als 1550 km bis nach Weißrussland.

Die Studienergebnisse wurden in der Zeitschrift „Natur und Landschaft“ veröffentlicht (91. Jahrgang 2016, Heft 6).

Zusammenfassung I. Reinhardt und G. Kluth (2016): Abwanderungs- und Raumnutzungsverhalten von Wölfen (Canis lupus) in Deutschland - Ergebnisse einer ersten Telemetriestudie“    

Link zur Webseite des Kohlhammer-Verlags 

Wolf (Canis lupus) © Anders
Wolf (Canis lupus) © Anders

Kontakt für weitere Fragen :

FG II 1.1: Zoologischer Artenschutz

Letzte Änderung: 26.03.2021

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