Bundesamt für Naturschutz

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Nachhaltige Nutzung von Wildpflanzen

Weltweit werden ca. 50.000 – 70.000 Pflanzenarten in der traditionellen und modernen Medizin genutzt. Der größte Teil dieser Pflanzen wird aus Wildsammlung gewonnen, so dass schätzungsweise bis zu 15.000 Heil- und Aromapflanzen bedroht sind, dies vielfach als Ergebnis von nicht nachhaltigen Sammelpraktiken, aber auch anderen Faktoren wie Habitatverlusten oder Umweltänderungen. Nur etwa 3.000 MAP-Arten (Medicinal and Aromatic Plants) werden kultiviert, so dass die Wildsammlung auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird. Die Bevölkerung in Entwicklungsländern ist für ihre Gesundheitsvorsorge in vielfältiger Weise auf MAP angewiesen.

Der internationale Standard zur nachhaltigen Wildsammlung von Heil- und Aromapflanzen (ISSC - MAP)

Industrie, Regierungen, lokale Gemeinschaften und indigene Völker, Zertifizierer, Resourcenmanager und Sammler benötigen standardisierte Methoden für die Einschätzung der Nachhaltigkeit von Wildsammlung. Außerdem verlangen die Konsumenten nach nachhaltig und ethisch korrekt produzierten Produkten. Um dieser Nachfrage zu begegnen, wurde der Internationale Standard für die nachhaltige Wildsammlung von Heil- und Aromapflanzen (International Standard for Sustainable Wild Collection of Medicinal and Aromatic Plants, ISSC-MAP) von der Heilpflanzen-Spezialistengruppe (Medicinal Plant Specialist Group, MPSG), der Weltnaturschutzunion IUCN, dem Bundesamt für Naturschutz (BfN), WWF Deutschland und TRAFFIC entwickelt. Eine internationale Beratergruppe aus mehr als 150 Experten mit unterschiedlichem Erfahrungshintergrund half bei der Entwicklung des ISSC-MAP.

Der ISSC-MAP bietet erstmalig Kriterien und Indikatoren für eine nachhaltige Wildsammlung von Heil- und Aromapflanzen an. Der Standard soll all den Akteuren, die mit der Sammlung, Management, Handel, Verarbeitung und Ver­kauf von MAP zu tun haben, helfen, die Bedingungen, unter denen eine nachhaltige Sammlung dieser Ressourcen stattfinden kann, zu verstehen und sie zu erfüllen.

Der Standard besteht aus sechs Prinzipien, 18 untergeordneten Kriterien und zahlreichen Indikatoren zur Verifizierung. In den ISSC-MAP sind Prinzipien und Richtlinien für nachhaltige Waldnutzung, biologischen Landbau und gute landwirtschaftliche Praxis, fairen Handel und Produktqualität eingeflossen. Der Schwerpunkt liegt auf den bisher meist vernachlässigten ökologischen Aspekten wie der Notwendigkeit, Ressourcen zu inventarisieren, und der Bestimmung nachhaltiger Sammelmengen.

Seit Oktober 2008 ist der ISSC-MAP Bestandteil des von der FairWild Foundation (www.fairwild.org) geführten FairWild Standards. Neben den ökologischen Anforderungen beinhaltet der FairWild Standard umfassende FairTrade- und soziale Kriterien und liefert somit eine umfassende Anleitung für die Gute Praxis im Bereich Wildsammlung.

Über das von der FairWild-Stiftung angebotene FairWild-Label ist auch eine Zertifizierung möglich. Der FairWild-Standard ist anwendbar auf wild gesammelte Pflanzen, Pilze, Flechten und deren Teile; vom Rohmaterial bis zum Endprodukt. Der Standard ist in unterschiedlichen Szenarien im Bereich nachhaltiges Management und nachhaltige Sammlung von Wildpflanzen einsetzbar.

Die Veröffentlichung zum ISSC-MAP (BfN-Skripten 195) und Informationen zur Entstehung des Standards stehen zum Download zur Verfügung. Des Weiteren finden Sie über folgenden Link den englischsprachigen Film „Healing Power from Nature“, der von WWF und TRAFFIC produziert und vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung finanziert wurde.

In den Jahren 2016 bis 2017 wurde in einem vom BfN geförderten Projekt der ISSC-MAP und in diesem Zuge auch der FairWild-Standard als seine wichtigste Umsetzung evaluiert. Es wurden verschiedene Implementierungen des ISSC-MAP und einzelner Bestandteile identifiziert und beschrieben, bzw. Auswirkungen auf andere Standards, Regelwerke und Initiativen untersucht und daraus allgemeine Aussagen zur Entwicklung und Implementierung von Nachhaltigkeitsstandards abgeleitet. Die Ergebnisse wurden in BfN-Skript 513 veröffentlicht.

Letzte Änderung: 23.01.2019

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